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Russland greift erneut Kiew an - Ukraine zielt auf Moskau 16.08.2026, 19:07 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Russland und die Ukraine haben sich gegenseitig mit zerstörerischen Luftangriffen überzogen und dabei mehrere Zivilisten getötet. In der Ukraine meldeten die Hauptstadt Kiew und die Industriestädte Krementschuk und Krywyj Rih Attacken von ballistischen Raketen. In Russland berichteten die Behörden von einem der schwersten Angriffe der letzten Zeit mit ukrainischen Drohnen auf die Hauptstadt Moskau und das Umland. Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin sprach von einer Attacke mit 600 ukrainischen Drohnen.

In der Ukraine gab es mindestens drei Tote, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilte. Es seien auch mehr als 20 Menschen verletzt worden. In Kiew seien die Brände zügig gelöscht worden, sagte er. Getroffen wurde in der Hauptstadt auch ein Büchermarkt. "Überall, wo die Russen mit ihren Raketen hinreichen, greifen sie die zivile Infrastruktur an", erklärte der Präsident.

Dagegen behauptete das russische Verteidigungsministerium erneut, militärische Ziele angegriffen zu haben. Das Ministerium teilte mit, in Kiew sei ein Werk für die Herstellung der ukrainischen Marschflugkörper vom Typ Flamingo und eine Drohnenfabrik angegriffen worden. Zudem seien eine Ölraffinerie in Krementschuk, ein für die Waffenproduktion genutztes Stahlwerk in Krywyj Rih und ein Frachter mit Militärgütern im Schwarzmeer-Hafen von Odessa Ziele gewesen. Die Angaben der Kriegsparteien ließen sich von unabhängiger Seite zunächst nicht überprüfen.

Selenskyj fordert vom Westen erneut Flugabwehrraketen

Russland feuerte in dieser Woche nach Darstellung Selenskyjs mehr als 1.550 Drohnen, fast 1.560 Bomben und 62 Raketen und Marschflugkörper auf das Land ab. Selenskyj rief die Verbündeten der Ukraine erneut auf, dem Land Flugabwehrraten zu liefern.

"Wenn nordkoreanische Raketen hier in Europa die Infrastruktur zerstören und Menschenleben fordern, darf nicht zugelassen werden, dass europäische Abfangraketen einfach in den Lagern liegen bleiben", sagte Selenskyj. Er hatte Russland zuletzt vorgeworfen, von Nordkorea gelieferte Raketen einzusetzen. "Russland muss gestoppt werden."

Weil es den ukrainischen Streitkräften nach viereinhalb Jahren Krieg an Munition zur Raketenabwehr mangelt, hat Russland seine Angriffe mit ballistischen Raketen auf Kiew und andere Städte zuletzt verstärkt. Als effektivste Abwehr gegen ballistische Raketen, die aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit besonders schwierig abzufangen sind, gelten die von den USA produzierten Patriot-Systeme. Die ukrainische Armee hat mehrere davon, aber nicht genügend Abfangraketen, um sie effektiv einzusetzen.

Tote und Verletzte auch in Russland

In Gebiet Rostow am Don im Süden Russlands starben bei einem ukrainischen Drohnenangriff laut Behörden mindestens fünf Menschen. Insgesamt seien drei Städte des Gebietes betroffen gewesen von Attacken, am meisten die Stadt Kamensk-Schachtinski, sagte Gouverneur Juri Sljussar. In Kiew teilte der ukrainische Generalstab mit, dass das für die russische Rüstungsindustrie wichtige Kombinat Kamenski getroffen worden sei, wo unter anderem Raketentreibstoff produziert werde.

In Moskau berichtete Bürgermeister Sobjanin die ganze Nacht über von immer neuen Attacken Kiews auf die Umgebung der russischen Hauptstadt. Der Gouverneur des Moskauer Gebietes, Andrej Worobjow, sagte, ein 83 Jahre alter Mann sei getötet worden, als eine Drohne auf sein Grundstück gefallen sei. In der Stadt Podolsk rund 40 Kilometer von Moskau seien drei Menschen verletzt worden. Zudem sei ein Feuer in einem Lager des größten russischen Online-Versandhandels Wildberries ausgebrochen, teilte Worobjow bei Telegram mit. Die Mitarbeiter hätten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

In Domodedowo, wo auch einer der Moskauer Flughäfen liegt, sei zudem ein Lager mit Medikamenten in Brand geraten. In der Stadt seien auch mehrere Wohnhäuser beschädigt worden. Auch in anderen Ortschaften gebe es Schäden an ziviler Infrastruktur, darunter auch eine Schule. Die Hauptstadtflughäfen waren ebenfalls vom Flugalarm betroffen. Sie meldeten Dutzende Flugausfälle und Verspätungen.

Zunahme der Gewalt im russischen Angriffskrieg

Die Ukraine hat immer wieder erklärt, sie wolle mit den Gegenangriffen den Krieg nach Russland zurücktragen. Insbesondere vor der Parlamentswahl in Russland in einem Monat (18. bis 20. September) hofft Kiew aus Sicht von Experten, die wirtschaftlichen Kosten für Moskaus Krieg so in die Höhe zu treiben, dass dies auch zu politischer Instabilität in dem Land führen könnte. Zur Wahl sind allerdings nur Parteien zugelassen, die den Krieg befürworten. Ein Einlenken Russlands in dem Krieg oder gar Friedensverhandlungen sind nicht in Sicht.

In dem seit viereinhalb Jahren andauernden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine verzeichneten Experten zuletzt eine zunehmende Eskalation der Gewalt. Beide Seiten setzen immer schnellere und weitreichendere Waffen ein. Bei den gegenseitigen Angriffen mit Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern sterben auch immer mehr Zivilisten.

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