ROUNDUP

Vorurteile und KI bremsen Frauen in IT-Abteilungen aus 03.03.2026, 12:49 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

BERLIN (dpa-AFX) - Obwohl die deutsche Wirtschaft den Fachkräftemangel in den IT-Abteilungen ohne weibliche Talente kaum lösen kann, halten sich in der Branche hartnäckig veraltete Stereotype. Eine Bitkom-Studie anlässlich des Weltfrauentags zeigt: Noch immer hält fast jedes zweite Unternehmen Männer für schlichtweg besser geeignet für Tech-Berufe.

Diese Vorurteile spiegeln sich auch in Zahlen der repräsentativen Befragung unter 603 Unternehmen wider: In keiner einzigen deutschen IT- oder Digitalabteilung arbeiten derzeit mehr Frauen als Männer. In 89 Prozent der Unternehmen stellen Frauen in diesen Fachbereichen weniger als die Hälfte der Belegschaft. Lediglich 9 Prozent berichten von einem annähernd ausgeglichenen Geschlechterverhältnis.

Der Trend aus der Bitkom-Umfrage wird bestätigt durch eine Studie des Beratungsunternehmens McKinsey. Demnach ist in Europa der Frauenanteil in Tech-Rollen in den vergangenen drei Jahren von 22 Prozent auf 19 Prozent gesunken. Dabei absolvieren immer mehr Frauen ein MINT-Studium (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) - sie stellen mittlerweile 33 Prozent der Bachelor- und 39 Prozent der Doktortitel. Dieses Talent kommt allerdings im Arbeitsmarkt nicht an.

KI killt Einstiegsjobs für Frauen

Dieser Trend ist auch darauf zurückzuführen, dass die Nachfrage nach Einstiegspositionen in den meisten Tech-Jobbereichen abnimmt. Wachstum entsteht der McKinsey-Studie zufolge vor allem in KI-, Daten- und Analytics-Rollen, die bislang überwiegend von Männern besetzt sind. Der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen scheint also auf den Arbeitsmarkt vor allem für die Frauen negative Auswirkungen zu haben.

"KI verändert die Nachfrage nach Tech-Rollen strukturell. Einstiegspfade werden enger, während Positionen wichtiger werden, in denen es um Daten, strategische Entscheidungen und die Kontrolle von KI-Systemen geht", sagte Melanie Krawina, Co-Autorin der Studie und Associate Partnerin bei McKinsey in Wien.

Deutsche Wirtschaft unter den Nachzüglern

In der Bitkom-Umfrage bewertet die Wirtschaft die eigene Leistung bei der Frauenförderung kritisch. Zwei Drittel (67 Prozent) sehen Deutschland beim Thema Gleichstellung in IT-Berufen im internationalen Vergleich unter den Nachzüglern. Ganze 17 Prozent glauben gar, die deutsche Wirtschaft habe den Anschluss bereits komplett verpasst.

Die Studie des Digitalverbands Bitkom zeigt allerdings auch, dass in den Chefetagen durchaus ein Problembewusstsein vorhanden ist: 78 Prozent der Firmenvertreter stimmen zu, dass die Wirtschaft ohne Frauen ihre Zukunft verspielt. 65 Prozent sehen in ihnen den Schlüssel, um den IT-Fachkräftemangel zu lindern.

Auch die Vorteile gemischter Teams sind unumstritten: Neun von zehn Unternehmen loben das bessere Betriebsklima, acht von zehn bescheinigen gemischten Teams eine höhere Produktivität und Kreativität.

Vorurteile in zu vielen Unternehmen verankert

Trotz dieser Erkenntnis prägen Vorurteile den Einstellungsalltag: 43 Prozent der Unternehmen geben offen an, Männer seien für IT- und Digitalberufe einfach besser geeignet. Fast die Hälfte (48 Prozent) glaubt, dass solche Berufe Frauen abschrecken. "Stereotype Rollenbilder sind noch in zu vielen Unternehmen verankert", kritisierte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst.

Als größte Bremsklötze für Frauenkarrieren in der IT identifizieren die Unternehmen Hürden beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit (50 Prozent) sowie eine mangelnde Sensibilisierung der Führungskräfte (48 Prozent). Zudem klagen 39 Prozent der befragten Firmen über eine "gläserne Decke", die Frauen trotz gleicher Qualifikation benachteiligt.

Ein weiteres Problem liegt im Betriebsklima selbst: In mehr als jedem dritten Unternehmen (35 Prozent) wird Frauenförderung von Teilen der männlichen Belegschaft als ungerecht empfunden. Generell halten 28 Prozent der Unternehmen Frauenförderung für nicht mehr notwendig./chd/DP/stw

Kommentare (0) ... diskutiere mit.
Werbung

Handeln Sie Aktien bei SMARTBROKER+ für 0 Euro!* Profitieren Sie von kostenloser Depotführung, Zugriff auf 29 deutsche und internationale Börsenplätze und unschlagbar günstigen Konditionen – alles in einer innovativen, brandneuen App. Jetzt zu SMARTBROKER+ wechseln und durchstarten!

*Ab 500 EUR Ordervolumen über gettex. Zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen.

k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
Schreib den ersten Kommentar!

Dis­clai­mer: Die hier an­ge­bo­te­nen Bei­trä­ge die­nen aus­schließ­lich der In­for­ma­t­ion und stel­len kei­ne Kauf- bzw. Ver­kaufs­em­pfeh­lung­en dar. Sie sind we­der ex­pli­zit noch im­pli­zit als Zu­sich­er­ung ei­ner be­stim­mt­en Kurs­ent­wick­lung der ge­nan­nt­en Fi­nanz­in­stru­men­te oder als Handl­ungs­auf­for­der­ung zu ver­steh­en. Der Er­werb von Wert­pa­pier­en birgt Ri­si­ken, die zum To­tal­ver­lust des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals füh­ren kön­nen. Die In­for­ma­tion­en er­setz­en kei­ne, auf die in­di­vi­du­el­len Be­dür­fnis­se aus­ge­rich­te­te, fach­kun­di­ge An­la­ge­be­ra­tung. Ei­ne Haf­tung oder Ga­ran­tie für die Ak­tu­ali­tät, Rich­tig­keit, An­ge­mes­sen­heit und Vol­lständ­ig­keit der zur Ver­fü­gung ge­stel­lt­en In­for­ma­tion­en so­wie für Ver­mö­gens­schä­den wird we­der aus­drück­lich noch stil­lschwei­gend über­nom­men. Die Mar­kets In­side Me­dia GmbH hat auf die ver­öf­fent­lich­ten In­hal­te kei­ner­lei Ein­fluss und vor Ver­öf­fent­lich­ung der Bei­trä­ge kei­ne Ken­nt­nis über In­halt und Ge­gen­stand die­ser. Die Ver­öf­fent­lich­ung der na­ment­lich ge­kenn­zeich­net­en Bei­trä­ge er­folgt ei­gen­ver­ant­wort­lich durch Au­tor­en wie z.B. Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­richt­en­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men. In­fol­ge­des­sen kön­nen die In­hal­te der Bei­trä­ge auch nicht von An­la­ge­in­te­res­sen der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und/oder sei­nen Mit­ar­bei­tern oder Or­ga­nen be­stim­mt sein. Die Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­rich­ten­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men ge­hör­en nicht der Re­dak­tion der Mar­kets In­side Me­dia GmbH an. Ihre Mei­nung­en spie­geln nicht not­wen­di­ger­wei­se die Mei­nung­en und Auf­fas­sung­en der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und de­ren Mit­ar­bei­ter wie­der. Aus­führ­lich­er Dis­clai­mer