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Chamenei-Sohn Irans neuer Führer - Krieg geht weiter 09.03.2026, 05:45 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

TEHERAN/TEL AVIV/BEIRUT/WASHINGTON (dpa-AFX) - Der Iran hat den Sohn des bei einem israelischen Luftangriff getöteten obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei zu dessen Nachfolger berufen. Der 56-jährige Modschtaba Chamenei hat fortan das letzte Wort in allen politischen und militärischen Belangen. Das israelische Militär drohte bereits, dass auch er nicht sicher sei. Ähnlich hatte sich zuvor auch US-Präsident Donald Trump geäußert. Derweil sorgt ein rasanter Anstieg des Ölpreises infolge des Kriegs für Panikverkäufe an den Börsen in Asien.

Modschtaba Chamenei wurde durch den sogenannten Expertenrat ernannt, dem wichtigsten religiösen Gremium des Irans. Wenig später sagte Trump der Zeitung "Times of Israel" in einem kurzen Telefonat: "Wir werden sehen, was passiert". Stunden zuvor hatte er dem Sender ABC News gesagt, dass der nächste iranische Staatschef "nicht lang im Amt bleiben" werde, wenn er nicht die Zustimmung Washingtons habe. Dem Nachrichtenportal Axios hatte Trump kürzlich gesagt, Modschtaba Chamenei sei für ihn "inakzeptabel".

Was hat Irans neuer Führer vor?

Irans neuer oberster Führer war in den vergangenen Jahren kaum öffentlich in Erscheinung getreten. Wo der 56-Jährige politisch genau steht, ist weitgehend unklar. Er soll beste Verbindungen zu den Revolutionsgarden haben und dürfte den unerbittlichen Kurs seines am 28. Februar in Teheran getöteten Vaters zunächst fortsetzen.

Er gilt als Akteur der staatlichen Unterdrückung im Iran, heißt es etwa in einer Analyse der Denkfabrik Atlantic Council. Israels Militär warnte den Iran in Farsi auf der Plattform X: "Die Hand des Staates Israel wird weiterhin jeden Nachfolger verfolgen, und jeden, der einen Nachfolger zu ernennen versucht."

In der Nacht begann die israelische Luftwaffe eine neue Welle Attacken im Zentrum des Landes, wie die Armee mitteilte. Zudem sei erneut Infrastruktur der mit dem Erzfeind Iran verbündeten Hisbollah-Miliz in der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen worden. Iran griff Israel in der Nacht auch erneut mit Raketen an.

Am Samstagabend hatte Israels Militär Öllager in Teheran bombardiert. Die Angriffe seien deutlich über das hinausgegangen, was die USA erwartet hätten, als Israel vorab darüber informiert habe, berichtete das US-Portal "Axios". Das soll zur ersten bedeutenden Unstimmigkeit zwischen den beiden Verbündeten seit Kriegsbeginn vor gut einer Woche geführt haben, hieß es unter Berufung auf einen US- und einen israelischen Beamten sowie eine weitere Quelle.

Die USA haben nach Angaben von Energieminister Chris Wright nicht vor, Irans Ölindustrie anzugreifen. "Die USA zielen nicht auf die Energieinfrastruktur ab", sagte Wright dem Sender CNN. Die USA sind "Axios" zufolge besorgt, dass israelische Angriffe auf Infrastruktur, die der iranischen Bevölkerung diene, strategisch nach hinten losgehen könnten. Es gibt Sorge, dass sie zur Unterstützung der Führung in Teheran beitragen und den Ölpreis weiter in die Höhe treiben könnten. Der stieg erstmals seit Jahren wieder über die Marke von 100 US-Dollar.

Der Preis für die in Europa maßgebliche Nordseesorte Brent zog im frühen Handel zeitweise um bis zu 29 Prozent auf fast 120 US-Dollar je Barrel (159 Liter) an. Am Freitagnachmittag war Brent-Rohöl zur Lieferung im Mai noch mit über 90 Dollar gehandelt worden. Seit Kriegsbeginn beläuft sich der Preisanstieg inzwischen auf rund 60 Prozent: Ende Februar waren noch um die 70 Dollar pro Barrel üblich. Auch die Spritpreise sind seither deutlich angestiegen.

Die Angst vor einer längeren Sperrung der Straße von Hormus bleibt ein bestimmendes Thema auf dem Ölmarkt. Seit den amerikanisch-israelischen Attacken auf den Iran und Teherans Gegenangriffen passieren kaum noch Schiffe die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman. Durch diese wird in Friedenszeiten täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert. Sie ist auch sehr wichtig für den Transport von Flüssiggas, etwa aus Katar.

Spritpreise auch für Trump ein wunder Punkt

Die Börsen in Japan und Südkorea brachen angesichts des rasanten Anstiegs der Ölpreise am Morgen ein. Die ostasiatischen Volkswirtschaften sind besonders auf den Import von Öl angewiesen.

Aber auch für US-Präsident Trump könnten die steigenden Spritpreise im eigenen Land mit Blick auf die wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress im Herbst zu einem Problem werden. Bei kaum einem Thema sind viele Amerikaner so empfindlich wie beim Benzinpreis.

Trump erklärte den heftigen Anstieg des Ölpreises als kurzfristiges Phänomen, das "ein sehr geringer Preis für Sicherheit und Frieden" sei. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb er in Großbuchstaben weiter: "NUR IDIOTEN WÜRDEN DAS ANDERS SEHEN!"

Ein Kriegsende als gemeinsame Entscheidung mit Israel?

Auf die Frage der "Times of Israel" ob er allein entscheiden würde, wann der Krieg mit dem Iran endet oder ob auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ein Wort mitzureden hätte, sagte Trump: "Ich denke, es ist eine gemeinsame Entscheidung".

Vorerst jedoch gehen die Angriffe im Iran wie auch die Gegenschläge des Irans gegen Israel und auf Ziele in benachbarten Golfstaaten weiter. Die USA wiesen einen Teil ihres Botschaftspersonals in Saudi-Arabien an, das Land zu verlassen. Dort kam es zu Todesfällen.

Tote und viele Verletzte in Golfstaaten

Zwei Menschen seien beim Einschlag eines Geschosses in ein Wohngebäude südöstlich der Hauptstadt Riad getötet worden, sagte ein Sprecher des Zivilschutzes laut einer Mitteilung der Regierung.

Ein bei einem Angriff auf US-Soldaten am vergangenen Sonntag verletzter Angehöriger des US-Militärs starb ebenfalls, wie das Militär mitteilte. Damit erhöht sich die Zahl der im Iran-Krieg gefallenen US-Einsatzkräfte auf sieben.

Auch der Inselstaat Bahrain im Persischen Golf wurde erneut Ziel eines iranischen Angriffs. Das Gesundheitsministerium meldete 32 Verletzte, darunter auch Kinder, infolge eines Drohnenangriffs auf die südlich der Hauptstadt Manama gelegenen Insel Sitra. Mehrere Häuser seien beschädigt worden. Die Opfer seien Zivilisten.

Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani rief zur Deeskalation auf. "Wir werden weiterhin mit den Iranern sprechen und uns um eine Deeskalation bemühen", sagte er dem Sender Sky News. Al Thani rief auch die USA auf, zu deeskalieren. Diplomatie sei nach wie vor der einzige gangbare Weg aus der Krise, sagte er./ln/DP/zb

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