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Tiefe Einschnitte bei ZF - droht weiterer Milliardenverlust? 31.07.2025, 13:20 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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FRIEDRICHSHAFEN (dpa-AFX) - Der Autozulieferer ZF Friedrichshafen kommt nicht aus dem Krisenmodus. Das Stiftungsunternehmen machte im ersten Halbjahr einen Verlust von 195 Millionen Euro, wie ZF-Finanzchef Michael Frick mitteilte. Da die Märkte sehr instabil seien, gehe er davon aus, dass man auch im Gesamtjahr einen Verlust realisieren werde. Wie hoch dieser ausfallen werde, sei unklar. Dann würde der Konzern im zweiten Jahr in Folge ins Minus rutschen. Zugleich kündigte ZF-Chef Holger Klein eine Fortsetzung des strikten Sparkurses an.

ZF leidet - wie die Konkurrenten Bosch, Continental und Schaeffler - aktuell wegen der niedrigen Fahrzeugproduktion unter ausbleibenden Aufträgen der Hersteller. Auch die hohen Kosten für den Wandel zum Elektromotor belasten. Das Unternehmen hat neben Getrieben unter anderem auch Lenksysteme, Antriebe, Bremsen, Sicherheitstechnik und Fahrwerkskomponenten im Angebot.

Negativ auf das Ergebnis von Januar bis Ende Juni ausgewirkt haben sich unter anderem die Kosten für die Restrukturierung und die Zinszahlungen für die hohen Schulden. Die Nettoverbindlichkeiten beliefen sich Ende Juni auf rund 10,5 Milliarden Euro. Frick sagte, es sei auch denkbar, dass in diesem Jahr die Verschuldung leicht ansteigen werde. Die Schulden haben ihren Ursprung vor allem im Erwerb des Autozulieferers TRW und des Bremsenspezialisten Wabco.

Kein Ende des Personalabbaus in Sicht

Konzernchef Klein machte den Mitarbeitern keine Hoffnung auf ein schnelles Ende des Personalabbaus. Der schleppende Hochlauf der Elektromobilität und die Unsicherheit durch die US-Zölle bedeuteten geringere Umsätze und steigende Kosten, teilte er mit. Das Restrukturierungsprogramm wolle man beschleunigen und intensivieren. "Damit ist ZF auf einem zwar schwierigen, aber erkennbar richtigen Weg." Weitere konkrete Pläne zur Streichung von Arbeitsplätzen nannte der Manager nicht.

Der zweitgrößte deutsche Zulieferer hat seit Anfang 2024 weltweit 11.200 Vollzeitstellen abgebaut, davon 5.700 hierzulande. Zusätzlich seien für weitere 4.700 Vollzeitstellen bereits Altersteilzeitverträge vereinbart worden - oder die Mitarbeiter gingen planmäßig in den Ruhestand. Man komme voran und wolle diese Reduzierung weiterhin so weit wie möglich sozialverträglich vornehmen.

Operatives Ergebnis legt zu

Klein schloss betriebsbedingte Kündigungen weiterhin nicht aus. Bis Ende 2028 will ZF bis zu 14.000 Stellen in Deutschland streichen. Das war zum Zeitpunkt der Ankündigung etwa jeder vierte ZF-Arbeitsplatz hierzulande. An den Zahlen werde erst einmal festgehalten - man könne nach hinten hin aber auch nichts ausschließen. Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen sich unter anderem die 8.500 Beschäftigten im Saarland. Der Standort habe eine Zukunftsperspektive. Perspektivisch sei keine Schließung geplant, sagte Klein.

Im ersten Halbjahr erhöhte das Unternehmen vom Bodensee das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 780 auf 874 Millionen Euro. Der Umsatz sank um 10,3 Prozent auf 19,7 Milliarden Euro. Der Rückgang geht auf einen Einmaleffekt zurück. Damals war der Bereich Achsmontage, der inzwischen in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Apple -Zulieferer Foxconn ausgegliedert wurde, noch Teil des Konzerns.

Schonfrist für Antriebstechnik

Am Dienstag waren mehr als 10.000 Beschäftigte bundesweit auf die Straße gegangen, um ein Zeichen gegen eine Verschärfung der Sparmaßnahmen zu setzen. Besonders schlecht steht es um die Kernsparte, die intern "Division E" genannt wird. Sie ist derzeit in Teilen nicht wettbewerbsfähig. Der Bereich, der nicht nur elektrische, sondern auch hybride Antriebe und Verbrenner umfasst, leidet besonders unter dem langsamen Hochlauf der E-Mobilität.

Weltweit ist in der Division etwa jeder fünfte ZF-Beschäftigte tätig. Klein sagte, im Vordergrund stehe die Restrukturierung. Zuletzt gab es Gerüchte über Pläne für einen möglichen Verkauf des Bereichs oder dass dafür ein Partner an Bord geholt werden soll. Management und Gesamtbetriebsrat wollen in den kommenden Wochen über die Neuausrichtung der Sparte verhandeln. Die Gespräche dürften hart werden. Vorstandschef Klein kündigte in diesem Bereich bereits "erneute schmerzhafte Entscheidungen" an./ols/DP/jha

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