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Philipp Jessen

Ohne Social Media kein politischer Erfolg 10.09.2026, 06:48 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Autor und Kommunikationsexperte Philipp Jessen bescheinigt den Parteien der Mitte fehlendes Gespür für die sozialen Medien. Trotz ihrer Ressourcen seien diese nicht in der Lage, die Plattformen richtig zu bespielen, sagte Jessen der Deutschen Presse-Agentur in einem Interview zu seinem neuen Buch "Shitfluencer". Das Argument, komplexe politische Lösungen ließen sich nicht in kurzen Beiträgen erklären, bezeichnete er als "Schwachsinn". Die AfD sei erfolgreich darin, Menschen mit Themen aus ihrem Alltag anzusprechen: "Die AfD holt die Leute da ab, wo sie sind."

Jessen warnte: "Politiker, die auf Social Media nicht funktionieren und da kein Verständnis haben, werden in Zukunft auch keine politische Verantwortung mehr tragen können, weil sie es nicht transportiert bekommen." Es reiche nicht, lediglich eigene Social-Media-Teams zu beschäftigen, sagte Jessen, Gründer der Kommunikationsagentur StoryMachine.

Politiker müssten selbst eine Vorstellung davon entwickeln, wie sie in den sozialen Netzwerken auftreten wollten und könnten. Jessen zieht einen Vergleich zu Robbie Williams. Der Sänger habe ihm einmal auf die Frage, wer er auf der Bühne sei, geantwortet: "Ich selber 10.000-fach potenziert." Ähnlich sei es in sozialen Netzwerken: Trotz inszenierter Inhalte werde dort etwas von der Person sichtbar.

Als positives Beispiel nennt Jessen CSU-Chef Markus Söder. Dieser habe es durch Selbstironie geschafft, dass ihn auch die jüngere Generation wahrnehme. Auch Grünen-Politikerin Ricarda Lang habe ihren Auftritt in den sozialen Netzwerken nach ihrem Rückzug vom Parteivorsitz stark verändert. "Sie erfindet sich komplett neu, geht ganz anders in die sozialen Kanäle."

Jessen, der die Social-Media-Agentur StoryMachine 2017 mit Kai Diekmann und Michael Mronz gründete, beschäftigt sich in seinem neuen Buch mit politischer Kommunikation in sozialen Netzwerken. Darin kritisiert er sowohl radikale Akteure als auch die Parteien der Mitte und warnt vor den Folgen sozialer Medien für die Demokratie.

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