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Milliardenvergleich in US-Rechtsstreitigkeiten zu Glyphosat 17.02.2026, 21:14 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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LEVERKUSEN (dpa-AFX) - Bayer versucht in den USA abermals mit einem milliardenschweren Vergleich das Thema Glyphosat-Klagen weitgehend vom Tisch zu bekommen. Die Streitigkeiten rund um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter haben schon Milliarden verschlungen, die Dividende wurde zusammengestrichen. Ein Gericht in St. Louis (Bundesstaat Missouri) muss dem nun angestrebten Vergleich noch zustimmen. Bereits Anfang des Jahrzehnts hatte der Pharma- und Agrarchemiekonzern eine umfassende Lösung angestrebt, die ein Richter aber abgelehnt hatte. Der aktuelle Vorschlag ist allerdings anders aufgebaut. An der Börse ging es für die Bayer-Aktien auf die Nachrichten hin nach oben.

"Die Vergleichsvereinbarung schafft zusammen mit dem Fall beim Supreme Court einen klaren Weg aus den Unsicherheiten durch die Rechtsstreitigkeiten, sagte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Bill Anderson laut Mitteilung. So kann sich das Unternehmen seit einigen Wochen auch Hoffnung auf ein positives Grundsatzurteil des obersten US-Gerichtes machen, nachdem der US Supreme Court zugestimmt hatte, den Fall "Durnell" zur Prüfung anzunehmen. Die Richter müssen dann entscheiden, ob Bundesrecht zu Warnhinweisen beim Verkauf der Unkrautvernichter - wie Bayer argumentiert - über dem Recht von Bundesstaaten steht.

Der aktuell angestrebte Sammelvergleich ergänze nun "im Rahmen der mehrgleisigen Strategie zur signifikanten Eindämmung der Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten" den Fall "Durnell", hieß es weiter von Bayer. Der Fall beim Supreme Court bleibe denn auch von der Vergleichsvereinbarung unberührt und sei wichtig, um erhebliche Schadenersatzurteile aufzuheben, gegen die noch Rechtsmittel anhängig und die nicht durch den Sammelvergleich abgedeckt seien, teilte Bayer mit.

Konkret würde der Konzern im Sammelvergleich - nach Genehmigung des Gerichts - über bis zu 21 Jahre insgesamt maximal 7,25 Milliarden US-Dollar auszahlen. Die Zahlungen würden jährlich abnehmen und wären gedeckelt. Damit soll die finanzielle Planbarkeit verbessert werden, sowohl mit Blick auf aktuelle als auch mögliche künftige Klagen.

Damit der aktuelle Plan greift, muss ein Großteil der aktuellen Kläger zustimmen, im Grunde fast alle, wie Anderson in eine Telefonkonferenz mit Analysten und Journalisten sagte. Im Herbst hatte Bayer per Stand 15. Oktober von 197.000 angemeldeten Ansprüchen gesprochen, von denen damals rund 132.000 verglichen waren oder die Vergleichskriterien nicht erfüllt hatten.

Wegen des nun angestrebten Sammelvergleichs muss Bayer zusätzliches Geld auf die Seite legen. Die Vereinbarungen dürften inklusive der Rechtskosten zu einer Erhöhung der Rückstellungen und Verbindlichkeiten für Rechtsstreitigkeiten von 7,8 Milliarden Euro per Ende September 2025 (davon 6,5 Milliarden Euro für Glyphosat) auf 11,8 Milliarden Euro (davon 9,6 Milliarden Euro für Glyphosat) führen, teilte Bayer weiter mit.

Auf Basis einer ersten Einschätzung sämtlicher Auszahlungen für Rechtsstreitigkeiten in Höhe von circa 5 Milliarden Euro im laufenden Jahr geht Bayer zudem für 2026 von einem negativen freien Finanzmittelfluss (Free Cashflow) aus. Um die Vergleichsvereinbarungen in den Finanzzahlen zu berücksichtigen, wird die eigentlich für die kommende Woche vorgesehene Bilanz-Pressekonferenz zu 2025 auf den 4. März verschoben.

In den US-Klagen führten Kläger Krebserkrankungen auf Glyphosat zurück. Die zur Weltgesundheitsorganisation gehörende Internationale Krebsforschungsagentur hatte den Wirkstoff, der in dem Unkrautvernichter-Produkt Roundup enthalten ist, als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" eingestuft; andere Einrichtungen der WHO waren anderer Ansicht, und auch europäische Einrichtungen folgten dieser kritischen Einstufung nicht. Genauso weist Bayer den Verdacht zurück, dass der Unkrautvernichter krebserregend sei.

Zusätzlich zum angestrebten Glyphosat-Sammelvergleich vereinbarte Bayer nun weitere vertrauliche Vergleiche, um andere Glyphosat-Fälle beizulegen. Darüber hinaus verglich sich Bayer Anfang dieses Jahres den Angaben zufolge auch zu acht verbliebenen PCB-Urteilen am Sky Valley Education Center im US-Bundesstaat Washington. Die Bedingungen hierzu seien ebenfalls vertraulich. Dabei geht es um Belastungen in der Schule Sky Valley Education Center durch die seit Jahrzehnten verbotene Umweltchemikalie PCB, und damit verbundene Vorwürfe von Klägern, die Gesundheitsschäden darauf zurückführen. Zudem legte Bayer jüngst auch Klagen wegen angeblicher Umweltverschmutzungen durch PCB mit den US-Bundesstaaten Illinois und West Virginia bei.

Bei den Bayer-Aktionären kamen die Neuigkeiten gut an. Die Papiere stiegen am Dienstag bis zum Handelsschluss um mehr als sieben Prozent auf 49,31 Euro. Allein 2026 haben sie sich damit nun um rund ein Drittel erholt. Rückenwind bei der Erholung seit November lieferten dabei positive Studiendaten zum Blutgerinnungshemmer Asundexian in der Pharmasparte, die Hoffnungen auf ein Milliardenmedikament machten, sowie die Hoffnung, dass der US Supreme Court zugunsten von Bayer entscheidet.

Langfristig bleibt der Blick auf den Kursverlauf aber noch trüb. Vor der ersten Niederlage in einem US-Glyphosat-Verfahren im Sommer 2018 hatte eine Bayer-Aktie noch mehr als 93 Euro gekostet./mis/men/wdw/he

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