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Merck gibt sich verhalten für 2026 - Aktie rutscht ab 16.10.2025, 14:10 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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(neu: Kurs, Aussagen zu 2026, Experten und mehr Details)

DARMSTADT (dpa-AFX) - Nach einem eher holprigen Geschäftsverlauf stehen dem Merck-Konzern voraussichtlich auch 2026 Schwierigkeiten bevor. Zweimal musste Vorstandschefin Belen Garijo bereits ihre Ziele für 2025 senken, nun kalkuliert das Management für das kommende Jahr obendrein nur mit einer stabilen Marge gemessen am operativen Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Analysten stuften dies als Enttäuschung ein. An der Börse kamen die Aussagen vom Kapitalmarkttag am Donnerstag nicht gut an.

Zunächst hatten sich die Investoren noch über zuversichtlich klingende Mittelfristziele gefreut, die die scheidende Konzernchefin Belen Garijo ebenfalls präsentierte. Nach anfänglichen deutlichen Kursgewinnen drehte die in den vergangenen Jahren ohnehin schlecht gelaufene Aktie schon am Morgen ins Minus und weitete dies Stück für Stück aus. Zuletzt büßte das Papier fast fünf Prozent auf 110,70 Euro ein und war mit Abstand der schwächste Dax-Titel .

Die ersten Indikationen von Merck deuteten auf ein schwächeres operatives Ergebnis im kommenden Jahr hin, als bislang vom Markt erwartet worden sei, kommentierte Analyst Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan. Mit dem deutlichen Rückgang beendete das Papier auch wieder die jüngste Erholungsphase nach dem im August erreichten Mehrjahrestief.

Seit dem Rekordhoch von 231,50 Euro ging es mit dem Kurs um mehr als die Hälfte nach unten. Das Papier zählt damit in den vergangenen Jahren zu den größten Verlierern im deutschen Leitindex Dax. Mit einem Börsenwert von knapp 50 Milliarden Euro rangiert Merck nur noch im oberen Mittelfeld der 40 Dax-Werte. Ende 2021 hatte das Unternehmen mit knapp 100 Milliarden noch auf Rang fünf gelegen.

Merck geht bei seiner Einschätzung davon aus, dass zwar die Absatzmärkte für das Laborgeschäft und die auf Halbleitermaterialien ausgerichtete Sparte Electronics sich im kommenden Jahr bessern werden; im Pharmageschäft rechnet das Management aber mit einer zeitweisen Marktabkühlung, wie aus der Analystenpräsentation hervorgeht.

Auch weisen die Darmstädter auf die Einflüsse von Zöllen im Laborgeschäft hin, die Margenverbesserungen überschatten dürften. Überdies werde die inzwischen vollzogene milliardenschwere Übernahme des US-Krebsspezialisten Springworks Therapeutics sich erst ab dem zweiten Halbjahr 2026 positiv im organischen Wachstum niederschlagen, hieß es weiter. Konzernweit sei daher im kommenden Jahr abseits von Währungs- und Portfolioeffekten mit einem Umsatzplus im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zu rechnen.

Für die kommenden Jahre gibt sich Merck dank des jüngsten Konzernumbaus aber zuversichtlicher. "Wir setzen klar auf Wachstum", betonte Garijo. Angepeilt ist mittelfristig für den Konzern ein jährliches organisches Umsatzplus im mittleren einstelligen Prozentbereich. Bis zu 80 Prozent des künftigen Wachstums soll das neue Portfolio für seltene Erkrankungen gemeinsam mit Lösungen für die Arzneientwicklung und dem Geschäft mit Halbleiterlösungen für die Elektronikindustrie beisteuern.

Dabei traut das Management der Pharmasparte nach der Übernahme von Springworks mittelfristig ein höheres organisches Wachstum zu als bisher: Der Bereich dürfte künftig jährlich im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Zudem will Merck im operativen Geschäft profitabler werden und die operative Marge (bereinigte Ebitda-Marge) mittelfristig um einen Prozentpunkt verbessern.

Merck hatte sich im Juli für rund 3 Milliarden Euro Springworks einverleibt, es war die größte Übernahme im Pharmabereich seit rund zwei Jahrzehnten. Zugleich sucht das Management weiter nach Gelegenheiten für Zukäufe auch im Laborgeschäft - der Bereich habe hinsichtlich Übernahmen weiter Priorität, bekräftigte Garijo. Bisher erfolgten dort vergleichsweise kleinere Übernahmen, etwa von Mirus Bio, HUB Organoids und dem erst zur Wochenmitte verkündeten Kauf des Chromatografie-Geschäfts des US-Unternehmens JSR Life Sciences.

Unterdessen plant Merck für die Laborsparte, die sich aktuell von dem Post-Corona-Knick erholt, ab dem kommenden Jahr eine organisatorische Neuaufstellung der drei Bereiche. Damit richte Merck seine Vermarktungsstrategie näher am Kunden aus und schärfe seinen Fokus, hieß es.

Für die Sparte Electronics rund um das Geschäft mit Halbleitermaterialien strebt Merck - wie in der Laborsparte - ebenfalls ein jährliches organisches Umsatzplus im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich an. Der kleinste Unternehmensbereich profitiert aktuell von einer hohen Nachfrage rund um Künstliche Intelligenz. Im zweiten Quartal hatten aber hohe Rückstellungen sowie Verzögerungen bei bereits zugesagten Kundenprojekten dort für eine negative Überraschung gesorgt.

Die amtierende Chefin Garijo übergibt im Mai 2026 das Ruder an Kai Beckmann, den Chef der Elektroniksparte. Die Spanierin steuerte Merck durch die Corona-Pandemie und brachte mehrere Übernahmen und Verkäufe auf den Weg. Das selbst gesteckte Umsatzziel von 25 Milliarden Euro bis 2025 liegt aber außer Reichweite.

Im vergangenen Jahr erzielte Merck einen Umsatz von 21,2 Milliarden Euro. Für 2025 sind nach den Prognosesenkungen weiterhin als Umsatz 20,5 bis 21,7 Milliarden angepeilt. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll bei 5,9 bis 6,3 Milliarden Euro herauskommen, nach 6,1 Milliarden im Jahr zuvor./tav/als/zb/jha/

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