Ölpreise überspringen 100-Dollar-Marke deutlich - Hoch seit Sommer 2022 09.03.2026, 06:50 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

NEW YORK/LONDON (dpa-AFX) - Die Ölpreise haben am Montag im frühen Handel wegen der sich weiter verschärfenden Lage im Nahen Osten ihren Höhenflug der vergangenen Woche fortgesetzt. Der Preis für ein Fass (159 Liter) Rohöl der Nordsee-Marke Brent stieg in der Nacht auf Montag um bis zu 29 Prozent auf fast 120 Dollar. Das Niveau konnte er aber nicht ganz halten, lag allerdings am Morgen mit etwas mehr als 115 Dollar immer noch 24 Prozent im Plus.

Damit kletterte der Preis für die Referenzsorte des Großteils der weltweit gehandelten Ölsorten auf den höchsten Stand seit dem Sommer 2022. Seit dem Start des Iran-Kriegs vor etwas mehr als einer Woche beläuft sich das Plus auf fast 60 Prozent.

Noch etwas stärker fiel der Anstieg bei der US-Sorte WTI aus. Dieses verteuerte sich in der Nacht auf Montag um bis zu 21 Prozent auf ebenfalls knapp 120 Dollar. Zuletzt lag der Preis bei knapp 113 Dollar und damit rund ein Viertel über dem Stand vom Freitagabend. Damit baute WTI-Öl das Plus seit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran auf knapp 70 Prozent aus.

Die Angst vor einer längeren Sperrung der Straße von Hormus bleibt ein bestimmendes Thema auf dem Ölmarkt. Seit den amerikanisch-israelischen Attacken auf den Iran und den iranischen Gegenangriffen passieren kaum noch Schiffe die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.

Durch sie wird in Friedenszeiten täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert. Sie ist auch sehr wichtig für den Transport von Flüssiggas, etwa aus Katar. Viele Investoren fürchten zudem, dass die Lage im Nahen Osten weiter eskaliert und die Ölproduktion in der Region nachhaltig beeinträchtigt wird und deshalb erst einmal sinken wird.

US-Präsident Donald Trump, für den steigende Spritpreise mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen im Herbst und die Lebenshaltungskosten seiner Wählerschaft zum Problem werden könnten, versuchte, den Fokus auf die langfristige Entwicklung zu lenken: "Die kurzzeitigen Ölpreise, die nach der Beseitigung der nuklearen Bedrohung durch den Iran rapide sinken werden, sind ein sehr geringer Preis für die Sicherheit und den Frieden der USA und der Welt", schrieb er auf seiner Plattform Truth Social - und fügte dann in Großbuchstaben hinzu: "NUR IDIOTEN WÜRDEN DAS ANDERS SEHEN!"

Ende vergangener Woche hatte Katars Energieminister Saad al-Kaabi in einem Interview der "Financial Times" vor schwerwiegenden Folgen des Kriegs im Nahen Osten für Lieferungen von Energierohstoffen aus der Region gewarnt. Es sei zu befürchten, dass alle Förderstaaten am Persischen Golf ihre Produktion innerhalb weniger Wochen einstellen könnten. Dann wäre nach Worten des Ministers ein Anstieg des Ölpreises bis auf 150 US-Dollar möglich.

Aufgrund der faktischen Blockade der Meerenge von Hormus gehen den Produzenten am Persischen Golf teils die Lagerkapazitäten aus. Kuwait hat seine Produktion Medienberichten zufolge bereits gedrosselt.

Am Sonntag hatte das zuständige Gremium im Iran nach dem Tod des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei dessen Sohn zum Nachfolger berufen. Der 56-jährige Modschtaba Chamenei wird in dem Amt, das die oberste geistliche Autorität und die Rolle des Staatsoberhaupts vereint, künftig das letzte Wort in allen politischen und militärischen Belangen haben.

US-Präsident Donald Trump hatte jüngst bereits deutlich gemacht, dass er den Chamenei-Sohn als neues staatliches Oberhaupt ablehne. Die Entscheidung wurde nach Mitternacht Ortszeit verkündet - nach einem Tag, der mit der Bombardierung eines Öllagers in Teheran begonnen hatte. Dichte Rauchschwaden hatten den Himmel über der Hauptstadt bedeckt. Aufnahmen nach dem Angriff am Samstagabend zeigten einen gewaltigen Feuerball.

Ajatollah Ali Chamenei war bei einem israelischen Luftangriff am 28. Februar in Teheran getötet worden. Das israelische Militär drohte, dass auch der Nachfolger nicht sicher sei. "Die Hand des Staates Israel wird weiterhin jeden Nachfolger verfolgen, und jeden, der einen Nachfolger zu ernennen versucht", hieß es in einem Post auf Farsi auf der Plattform X. Ähnlich hatte sich auch US-Präsident Donald Trump geäußert./zb/ag

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