ROUNDUP 2/Hantavirus

Vier Schiffspassagiere nach Deutschland gebracht 11.05.2026, 14:17 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

(neu: mehr Details und Hintergrund)

FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - Vier der vom Hantavirus-Ausbruch auf einem Schiff betroffenen deutschen Passagiere stammen dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) zufolge aus Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Sachsen. Keiner von ihnen habe bisher Symptome. Die Passagiere sollten im Tagesverlauf vom Uniklinikum Frankfurt aus in die jeweiligen Bundesländer gebracht werden.

Zu erwarten sei, dass sie an ihren Wohnorten in häusliche Quarantäne kommen, teilte das Ministerium mit. "Während der nächsten Wochen werden die Kontaktpersonen kontinuierlich und engmaschig auf Symptome überwacht." Über die konkreten Maßnahmen entscheiden die jeweils zuständigen Gesundheitsämter.

Wochen bis zum kompletten Aufatmen

Von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit kann es Experten zufolge bei diesem Erreger bis zu 45 Tage dauern. Falls doch noch eine Person erkranken sollte, könne sie in speziellen Zentren nach besten medizinischen Standards und sicher behandelt werden, teilte das BMG mit.

Ein weiterer deutscher Passagier war nach Großbritannien geflogen worden, wie die britische Nachrichtenagentur PA berichtete. Der Deutsche lebe in Großbritannien. Vom Landesgesundheitsamt Niedersachsen hieß es, eine Person aus Niedersachsen sei auf dem Schiff gewesen und befinde sich nach Absprache im Ausland - ob Großbritannien gemeint war oder es sich um einen weiteren Menschen handelte, blieb zunächst unklar.

Ein Zufall führte zum Ausbruch

Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von einem niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien mit dem südamerikanischen Andesvirus angesteckt haben könnte. Es wird wie alle Hantaviren in der Regel von Nagetieren übertragen.

Das Andesvirus ist das einzige Hantavirus, das auch von Mensch zu Mensch weitergegeben werden kann. Es gab in den vergangenen Jahrzehnten jedoch nur einige wenige erfasste Ausbrüche in Südamerika, die alle rasch wieder abebbten. Auch im aktuellen Fall sehen Experten kein Risiko für eine umfassende Ausbreitung des Erregers.

Die Besonderheit diesmal ist lediglich, dass das Virus zufällig auf einem Kreuzfahrtschiff mit vielen Passagieren aufgetreten ist. Da die Symptome denen verschiedener Atemwegserkrankungen ähneln, war erst verzögert auf das Hantavirus getestet worden. Erst dann kamen strengere Isolierungs- und Überwachungsmaßnahmen in Gang. Dadurch war es anfangs zu einigen Ansteckungen gekommen.

Am Sonntag waren erste Sonderflüge von der Kanareninsel Teneriffa - wo die "Hondius" nach mehreren Wochen auf See angelegt hatte - gestartet, um die Menschen vom Schiff aus insgesamt 23 Nationen unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen in ihre Heimat zu bringen.

Einzelne Meldungen aus Frankreich und den USA

Inzwischen wurde auch eine Französin positiv auf das Virus getestet. Der Zustand der Frau habe sich in der Nacht verschlechtert, sagte Frankreichs Gesundheitsministerin Stéphanie Rist dem Sender France Inter. Nach Angaben des US-Gesundheitsministeriums zeigte von den 17 Landsleuten, deren Rückholung die Regierung organisierte, einer milde Symptome. Bei einem weiteren habe ein PCR-Test "mild positiv" angeschlagen. PCR-Tests können bereits eine sehr geringe Virenmenge nachweisen.

Einen größeren Anstieg der Fallzahl gibt es weiterhin nicht - und Experten rechnen wegen der geringen Ansteckungsfähigkeit des Erregers auch nicht mit ihm. Mit Blick auf den dieser Tage mitunter gezogenen Vergleich mit dem Coronavirus sagte Lars Schaade, Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI) im ZDF-"heute journal": "Das ist ein ganz anderes Virus, und die Gefahr ist überhaupt nicht vergleichbar." Sehr viele andere Erreger wie etwa das Masernvirus sind wesentlich - um ein Vielfaches - ansteckender als das Andesvirus.

Das Andesvirus sei zudem schon lange bekannt und gut einschätzbar, hieß es weiter. Bislang sei es immer gelungen, "die Ausbruchssituation entsprechend unter Kontrolle zu bringen".

Mittlere einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger auf dem Schiff

Auf der "Hondius" waren zuletzt insgesamt 140 bis 150 Reisegäste, Besatzungsmitglieder und begleitende Experten. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums war darunter eine mittlere einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger.

Die "Hondius" sollte nach Ausschiffung der Menschen mit einem Teil der Crew in Richtung Niederlande steuern, unter deren Flagge sie fährt. Erst nach der Ankunft im Hafen Rotterdam soll die an Bord gestorbene Deutsche vom Schiff gebracht werden. Auch die Desinfektion des Schiffs sollte in den Niederlanden erfolgen.

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