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Neuer Nachtzug von Paris nach Berlin geht auf erste Fahrt 27.03.2026, 14:02 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Als der auffällig blaue Zug im Pariser Gare du Nord an den Bahnsteig rollt, blicken Reisende und Eisenbahner neugierig auf die lange Reihe von Schlaf- und Liegewagen. Der neue Nachtzug zwischen Paris und Berlin, der am Donnerstagabend zu seiner ersten Fahrt startete, schließt eine Lücke im noch spärlichen Netz von Nachtzügen, die sich bei Reisenden aber großer Beliebtheit erfreuen. Nach einer kleinen Feier mit Bahnverantwortlichen setzt sich der Zug unter regem Interesse der Medien Richtung Bundeshauptstadt in Bewegung.

Dreimal pro Woche soll die Nachtzugverbindung des niederländisch-belgischen Bahn-Unternehmens European Sleeper zwischen beiden Metropolen unterwegs sein. Die Fahrzeit beträgt rund 16 Stunden. Einziger Zwischenhalt in Deutschland ist vom 13. Juli an der Bahnhof Hamburg-Harburg. Außerdem hält der Zug im nordfranzösischen Aulnoye-Aymeries sowie in den belgischen Städten Mons, Brüssel und Lüttich. Fahrkarten gibt es in drei Komfort-Klassen, Fahrräder werden auch mitgenommen.

Privates Start-up übernimmt Strecke von Staatsbahnen

European Sleeper übernimmt damit eine Strecke, die die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) Mitte Dezember wegen wegfallender staatlicher Zuschüsse aus Frankreich eingestellt hatten. Dieser von der ÖBB in Kooperation mit der SNCF und DB eingesetzte Zug fuhr dabei eine andere Route über Straßburg, Frankfurt und Erfurt. Gegen die Einstellung dieser erst zwei Jahre zuvor mit großem Wirbel wieder neu eingeführten Verbindung gab es größeren Protest. Daraufhin sprang European Sleeper ein, um die beiden Metropolen zu verbinden.

Nur mit Beharrlichkeit sei es gelungen, den neuen Zug binnen weniger Monate aufs Gleis zu bringen, erzählt der Co-Gründer von European Sleeper, Chris Engelmann. "Jedes Land hat andere Regeln und die Bürokratie macht es schwierig." Das Projekt aber sei bei den beteiligten Bahnverantwortlichen in Frankreich, Belgien und Deutschland auf Sympathie gestoßen, "alle waren enthusiastisch". Und so wurde für den Nachtzug noch kurzfristig eine Lücke in den Fahrplänen gefunden.

Weiterer Nachtzug von Köln nach Mailand geplant

European Sleeper betreibt bereits eine Verbindung zwischen Brüssel und Prag über Berlin. Ab September will es eine weitere Nachtverbindung von Brüssel über Köln und Zürich nach Mailand starten.

Zu den Reisenden der ersten Fahrt gehört Ulrike aus Halle (Saale), die mit ihren erwachsenen Kindern Judith und Julius für die Rückfahrt nach einer Woche Urlaub in Paris Plätze im Liegewagen gebucht hat. "Ich bin noch nie mit einem Nachtzug gefahren", erzählt die Mutter. "Man nimmt Raum und Zeit anders wahr und kommt erholt an", meint Julius zu den Vorteilen einer Fahrt im Nachtzug. Ein Riesenfaktor im Vergleich zu einem Flug sei auch der Umweltschutz. "Außerdem spart man sich die Kosten einer Nacht im Hotel", sagt Judith. Den neuen Nachtzug hat die Familie gebucht, weil die ÖBB ihren Nightjet aus dem Fahrplan nahm, der sie sogar direkt bis nach Halle gebracht hätte.

Bei der ersten Fahrt sind auch etliche Eisenbahnfans mit an Bord, die im Gang über die Lokomotiven fachsimpeln. Florian etwa ist aus Südfrankreich nach Paris gereist, um gleich bei der ersten Fahrt mit dabei zu sein. "Ich fahre nach Berlin des Zuges wegen." Nach einem Tag in der Bundeshauptstadt fährt er gleich am Freitagabend mit dem nächsten Nachtzug nach Paris zurück.

Verbindung startet mit älteren Waggons

Der neue Nachtzug zwischen Paris und Berlin besteht aus Schlaf- und Liegewagen, die bereits seit den neunziger Jahren im Einsatz sind und an die heutigen Standards angepasst wurden. Die Waggons mietet European Sleeper von einem deutschen Unternehmen, ebenso wie die Lokomotive, die anders als die Wagen aber nagelneu ist. Auch das Personal auf dem neuen Zug wird von einem anderen Unternehmen gestellt. Später will European Sleeper in neue Waggons investieren.

Einen unerwartet großen Empfang gibt es nach zweieinhalb Stunden Fahrt, als der lange Zug im nordfranzösischen Grenzort Aulnoye-Aymeries seinen ersten Zwischenstopp einlegt. Rund einhundert Einwohner jubeln auf dem Bahnsteig mit französischen und deutschen Fähnchen, der Bürgermeister begrüßt die Gründer des Bahn-Unternehmens freudig. Nach Jahrzehnten erhält die Region mit dem neuen Zug wieder Anschluss an den Fernverkehr und nach Deutschland. "Auf Wiedersehen", rufen die Leute, als der Zug wieder anfährt.

Rege Nachfrage nach Nachtzügen

Nachtzüge erfreuen sich zwar reger Nachfrage, da sich wieder mehr Menschen für eine Fernreise per Bahn entscheiden und dabei auch vor langen Fahrten nicht zurückschrecken. Die staatlichen Bahngesellschaften beklagen aber dennoch, dass diese Verbindungen nicht rentabel sind. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Nachtzüge tagsüber auf dem Abstellgleis stehen, während ein ICE beispielsweise mehrmals täglich auf einer Strecke hin- und herfährt und damit wirtschaftlicher ist.

Die neue Nachtverbindung zwischen Paris und Berlin auf jeden Fall kommt nach Angaben von European Sleeper gut an. 25.000 Tickets seien bereits vor der ersten Fahrt verkauft worden, und damit mehr als erwartet. Bei European Sleeper handelt es sich eigenen Angaben zufolge um ein genossenschaftliches Eigentumsmodell. Projektunterstützer erwerben Anteile und finanzieren so die Verbindungen.

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