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MTU erwartet trotz Airbus-Ärger weiteres Wachstum - Aktie sackt ab 24.02.2026, 13:07 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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(neu: Erläuterungen aus Pressekonferenz zu künftiger Margenentwicklung, Ersatztriebwerken, US-Zölle, Belastung durch Getriebefan-Rückruf, Kurs)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die starke Nachfrage nach Turbinen, Ersatzteilen und Wartung hält den Münchner Triebwerksbauer MTU auf Wachstumskurs. Im Tagesgeschäft soll der Umsatz 2026 weiter steigen, der operative Gewinn dürfte jedoch nur leicht zulegen. Für 2025 winkt den Aktionären eine deutlich höhere Dividende. Ärger gibt es indes weiter um den Antrieb für die meistgefragte Airbus-Modellfamilie A320neo. Nach dem Rückruf tausender Turbinen wirft Airbus-Chef Guillaume Faury dem Triebwerksbündnis rund um Pratt & Whitney vor, zu wenige neue Antriebe zu liefern. Das betrifft auch MTU. An der Börse wurden die Neuigkeiten mit deutlichen Kursverlusten quittiert.

Die MTU-Aktie verlor bis zur Mittagszeit mehr als vier Prozent auf 379,50 Euro und gehörte damit zu den stärksten Verlierern im Dax . Vor wenigen Tagen hatte ihr Kurs erstmals die Marke von 400 Euro übersprungen.

Im vergangenen Jahr legte MTU in allen Geschäftsbereichen deutlich zu. Rechnet man die Effekte aus dem Triebwerksrückruf heraus, wuchs der Umsatz um 16 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro, wie der Dax-Konzern am Dienstag in München mitteilte. Der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) wuchs um 29 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro, und der Überschuss sprang sogar um 60 Prozent auf gut eine Milliarde nach oben. Während sich das Tagesgeschäft etwas stärker entwickelte als von Analysten gedacht, soll die Gewinnausschüttung sogar deutlich höher ausfallen. So will MTU je Aktie 3,60 Euro Dividende zahlen - über 60 Prozent mehr als im Vorjahr.

Wie die großen Flugzeughersteller Airbus und Boeing sitzt auch MTU auf dicken Auftragsbüchern. Ende Dezember lag der Auftragsbestand mit 29,5 Milliarden Euro rund drei Prozent höher als ein Jahr zuvor. Dies entspreche rechnerisch einer Auslastung von mehr als drei Jahren, sagte Finanzchefin Katja Garcia Vila.

Den größten Posten machen die Antriebe vom Typ Getriebefan aus, an denen MTU im Bündnis mit der RTX-Tochter Pratt & Whitney und Japanese Aero Engines beteiligt ist. Der Getriebefan ist einer von zwei Antriebstypen, zwischen denen Käufer der Airbus-Jets aus der A320neo-Familie wählen können.

Seit 2023 müssen fast alle bis dahin gebauten Turbinen des Typs zurück in die Werkstätten, weil Pratt & Whitney ein mangelhaftes Pulvermetall verwendet hatte. Fluggesellschaften in aller Welt müssen hunderte Jets über Monate hinweg am Boden lassen. Die Triebwerksbauer kostete der Rückruf eine Milliardensumme. Auch bei MTU sind die Spuren noch im Geldfluss zu spüren. Bis Ende 2026 will der neue MTU-Chef Johannes Bussmann das Kapitel aber beenden.

Die Reparaturen bremsen auch den Bau neuer Triebwerke. So plant Airbus-Chef Faury für 2026 zwar insgesamt so viele Flugzeugauslieferungen wie nie zuvor. Der Ausbau der A320neo-Produktion verschiebt sich jedoch weiter in die Zukunft.

Die Schuld gab der Manager vergangene Woche Pratt & Whitney: Dass der Hersteller aus den USA nicht die bestellte Zahl von Triebwerken liefere, "wirkt sich negativ auf die Prognose für dieses Jahr und den Produktionsanstieg aus". MTU betreibt in München eine von weltweit drei Endmontagelinien für den Getriebefan. Man liefere so viele Triebwerke wie vereinbart, konterte Bussmann die Airbus-Kritik. Die Gespräche führe allerdings Pratt & Whitney.

Der Getriebefan ist der wichtigste Umsatzbringer des MTU-Konzerns, der auch an Triebwerken für andere bedeutende Flugzeugtypen mitarbeitet. Dazu zählen die Turbinen von GE Aerospace für die Großraumjets Boeing 787 "Dreamliner" und 777X, aber auch die Antriebe für den Kampfjet Eurofighter und der Militärtransporter A400M.

"Die langfristigen Wachstumsaussichten für unsere Branche sind positiv und wir sehen uns hervorragend positioniert, davon zu profitieren", sagte Bussmann. Für 2026 stellt er weitere Steigerungen in Aussicht.

So soll der bereinigte Umsatz um eine halbe bis eine Milliarde Euro wachsen und damit 9,2 bis 9,7 Milliarden Euro erreichen. Der bereinigte operative Gewinn soll auf bis zu 1,45 Milliarden Euro zulegen, könnte mit 1,35 Milliarden aber auch stagnieren. Finanzchefin Garcia Vila geht auf jeden Fall von einer Steigerung aus.

Bussmann hatte die MTU-Führung Mitte 2025 von Lars Wagner übernommen, der nun das Verkehrsflugzeug-Geschäft von Airbus leitet. Den Triebwerkshersteller sieht Bussmann auf dem Weg zu seinen mittelfristigen Zielen. Für 2030 hat er weiterhin einen Umsatz von 13 bis 14 Milliarden Euro im Blick. Davon sollen dann 14,5 bis 15,5 Prozent als bereinigter operativer Gewinn übrig bleiben. 2025 lag die Marge mit 15,5 Prozent sogar am oberen Ende dieser Spanne.

Dass die Marge 2026 sinken dürfte, erklärte Garcia Vila mit dem schwachen US-Dollar, dem stärker wachsenden Wartungsgeschäft und einem sinkenden Anteil von Ersatztriebwerken. Triebwerkshersteller wie MTU verkaufen Antriebe für neue Flugzeuge in der Regel mit Verlust. Die Gewinne fahren sie vor allem mit Ersatzteilen, Ersatztriebwerken und der Wartung ein.

Mit Blick auf die Zollpolitik der USA zeigte sich Garcia Vila vorsichtig optimistisch: "Nach unserem besten Wissen ist die Luftfahrt nicht von den neuen Zöllen betroffen", sagte sie. Der Oberste Gerichtshof der USA hatte die von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle vor wenigen Tagen weitgehend für unrechtmäßig erklärt. Als Reaktion darauf hat der Präsident einen allgemeinen Zoll von 15 Prozent angekündigt./stw/mne/jha/

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