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AfD punktet mit Unzufriedenheit und Polarisierung 06.09.2026, 21:05 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Eine maximale Polarisierung gepaart mit einer großen Unzufriedenheit der Bürger und einem hohen Kompetenzzuspruch haben nach den Analysen von Wahlforschern zum AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt geführt. "In einem politisch extrem polarisierten Bundesland basiert der AfD-Erfolg auf einem Mix aus allgemeiner Unzufriedenheit, AfD-Wertschätzung und inhaltlicher Überzeugung", schreibt die Forschungsgruppe Wahlen.

Im AfD-Lager sei dies oft vom Gefühl der Benachteiligung und maximaler Distanz zu allen anderen politischen Akteuren begleitet. "Jenseits ihrer Anhängerschaft erwartet allerdings kaum jemand von der AfD faktisch bessere Politik."

Schulze knapp beliebter als Siegmund

Eine Analyse von Infratest dimap im Auftrag der ARD zeigt, dass Amtsinhaber Sven Schulze (CDU) mit 38 Prozent minimal beliebter war als sein AfD-Herausforderer Ulrich Siegmund (37 Prozent). "Siegmund ist der erste Spitzenkandidat der AfD, der wirklich eine Rolle als Person in einem Wahlkampf gespielt hat, der auffällig war, der auch Anhängerinnen und Anhänger gewinnen konnte", sagte der ARD-Wahlanalyst Jörg Schönenborn. Schulzes Regierung sei mit einer Zustimmung von 31 Prozent gemessen an anderen Landesregierungen eher unbeliebt gewesen.

AfD-Regierung würde vielen Menschen Angst machen

In der Analyse der Forschungsgruppe Wahlen heißt es: "Würde die AfD regieren, wären 48 Prozent der Sachsen-Anhalter beängstigt, darunter 78 Prozent all derjenigen Bürger, die jetzt nicht AfD wählen wollten." Als Ministerpräsidenten wünschten sich 46 Prozent aller Befragten Amtsinhaber Schulze, nur 38 Prozent seien für den AfD-Spitzenkandidaten Siegmund, darunter aber fast nur die Anhänger der Partei selbst.

Eine AfD-Alleinregierung lehnen die Menschen in Sachsen-Anhalt nach der Analyse mehrheitlich ab. Eine Anti-AfD-Koalition aller anderen Parteien oder Minderheitsregierungen stoßen auf deutliche Vorbehalte.

Laut Forschungsgruppe Wahlen bevorzugten 50 Prozent aller Befragten eine CDU-geführte Regierung und nur 41 Prozent eine Regierung mit der AfD an der Spitze. Bei Infratest dimap sahen die Zahlen anders aus: Hier sprachen sich 46 Prozent dafür aus, dass die AfD die nächste Landesregierung führen solle. Für die CDU plädierten 43 Prozent.

AfD bei Männern erfolgreicher als bei Frauen

Der Analyse der Forschungsgruppe Wahlen zufolge konnte die AfD auf breiter Front zulegen, war aber bei Männern erfolgreicher als bei Frauen (49 zu 39 Prozent). Bei allen unter 60-Jährigen schaffte sie 49 Prozent, in der Generation 60plus wählten nur 36 Prozent AfD. Extrem stark war die AfD bei den 44- bis 59-jährigen Männern (56 Prozent) sowie bei den unter 35-Jährigen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen (62 Prozent).

Laut Forschungsgruppe Wahlen bricht die CDU in allen Altersgruppen stark ein. Bei den ab 60-Jährigen, wo sie sonst besonders stark ist, schaffte sie noch 29 Prozent. Bei den unter 30-Jährigen rangierte sie mit 5 Prozent weit hinter der AfD (44 Prozent), aber auch hinter der Linken (16 Prozent), den Grünen (13 Prozent) und der SPD (9 Prozent).

AfD erzielt hohe Kompetenzwerte bei wichtigen Themen

Ausschlaggebend für die Wahlentscheidung war laut Forschungsgruppe Wahlen die Landespolitik. Dabei setzten zur Lösung der Probleme ungewöhnlich viele Befragte auf die AfD. Bei der Parteienkompetenz für die Top-Themen Wirtschaft und Schule/Bildung liege die AfD erstmals vor der CDU. Beim Thema Flüchtlinge/Asyl lasse die AfD alle anderen Parteien weit hinter sich.

Jeder dritte Wähler (35 Prozent) traute der AfD laut Infratest dimap am ehesten zu, die wichtigsten Probleme in Sachsen-Anhalt zu lösen. Bei der Wahl vor fünf Jahren waren es noch 9 Prozent. Der CDU vertrauten 27 Prozent der Befragten, alle anderen Parteien erzielten nur einstellige Werte.

Das wichtigste Thema bei der Wahl war laut Infratest dimap die soziale Sicherheit, das gaben 25 Prozent der Befragten an. Darauf folgten Frieden in Europa (17 Prozent) und Wirtschaft (15 Prozent). Innere Sicherheit und Bildung/Schule kamen auf jeweils 13 Prozent. Das Thema Zuwanderung (9 Prozent) war weniger wichtig.

Höhere Wahlbeteiligung nützt der AfD

Die AfD konnte stark von der hohen Wahlbeteiligung profitieren. Laut Infratest dimap gaben 157.000 bisherige Nichtwähler nun der AfD ihre Stimme. Von der CDU saugte die AfD 83.000 Stimmen ab, von der FDP 19.000, von der Linken 11.000, von der SPD 7.000 und von den Grünen 2.000.

Datengrundlage der Institute

Die Zahlen der Forschungsgruppe Wahlen basieren auf einer Umfrage unter 1.249 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt in der Woche vor der Wahl (telefonisch und online) und auf der Befragung von 18.384 Wählerinnen und Wähler am Wahltag. Das Institut Infratest dimap befragte am Wahltag insgesamt 20.976 Wählerinnen und Wählern in 180 repräsentativ ausgewählten Wahllokalen.

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