Ökonomen-Stimmen zur Zinsentscheidung der US-Notenbank 18.03.2026, 20:52 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Angesichts von Inflationssorgen infolge des Iran-Krieges tritt die US-Notenbank Federal Reserve auf die Bremse. Die Mehrheit des zwölfköpfigen Zentralbankrates stimmte dafür, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Und es dürfte nicht das letzte Mal sein, dass die Fed den Zins nicht anrührt: Denn die Aussicht auf ein Anziehen der Teuerungsrate lässt Zinssenkungen in diesem Jahr in weite Ferne rücken.

Einschätzungen von Ökonomen im Überblick:

Christoph Balz, Ökonom bei der Commerzbank

"Die US-Notenbank hat heute erwartungsgemäß die Leitzinsen nicht geändert. Die weitere Entwicklung sei auch wegen der Entwicklungen im Mittleren Osten unsicher. (...) Wir erwarten weiterhin, dass die Notenbank die Zinssenkungen wieder aufnimmt, wenn die Lage wieder übersichtlicher ist und die Ölpreise wieder fallen. Sollte der Konflikt länger anhalten und die Inflation länger überschießen, könnte sich der Zeitplan allerdings nach hinten verschieben."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank

"Die Fed klang heute sehr falkenhaft. Eine baldige Zinssenkung zeichnet sich jedenfalls nicht ab. Die Inflationsrisiken standen im Vordergrund. Fed-Chef Jerome Powell wird seine im Mai endende Amtszeit als Vorsitzender der Fed ohne eine weitere Zinssenkung beenden, soviel wurde heute klar."

Elmar Völker, Senior Fixed Income Analyst im LBBW Research

"Die Ungewissheit über die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die ohnehin noch erhöhte Inflation erschwert der Notenbank ihren Job. Bleibt es bei einem zeitlich eng begrenzten Energiepreisschock, dann dürfte sie durch diesen hindurchschauen. Zumal die schleppende Nachfrage nach Arbeitskräften die Gefahr einer Preis-Lohn-Spirale derzeit kleinhält. Bleiben die Ölpreise hingegen über den laufenden Monat hinaus für längere Zeit auf sehr hohem Niveau, dann wächst die Gefahr von Zweitrundeneffekten und die Tür für eine weitere Leitzinssenkung im laufenden Jahr dürfte sich schließen. Der Weg zu einem kompletten geldpolitischen Schwenk, sprich zu baldigen Leitzinsanhebungen, erscheint angesichts der eingetrübten Arbeitsmarktlage derweil aus heutiger Sicht ziemlich weit."

Michael Heise, Chefökonom von HQ Trust:

"Die Eskalation der Lage in Nahost macht es sehr unwahrscheinlich, dass die FED in 2026 die Leitzinsen senken wird. Auch wenn die Öl- und Gaspreise angesichts der Ungewissheiten über den Verlauf und die Dauer des Konflikts schwer zu prognostizieren sind, muss bereits jetzt für das Jahr mit einer höheren Inflationsrate gerechnet werden. Eine Zinserhöhung der Fed wäre allerdings auch verfrüht. Denn der Anstieg der Öl- und Gaspreise ist ein erheblicher Belastungsfaktor für das zuletzt ohnehin recht langsame Wachstum und den schwachen Arbeitsmarkt in den USA."

Thomas Altmann, Analyst bei QC Partners

"Es ist eine 11-1 Entscheidung. Außer Stephen Miran haben heute alle für den Kurs von Jerome Powell gestimmt. Das zeigt auch, dass das FOMC nach einigen kontroverseren Zinsentscheidungen wieder enger zusammenrückt. Der Konflikt im Mittleren Osten wird bewusst im schriftlichen Statement erwähnt. Damit zeigt die FED, dass sie die möglichen Auswirkungen im Blick hat. Sie zeigt aber auch, dass sie keinen akuten Handlungsbedarf erkennt. Ansonsten ist die FED bemüht, die Änderungen im Statement so gering wie möglich zu halten, um jede Irritation zu vermeiden."

Roger Rüegg, Leiter Multi-Asset-Solutions bei Swisscanto/ZKB

"Da die Inflationsängste aufgrund der Iran-Krise stark zugenommen haben, preist der Markt die nächste Zinssenkung nun erst für April 2027 ein. Die Fed selbst rechnet mit einer Zinssenkung in diesem Jahr und einer weiteren im Jahr 2027. Wir sehen dies etwas anders und erwarten zusätzliche Zinssenkungen sowohl im September als auch im Dezember, vor allem wegen des sich abschwächenden Arbeitsmarktes."

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