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Bund investierte 2025 mehr als 220 Euro pro Kopf in Schiene 15.07.2026, 13:19 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Der Bund steuert im laufenden Jahr auf Rekordinvestitionen in die Schiene zu - nach Einschätzung des Interessenverbands Allianz Pro Schiene wird dieses Niveau dann über Jahre hinweg aber nicht erneut erreicht. Die aktuellen Pläne der Bundesregierung sähen eine Kürzung der Investition im Jahr 2027 um 1,3 Milliarden Euro vor, sagte Verbandsgeschäftsführer Dirk Flege in Berlin.

Die Allianz Pro Schiene macht sich seit Monaten dafür stark, dass ein mehrjähriger Infrastrukturplan aufgestellt wird und die darin enthaltenen Pläne auch für den gesamten Planungszeitraum finanziell abgesichert werden. Der sogenannte Infraplan wird im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung als Ziel aufgeführt. Flege zufolge soll einem Gremium bestehend aus verschiedenen Vertretern der Bahnbranche im Oktober ein Entwurf vorgestellt werden.

Deutschland im europäischen Vergleich auf Platz sechs

Pro Kopf investierte der Bund vergangenes Jahr 222 Euro in das Schienennetz. Die Investitionen stiegen damit erneut deutlich, 2024 lagen die Pro-Kopf-Ausgaben noch bei 198 Euro, vor zehn Jahren laut Flege bei 56 Euro. Die Allianz Pro Schiene ermittelt die Pro-Kopf-Investitionen jährlich gemeinsam mit der Unternehmensberatung SCI Verkehr. Im Vergleich mit ausgewählten europäischen Ländern landete Deutschland damit im oberen Mittelfeld hinter Luxemburg, der Schweiz, Österreich, Schweden und Norwegen.

Trotz der Milliarden-Investitionen ist das Schienennetz in Deutschland weiterhin in einem schlechten Zustand, weil über Jahrzehnte hinweg zu wenig Geld in das Netz gesteckt wurde. Nach Angaben der für die Infrastruktur zuständigen Bahn-Tochter DB InfraGo wurden 2025 rund 26.000 Baustellen absolviert. Die Zustandsnote des Netzes blieb dadurch laut dem aktuellsten Bericht bei 3,0.

Flege: Verlässliche Finanzierung über mehrere Jahre aufbauen

Wie viel Geld in das Netz investiert wird, wird im Rahmen der Haushaltsverhandlungen des Bundes jedes Jahr neu diskutiert. "Investitionen ins Schienennetz dürfen nicht Jahr für Jahr davon abhängig gemacht werden, wie viel im Bundeshaushalt übrig bleibt. Der Bund muss endlich eine verlässliche Finanzierung über mehrere Jahre aufbauen, wie es etwa in der Schweiz seit vielen Jahren der Fall ist", sagte Flege.

Neben einer Verstetigung der Mittel fordert die Allianz Pro Schiene eine bessere Steuerung der Investitionen. "So, wie wir in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten Bahnpolitik gemacht haben, sind wir dabei, Steuergeld zu verbrennen", sagte Flege. "Wenn sie zum Beispiel Planungsteams abberufen, weil die Planung nicht durchfinanziert ist, verbrennen sie Steuergeld. Wenn die Bagger auf der Baustelle sind, und die weitere Baufinanzierung stockt, was immer wieder passiert, dann ist es das gleiche Problem", sagte Flege.

Kritik an Korridorsanierungen der Bahn

Orientierung für die Verhandlungen zum Infraplan bieten Österreich und Schweiz, die in der Branche derzeit als Positivbeispiele für die Investitionen ins Schienennetz gelten. In beiden Ländern werden mehrjährige Investitionspläne angelegt, die zum Beispiel für die Bauwirtschaft mehr Planungssicherheit bieten sollen. In Österreich gibt es beispielsweise einen sechsjährigen Rahmenplan, der jedes Jahr fortgeschrieben wird. Darin enthalten sind sowohl Investitionen in das Bestandsnetz als auch der Aus- und Neubau.

Die Deutsche Bahn setzt derzeit vor allem auf die Sanierung besonders wichtiger Strecken. Rund 40 solcher Korridorsanierungen sollen bis Mitte der 2030er Jahre abgeschlossen werden. Zuletzt gab es viel Kritik an dem Konzept, weil drei Sanierungen nicht rechtzeitig fertig wurden oder es anschließend Einschränkungen gab. Flege rief die Bahn und das Bundesverkehrsministerium auf, bei der angekündigten Überprüfung des Konzepts Branchenverbände und Baufirmen einzubeziehen.

Außerdem müsse auf den nächsten Abschnitten wieder so viel gebaut werden, wie einstmals versprochen. "Es muss mehr Kapazität dabei rauskommen, als wenn man einfach nur alte Teile durch neue ersetzt", sagte Flege. Sonst schwinde die Akzeptanz an dem Konzept mit mehrmonatigen Vollsperrungen.

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