ROUNDUP

Neue Proteste in der Türkei - Polizei setzt Wasserwerfer ein 26.05.2026, 15:42 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

In der türkischen Küstenmetropole Izmir haben Tausende gegen die gerichtliche Absetzung des Chefs der größten Oppositionspartei CHP, Özgür Özel, protestiert. Die Polizei setzte dabei Wasserwerfer gegen Demonstrierende ein, um die Menge zu zerstreuen, wie eine dpa-Reporterin vor Ort berichtete. Bereits zuvor hatten die Behörden den Platz der Republik, auf dem Özel sprechen wollte, abgesperrt.

Die Demonstration wurde anschließend an einen nahe gelegenen Ort verlegt und verlief friedlich. Özel, der sich von einem Bus aus an seine Unterstützer wandte, sprach von Zehntausenden Teilnehmern. Die Küstenmetropole gilt als Hochburg der säkularen Opposition.

Absetzung der Parteispitze

Vergangene Woche hatte ein Gericht den CHP-Parteitag 2023 für ungültig erklärt und Özel als Parteivorsitzenden abgesetzt. Im Raum stehen Vorwürfe, dass Delegierte bestochen wurden, um für Özel zu stimmen. Der CHP-Flügel um Özel weist die Vorwürfe zurück und legte Einspruch beim Obersten Gerichtshof ein. Als CHP-Chef setzte das Gericht vorläufig Özels umstrittenen Vorgänger Kemal Kilicdaroglu ein. Das löste bereits in der vergangenen Woche Proteste in der Hauptstadt Ankara aus.

Die türkische Regierung stellt die Ereignisse als innerparteilichen Konflikt dar. In einer ersten Reaktion hatte der Sprecher der Regierungspartei Ömer Celik am Montag gesagt, in der CHP herrsche "weitaus mehr Chaos" als im Nahen Osten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan äußerte sich bislang nicht dazu.

Özel fordert baldigen Parteikongress

Auf der Kundgebung in Izmir forderte der 51-jährige Özel seinen 77-jährigen Nachfolger Kilicdaroglu auf, schnellstmöglich einen außerordentlichen Parteikongress abzuhalten. Dort würde er sich den rund zwei Millionen Parteimitgliedern erneut zur Wahl stellen.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, plant Kilicdaroglu das erste Treffen des Parteirats für den 1. Juni. Dort kann über die Ausrufung eines Parteikongresses entschieden werden.

Özel kritisierte auch den Zeitpunkt seiner Absetzung: "Nach 47 Jahren haben wir es geschafft, die Partei auf den ersten Platz zu bringen. Spaltet die Partei nicht, haltet uns nicht auf bei unserem Weg an die Regierung." Er bezog sich dabei auf den überraschenden Erfolg der CHP bei den Kommunalwahlen im Jahr 2024 - ein Jahr nach Özels Wahl zum Parteivorsitzenden.

Die Gerichtsentscheidung sieht Özel auch als einen Schritt der regierenden AKP an, um die Oppositionspartei in eine Krise zu bringen. Die neue Parteiführung habe den Titel des Parteivorsitzenden mit Hilfe der Justizorgane der AKP an sich gerissen, sagte er in seiner Rede. Dabei hätten sie allerdings die "treuen Mitglieder der Partei" unterschätzt, die auf die Straße gehen.

Özel hatte angekündigt, im Anschluss in seinen Heimatort Manisa weiterzureisen. In der Türkei findet derzeit das Opferfest statt, an dem traditionell Familienbesuche stattfinden.

Parteineugründung als Option

Mehrere Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Kundgebung erklärten ihre Unterstützung für Özel auch im Falle einer Parteineugründung. Vor seiner Absetzung vom Parteivorsitz vergangene Woche hatte Özel der Zeitung "Pencere" in einem Interview erklärt, er werde die CHP auf keinen Fall aufgeben. Eine Ersatzpartei werde nur dann gegründet, wenn die CHP von der Regierung aufgelöst werde.

Ein älterer Mann am Rande der Demonstration sagte mit Bezug auf die neue Parteiführung, er wünsche sich, dass die "Verräter" von Bienen gestochen würden.

Razzia gegen oppositionelle Gemeindeverwaltung

Am Morgen hatte die Polizei nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA eine Razzia gegen die Gemeindeverwaltung des Bezirks Güzelbahce in Izmir durchgeführt. Dabei wurde unter anderem der Bezirksbürgermeister, der als Özel-Unterstützer gilt, festgenommen. Hintergrund seien Ermittlungen wegen Unregelmäßigkeiten im Bauwesen.

Die CHP steht seit langem unter Druck und sieht sich als Opfer einer politisch motivierten Kampagne der Regierung. Zahlreiche Bürgermeister und andere Politiker der Partei sitzen in Haft, der prominenteste ist der abgesetzte Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu. Die Regierung weist den Vorwurf der Einflussnahme auf die Justiz zurück.

Kommentare (0) ... diskutiere mit.
Werbung

Handeln Sie Aktien bei SMARTBROKER+ für 0 Euro!* Profitieren Sie von kostenloser Depotführung, Zugriff auf 29 deutsche und internationale Börsenplätze und unschlagbar günstigen Konditionen – alles in einer innovativen, brandneuen App. Jetzt zu SMARTBROKER+ wechseln und durchstarten!

*Ab 500 EUR Ordervolumen über gettex. Zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen.

k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
Schreib den ersten Kommentar!

Dis­clai­mer: Die hier an­ge­bo­te­nen Bei­trä­ge die­nen aus­schließ­lich der In­for­ma­t­ion und stel­len kei­ne Kauf- bzw. Ver­kaufs­em­pfeh­lung­en dar. Sie sind we­der ex­pli­zit noch im­pli­zit als Zu­sich­er­ung ei­ner be­stim­mt­en Kurs­ent­wick­lung der ge­nan­nt­en Fi­nanz­in­stru­men­te oder als Handl­ungs­auf­for­der­ung zu ver­steh­en. Der Er­werb von Wert­pa­pier­en birgt Ri­si­ken, die zum To­tal­ver­lust des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals füh­ren kön­nen. Die In­for­ma­tion­en er­setz­en kei­ne, auf die in­di­vi­du­el­len Be­dür­fnis­se aus­ge­rich­te­te, fach­kun­di­ge An­la­ge­be­ra­tung. Ei­ne Haf­tung oder Ga­ran­tie für die Ak­tu­ali­tät, Rich­tig­keit, An­ge­mes­sen­heit und Vol­lständ­ig­keit der zur Ver­fü­gung ge­stel­lt­en In­for­ma­tion­en so­wie für Ver­mö­gens­schä­den wird we­der aus­drück­lich noch stil­lschwei­gend über­nom­men. Die Mar­kets In­side Me­dia GmbH hat auf die ver­öf­fent­lich­ten In­hal­te kei­ner­lei Ein­fluss und vor Ver­öf­fent­lich­ung der Bei­trä­ge kei­ne Ken­nt­nis über In­halt und Ge­gen­stand die­ser. Die Ver­öf­fent­lich­ung der na­ment­lich ge­kenn­zeich­net­en Bei­trä­ge er­folgt ei­gen­ver­ant­wort­lich durch Au­tor­en wie z.B. Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­richt­en­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men. In­fol­ge­des­sen kön­nen die In­hal­te der Bei­trä­ge auch nicht von An­la­ge­in­te­res­sen der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und/oder sei­nen Mit­ar­bei­tern oder Or­ga­nen be­stim­mt sein. Die Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­rich­ten­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men ge­hör­en nicht der Re­dak­tion der Mar­kets In­side Me­dia GmbH an. Ihre Mei­nung­en spie­geln nicht not­wen­di­ger­wei­se die Mei­nung­en und Auf­fas­sung­en der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und de­ren Mit­ar­bei­ter wie­der. Aus­führ­lich­er Dis­clai­mer