ROUNDUP 3/Ukraine

Zehn Tote bei Angriffen - Brände in Russland 30.07.2026, 13:46 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

(neu: mehr Details und Hintergrund)

KIEW (dpa-AFX) - Bei neuen massiven Raketen- und Drohnenschlägen gegen ukrainische Städte hat Russland Tod und Zerstörung über das Land gebracht. Landesweit gab es in der Ukraine laut Behörden mindestens zehn Tote und Dutzende Verletzte. Auch die Stadt Lwiw (früher Lemberg) im Westen des Landes nahe der polnischen Grenze beklagte schwere Zerstörungen. Ein mutmaßlich von Russland abgefeuerter Marschflugkörper drang zudem in den polnischen Luftraum ein und stürzte in Polen ab, wie die Regierung in Warschau mitteilte. Damit verletzte Moskau den Angaben nach wie bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit einmal mehr den Luftraum eines Nato-Mitgliedstaates.

Russland habe mehr als 70 Marschflugkörper und ballistische Raketen eingesetzt, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj in den sozialen Netzwerken mit. "Hinzu kamen über 280 Angriffsdrohnen. Mehr als 260 Drohnen konnten zerstört werden", sagte er. "Dutzende gewöhnlicher Wohnhäuser, zivile Unternehmen und Infrastruktureinrichtungen wurden zerstört und beschädigt."

Selenskyj erhebt Vorwürfe gegen Verbündete

Kampfflugzeuge konnten nach Selenskyjs Darstellung eine beträchtliche Anzahl von Marschflugkörpern abschießen. Zugleich verwies der Präsident erneut auf den "kritischen Mangel" an Patriot-Raketen für die Luftabwehr. Er forderte die Verbündeten - wie zuletzt immer wieder - zur Lieferung der Waffen auf. "Verspätete Hilfe und Verzögerungen bei der Lieferung von Raketenabwehrsystemen führen genau zu solchen Zerstörungen und genau zu solchen Opfern, wie wir sie heute leider erleben."

Überraschend kam die nächtliche Angriffswelle indes nicht: Selenskyj hatte am Mittwoch vor einer unmittelbar bevorstehenden schweren Attacke Russlands aus der Luft gewarnt. Er berief sich dabei auf einen Lagebericht des ukrainischen Luftwaffenchefs.

Ausmaß der Schäden wird allmählich sichtbar

Das Ausmaß der Schäden wurde erst bei Tagesanbruch langsam klar. In einem Vorort der südukrainischen Stadt Krywyj Rih wurde laut Behörden das Wohnhaus einer Großfamilie von einer Rakete getroffen. Allein dort habe es sechs Tote gegeben, darunter zwei Kinder im Alter von fünf und zwölf Jahren, sowie acht Verletzte.

Aus der Hauptstadt Kiew und dem Gebiet Poltawa wurden zwei Todesopfer und ebenfalls zahlreiche Verletzte gemeldet. In Lwiw gebe es 30 Verletzte, teilte die Stadt mit. In Cherson im Süden der Ukraine traf laut Behörden eine Drohne ein Auto. Ein Mann und eine Frau starben demnach. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

In zwei großen Wohnblöcken in Lwiw unweit der polnischen Grenze seien nach Raketentreffern Brände ausgebrochen, hieß es in den Berichten. Fotos zeigten riesige Löcher, die in den Gebäuden klafften - und Rettungskräfte, die unter Trümmern nach Überlebenden suchen. Auch in Kiew wurden den Angaben zufolge mehrere Gebäude getroffen, teils wohl von herabstürzenden Drohnen- und Raketentrümmern. Reporter sprachen von mehreren Explosionswellen im Laufe der Nacht.

Russland bestätigt Angriffe

Umgekehrt nimmt das ukrainische Militär auch Ziele in Russland ins Visier, um den Krieg weiter in das Land des Angreifers zu tragen. Getroffen wurde in der Stadt Noworossijsk am Schwarzen Meer erneut ein Öltanker durch einen Drohnenangriff, wie das Kaspische Pipeline-Konsortium mitteilte. Bei einem Drohnenangriff im Hafen der Stadt Taman im Kreis Krasnodar gab es nach Behördenangaben Verletzte.

Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den Abschuss von 258 ukrainischen Drohnen; die Flugabwehr sei in der Nacht in zahlreichen Regionen des Landes im Einsatz gewesen. Das Ministerium bestätigte auch die Angriffe auf die Ukraine. Ziele seien Militärflughäfen, Rüstungsbetriebe, militärische Telekommunikationsinfrastruktur und logistische Zentren gewesen. Zudem seien drei für den Transport von militärischen Gütern genutzte Frachtschiffe in der Schwarzmeerregion getroffen worden.

Erneuter ukrainischer Angriff auf russischen Online-Händler

Durch Beschuss mit 15 Drohnen wurde in der Nacht zudem ein weiteres großes Lager des russischen Online-Händlers Wildberries in der Region Pensa in Brand gesetzt, wie der Gouverneur der Region, Oleg Melnitschenko, mitteilte. Das Feuer lodere auf einer Fläche von 62.000 Quadratmetern, hieß es. Dabei habe es mindestens einen Verletzten gegeben. Rund 200 Mitarbeiter seien in Sicherheit gebracht worden.

Auch in Sarapul in der Republik Udmurtien - rund 1.250 Kilometer östlich von Moskau - kam es in einem Lager von Wildberries zu einem Brand nach einem Drohnenangriff, wie das Unternehmen mitteilte. Seit diesem Monat attackiert die Ukraine immer wieder Logistikzentren des größten russischen Versandhauses. Selenskyj wirft Wildberries vor, mit Material zu handeln, das für den 2022 begonnenen Angriffskrieg gegen sein Land verwendet werde. Der Kreml weist das kategorisch zurück.

Polens Führung: Flugobjekt war wahrscheinlich russische Rakete

Ein Flugobjekt stürzte während russischer Angriffe auf die Ukraine in Polen ab. "Alles deutet darauf hin, dass es sich um einen russischen Marschflugkörper vom Typ CH-101 handelt, aber wir wollen den Ergebnissen einer genauen Untersuchung nicht vorgreifen", sagte Polens Regierungschef Donald Tusk in Lublin. "Wir waren bereit, die Rakete abzuschießen, wenn sie weitergeflogen wäre." Nach polnischen Militärangaben stieg ein Kampfjet vom Typ F-16 auf.

Der Absturzort nahe dem Ort Tarnawa Kolonia liegt südlich von Lublin und 90 Kilometer von der Grenze zur Ukraine entfernt. Das polnische Fernsehen zeigte Bilder von einem riesigen Krater in einem Feld, Anwohner berichteten von einem lauten Knall. Verletzt wurde niemand. Bereits in der Vergangenheit hat Polen schon mehrfach eine Verletzung seines Luftraums durch russische Raketen und Drohnen beklagt.

Kommentare (0) ... diskutiere mit.
k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
Schreib den ersten Kommentar!

Dis­clai­mer: Die hier an­ge­bo­te­nen Bei­trä­ge die­nen aus­schließ­lich der In­for­ma­t­ion und stel­len kei­ne Kauf- bzw. Ver­kaufs­em­pfeh­lung­en dar. Sie sind we­der ex­pli­zit noch im­pli­zit als Zu­sich­er­ung ei­ner be­stim­mt­en Kurs­ent­wick­lung der ge­nan­nt­en Fi­nanz­in­stru­men­te oder als Handl­ungs­auf­for­der­ung zu ver­steh­en. Der Er­werb von Wert­pa­pier­en birgt Ri­si­ken, die zum To­tal­ver­lust des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals füh­ren kön­nen. Die In­for­ma­tion­en er­setz­en kei­ne, auf die in­di­vi­du­el­len Be­dür­fnis­se aus­ge­rich­te­te, fach­kun­di­ge An­la­ge­be­ra­tung. Ei­ne Haf­tung oder Ga­ran­tie für die Ak­tu­ali­tät, Rich­tig­keit, An­ge­mes­sen­heit und Vol­lständ­ig­keit der zur Ver­fü­gung ge­stel­lt­en In­for­ma­tion­en so­wie für Ver­mö­gens­schä­den wird we­der aus­drück­lich noch stil­lschwei­gend über­nom­men. Die Mar­kets In­side Me­dia GmbH hat auf die ver­öf­fent­lich­ten In­hal­te kei­ner­lei Ein­fluss und vor Ver­öf­fent­lich­ung der Bei­trä­ge kei­ne Ken­nt­nis über In­halt und Ge­gen­stand die­ser. Die Ver­öf­fent­lich­ung der na­ment­lich ge­kenn­zeich­net­en Bei­trä­ge er­folgt ei­gen­ver­ant­wort­lich durch Au­tor­en wie z.B. Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­richt­en­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men. In­fol­ge­des­sen kön­nen die In­hal­te der Bei­trä­ge auch nicht von An­la­ge­in­te­res­sen der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und/oder sei­nen Mit­ar­bei­tern oder Or­ga­nen be­stim­mt sein. Die Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­rich­ten­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men ge­hör­en nicht der Re­dak­tion der Mar­kets In­side Me­dia GmbH an. Ihre Mei­nung­en spie­geln nicht not­wen­di­ger­wei­se die Mei­nung­en und Auf­fas­sung­en der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und de­ren Mit­ar­bei­ter wie­der. Aus­führ­lich­er Dis­clai­mer