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Iran weitet Angriffsziele aus - Nato alarmiert 06.03.2026, 06:50 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

WASHINGTON/TEHERAN/TEL AVIV (dpa-AFX) - Irans Kampfkraft ist nach US-Einschätzung erheblich geschwächt - dennoch weitet Teheran den Krieg im gesamten Nahen Osten weiter aus. Nach dem Abfeuern einer Rakete auch auf die Türkei erhöht die Nato die Alarm- und Einsatzbereitschaft ihrer ballistischen Abwehrsysteme. Dies sei vom Befehlshaber des Nato-Luftstreitkräftekommandos angeordnet worden, teilte der Sprecher des militärischen Nato-Hauptquartiers am Abend mit. Derweil setzen die USA und Israel ihre Angriffe im Iran fort. "Wir haben keinen Mangel an Munition", sagte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth.

Die Luftabwehr und die Raketen des Irans sind nach der Darstellung von US-Präsident Donald Trump bereits ganz oder in großen Teilen zerstört. "Sie haben also keine Luftwaffe mehr, sie haben keine Luftabwehr mehr. Alle ihre Flugzeuge sind weg", sagte Trump in Washington. Zudem seien ihre Raketen zu 60 und ihre Abschussvorrichtungen zu 64 Prozent ausgeschaltet, sagte er. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben des US-Präsidenten nicht.

US-Kommandeur: Irans Raketenangriffe zurückgegangen

Der Iran hatte seit Kriegsbeginn am Samstag eigenen Angaben zufolge mehr als 500 ballistische Raketen und Marschflugkörper abgefeuert. Nach Angaben des zuständigen US-Kommandeurs Admiral Brad Cooper feuert das Land jedoch mittlerweile deutlich weniger Raketen ab. Im Vergleich zum Beginn des Krieges seien die Angriffe mit ballistischen Raketen um 90 Prozent zurückgegangen. Zudem gebe es inzwischen deutlich weniger Drohenangriffe, erklärte Cooper.

Auch die iranische Marine sei schwer getroffen worden. Inzwischen liege die Zahl der zerstörten oder versenkten Schiffe bei mehr als 30, sagte Cooper. Zuletzt sei ein iranischer Drohnenträger "etwa von der Größe eines Flugzeugträgers aus dem Zweiten Weltkrieg" getroffen worden. Laut dem US-Regionalkommando Centcom steht der attackierte Drohnenträger in Flammen.

Irans Fähigkeit, sehr große Zerstörung anzurichten, werde zwar durch die Schwächung seiner Raketenarsenale abnehmen, sagte Farzan Sabet vom Geneva Graduate Institute dem "Wall Street Journal". Dennoch könne es weiter im Nahen Osten angreifen. Dem Bericht nach hat der Iran auch ein großes Arsenal kostengünstiger Drohnen. Hasan Alhasan vom International Institute for Strategic Studies sagte: "Der Iran setzt jetzt auf Ausdauer, nicht auf Quantität".

Saudi-Arabien: Beschuss von Luftwaffen-Basis abgewehrt

Der Schiffsverkehr durch die für den Welthandel wichtige Straße von Hormus ging nach Einschätzung von US-Beobachtern um etwa 90 Prozent zurück. Zu den Anrainern zählen Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate. In mehreren dieser Staaten befinden sich US-Militärbasen - damit sind sie neben Israel ebenfalls zum Ziel iranischer Angriffe geworden. Wie das saudische Verteidigungsministerium unterdessen in der Nacht auf X mitteilte, wehrte die Luftabwehr des Landes drei ballistische Raketen ab, die in Richtung der Prince Sultan-Basis abgefeuert worden seien.

Mit dem Abschuss einer Rakete auch auf das Nato-Land Türkei sowie einem Drohnenangriff auf einen britischen Stützpunkt auf Zypern sorgte der Iran für eine weitere Eskalation des Konflikts. Die Nato werde die jetzt befohlene Erhöhung der Alarm- und Einsatzbereitschaft ihrer ballistischen Abwehrsysteme beibehalten, bis die Bedrohung durch Irans wahllose Angriffe in der Region nachlasse, erklärte der Sprecher des militärischen Nato-Hauptquartiers. Auf die Frage, ob zusätzliche Raketenabwehrsysteme in die Region verlegt werden, gab es keine Angaben.

Israel greift im Iran und Libanon weiter an

Derweil griff Israels Luftwaffe in der Nacht erneut Ziele in der iranischen Hauptstadt Teheran an. Man habe eine "großangelegte Angriffswelle gegen die Infrastruktur des iranischen Terrorregimes in Teheran gestartet", gab die Armee bekannt. Armeechef Ejal Zamir kündigte zuvor eine neue Phase der Angriffe an. "In dieser Phase werden wir das Regime und seine militärischen Kapazitäten weiter zerschlagen", sagte er und kündigte "weitere Überraschungen" an.

Auch im nördlichen Nachbarland Libanon griff Israel am Abend weiter die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz in Vororten der Hauptstadt Beirut an, die als Hochburg der Miliz gelten. Einwohner berichteten von Explosionen. In der Nacht rief die Hisbollah ihrerseits die Bewohner im Norden Israels auf, alle israelischen Siedlungen innerhalb von fünf Kilometern von der Grenze entfernt zu räumen. Es war die erste Warnung der Miliz dieser Art seit Ausbruch der neuen Gewalt.

Seit Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe am Samstag sollen im Iran insgesamt bereits mehr als 1.200 Menschen ums Leben gekommen sein, wie iranische Medien unter Berufung auf eine staatliche Stiftung berichteten. Unter anderem wurde Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei getötet. Auch bei den iranischen Gegenschlägen auf mehrere Länder in der Region gab es Tote.

Trump: Muss bei der künftigen Führung des Irans mitbestimmen

Nach der Tötung Chameneis wurde im Iran dem für die Übergangszeit ernannten Führungstrio mehr Macht gewährt. Dem provisorischen Führungsrat seien unter anderem die Befugnisse zur Erklärung von Frieden und Krieg übertragen worden, berichtete das iranische Onlineportal Didban.

Trump will bei der künftigen Führung des Irans mitbestimmen. "Ich muss in die Ernennung involviert sein, wie bei Delcy (Rodriguez) in Venezuela", sagte er dem US-Nachrichtenportal "Axios". Chameneis Sohn Modschtaba Chamenei lehne er als neues Staatsoberhaupt ab, sagte er demnach: "Chameneis Sohn ist für mich inakzeptabel", sagte Trump. Dieser sei ein "Leichtgewicht". Zuvor hatte die US-Regierung bestritten, einen Machtwechsel im Iran zu verfolgen.

Die kurdische Ehefrau des irakischen Präsidenten Abdel Latif Raschid, Schanas Ibrahim Ahmed, sprach sich zuvor gegen eine mögliche Offensive kurdischer Kämpfer im Iran aus. Sie bezog sich auf angebliche Pläne Trumps, iranische Kurden im Irak für eine Bodenoffensive im Iran zu gewinnen. Trump soll laut der "Washington Post" Unterstützung durch US-Kampfflugzeuge angeboten haben. Ob eine Bodenoffensive kurdischer Kämpfer im Iran bevorsteht, ist aber unklar./ln/DP/stk

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