Die ungebrochene Nachfrage nach Rechenkraft für KI-Anwendungen treibt den global dominierenden KI-Chipkonzern Nvidia US67066G1040 weiter an. Das Unternehmen steigerte Umsatz und Nettogewinn in dem am 26. Juli abgelaufenen zweiten Geschäftsquartal auf mehr als das Doppelte. Und das Wachstumstempo soll hoch bleiben. "Der Ausbau der KI-Infrastruktur läuft mit Volldampf", sagte Firmengründer und Konzernchef Jensen Huang laut Mitteilung vom Mittwoch. Die Produktion der neuen Prozessor-Architektur Vera Rubin laufe mittlerweile auf Hochtouren.
Konkret erzielte Nvidia im zweiten Quartal einen Umsatz von 96,2 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn schwoll auf 59,7 Milliarden Dollar an. Im laufenden dritten Quartal soll der Umsatz auf 108 Milliarden Dollar wachsen, plus oder minus 2 Prozent. Während der Erlös im alten Quartal etwas unter der mittleren Markterwartung bliebt, liegt selbst das untere Ende für das laufende Jahresviertel avisierten Spanne leicht über dieser Konsensschätzung.
Vom Erlös sollen im dritten Quartal 74 Prozent, plus/minus 0,50 Prozentpunkte als um Sondereffekte bereinigter operativer Bruttogewinn übrig bleiben, nach 75 Prozent im zweiten Quartal.
Nvidia ist mit seinen Produkten für Rechenzentren der zentrale Motor des KI-Booms. Das zuvor vor allem in der Gamer-Szene für seine Grafikkarten bekannte Unternehmen stellt mit seinen Chips und Chipsystemen die Schlüsseltechnologien zum Training großer KI-Sprachmodelle sowie zu deren Betrieb her. Anleger, die Ende 2019 1.000 Euro in Nvidia-Aktien investierten, haben heute fast 36.000 Euro. Der Börsenwert des Unternehmens liegt mittlerweile - per Schlusskurs vom Mittwoch - bei 5,07 Billionen Dollar, was es zum wertvollsten der Welt macht.
Und Huang ist optimistisch, dass der KI-Boom weiter gehen wird. "Die KI hat ihren Schlüsselmoment erreicht. Sie leistet nützliche Arbeit. Ihre Token sind produktiv und profitabel." Die Nachfrage nehme rasant zu. Zahlreiche Unternehmen trieben die Entwicklung voran, hinzu komme die Einführung physischer KI - mit starker Dynamik in den USA und weltweit. Physische KI verbindet klassische KI mit Robotik.
Die Finanzchefin des Konzerns, Colette Kress, stellt für das kommende Geschäftsjahr 2027/28 denn auch ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent in Aussicht. Rückenwind dürfte sich die Unternehmensführung dabei auch von der Vera Rubin-Plattform versprechen. Sie ist die leistungsfähigere Nachfolgerin der Blackwell-Architektur. Sie wurde speziell auch für agentische KI - also Software, die aktiv agiert, plant und Aufgaben bewältigen kann - und somit komplexe Rechenprozesse konzipiert, die höhere und andere Leistungsanforderungen haben als das reine Training von KI-Modellen. Bei der sogenannten KI-Inferenz, also dem Anwenden trainierter KI-Modelle, ist sie zudem deutlich kosten- und energieeffizienter.
Mit Vera Rubin stellt sich Nvidia auch den Herausforderungen für seine Vormachtstellung im KI-Computing. Verschiedene Chipentwickler wie AMD US0079031078, Intel US4581401001, Broadcom US11135F1012 und Marvell US5738741041 versuchen, sich ein Stück des Marktes zu sichern. Zudem entwickeln wichtige Kunden wie Amazon US0231351067, Microsoft US5949181045 und Meta US30303M1027 eigene Inferenz-Chips für spezielle Anwendungen.
Auch daher stellt sich Nvidia schon länger breiter auf. So bringt sich der Konzern mit Blick auf Trends wie autonomes Fahren und Robotik in Stellung. Erst in der aktuellen Woche stellte das Unternehmen mit dem Orin Nano 2 einen neuen Edge-KI-Robotic-Computer vor. Bei Edge KI läuft die KI nicht in der Cloud, sondern auf dem Gerät selbst. Der Orin Nano 2 soll dabei doppelt so schnell arbeiten wie sein Vorgänger und ist damit etwa für Roboter und Drohnen konzipiert.
Im nachbörslichen US-Handel geriet der Nvidia-Aktienkurs in den ersten Minuten unter Druck, drehte dann aber ins Plus. Zuletzt stieg er um zweieinhalb Prozent auf 214,85 Dollar. Damit würden die Papiere im Hauptgeschäft auf den Erholungspfad zurückfinden. Mitte Mai war der Kurs auf ein Rekordhoch über 236 Dollar geklettert. Anschließend machten Anleger im gesamtem KI-Sektor erst einmal Kasse, nicht wenige der Werte hatten zuvor binnen Monaten um ein Vielfaches zugelegt.
Hinzu kamen Bedenken, ob sich die hohen Investitionen vieler Unternehmen in KI-Technik am Ende auch auszahlen werden. Und auch die zunehmend kreisförmigen Finanzierungsstrukturen trieben manch einem Anleger Sorgenfalten auf die Stirn. Dabei stellt Nvidia Kunden Garantien bereit oder beteiligt sich direkt an anderen Unternehmen, die mit dem Geld dann ihren KI-Ausbau und damit auch Nvidia-Chips bezahlen.
Erst jüngst berichtete das "Wall Street Journal", dass Nvidia für OpenAI den Bau eines Mega-Rechenzentrums im US-Bundesstaat Ohio mit einer Garantie über rund 120 Milliarden Dollar absichern wolle, nachdem zunächst 250 Milliarden im Gespräch gewesen seien.
Allerdings setzt die Branche auch zunehmend auf Geld von außen. So gab Nvidia Mitte August strategische Partnerschaften mit den Wall-Street-Schwergewichten Apollo US03769M1062, Blackrock US09247X1019, Blackstone US09253U1088, Brookfield CA1125851040, Goldman Sachs US38141G1040 und KKR US48251W1045 bekannt. Mehr als eine halbe Billion Dollar Kapital für KI-Fonds sollen so angelockt werden. Das Geld würde dann auch in den Ausbau von Rechenzentren mit Chipsystemen von Nvidia fließen.
Analysten der Bank of America werteten das zu dem Zeitpunkt auf den ersten Blick als positiv, da die finanzielle Last nicht bei Nvidia liege. Vielmehr scheine es eine Abkehr von der Herstellerfinanzierung zu sein, die wegen der damit verbundenen Kreislauffinanzierungen Kritik hervorgerufen habe.