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Wirksam gegen Fast Fashion? Schneider plant Textilgesetz 27.03.2026, 13:51 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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Damit sich die Sammlung und Entsorgung von Altkleidern auch finanziell wieder lohnt, sollen dafür künftig die Hersteller bezahlen. Das plant Bundesumweltminister Carsten Schneider, der dabei besonders Billigware im Blick hat. "Fast-Fashion-Kleidung wird nur kurz getragen, aber macht lange Ärger. Sie überschwemmt den Markt, lässt Altkleider-Container überquellen und kann kaum Secondhand wiederverwendet oder recycelt werden", erklärte der SPD-Politiker.

Schneider stellte bei einem Ortstermin in Berlin Eckpunkte für ein neues Textilgesetz vor, ein ausführlicherer Gesetzentwurf soll später folgen. Das Echo aus der Branche und von Umweltverbänden ist gemischt. Es geht um Bekleidung, Bekleidungszubehör wie Gürtel, Heimtextilien und Schuhe. Damit setzt die Bundesregierung EU-Vorgaben um.

Problem Fast Fashion

"Seit rund einem Jahr zahlen wir drauf, wenn wir Kleidung annehmen", sagt Thomas Ahlmann, Geschäftsführer von Fairwertung, einem Zusammenschluss gemeinnütziger Sammler gebrauchter Textilien. "Die minderwertige Kleidung ist einfach nur noch eine Kostenbelastung." Denn die Sortierung per Hand ergibt weniger verwertbare Kleidung, der Rest muss kostenpflichtig entsorgt werden.

Das Problem heißt Fast Fashion oder auch Ultra Fast Fashion wie sie auf Plattformen wie Temu oder Shein zu haben ist. Gemeint ist Ware, die längst nicht mehr für eine ganze Saison gedacht ist, sondern laut Greenpeace auf großen Verkaufsplattformen teils sogar täglich wechselt - allerdings von so schlechter Qualität ist, dass sie sich auch nur kurz tragen lässt.

Immer mehr Textilabfälle

"Vor zehn, fünfzehn Jahren hatten wir im Container fünf Prozent gut erhaltene Ware. Jetzt ist es vielleicht ein Prozent", erklärt Ulrich Müller, Chef bei der Deutschen Kleiderstiftung, die Kleidung sammelt und an Sozialläden oder Hilfsprojekte weitergibt.

Deutsche Privathaushalte produzieren immer mehr Bekleidungs- und Textilabfälle. Zwischen 2013 und 2023 stieg das Volumen laut Statistischem Bundesamt um 55 Prozent auf rund 175.000 Tonnen. Pro Kopf wurden demnach zuletzt etwa zwei Kilogramm Textilabfälle produziert.

Hersteller in die Pflicht

Hersteller sollen sich nach Schneiders Plänen künftig an Organisationen für Herstellerverantwortung beteiligen, die sich aus ihren Beiträgen finanzieren. Diese Organisationen sollen sich um Sammlung und Verwertung von Alttextilien kümmern. Kleidung von Sammlern müssen sie kostenlos annehmen. Als Hersteller sollen alle gelten, die Kleidung erstmals auf dem deutschen Markt anbieten, also zum Beispiel auch Importeure.

Jede Organisation soll eine Sammelquote von 70 Prozent erreichen müssen, gemessen an der Menge der Kleidung, die die angeschlossenen Hersteller im Vorjahr auf den Markt gebracht haben.

Textilbranche alarmiert

Der Gesamtverband der deutschen Textil- und Modeindustrie sieht in den Plänen mitnichten ein wirksames Mittel gegen Billigprodukte, sondern fürchtet sogar negative Konsequenzen für heimische Hersteller. "Wir riskieren, dass solide Mittelständler die Alttextilien der globalen Billigplattformen mitfinanzieren müssen", fürchtet Hauptgeschäftsführer Uwe Mazura.

Beim Verband fürchtet man, dass ausländische Onlineplattformen durchs Raster fallen, weil diese nur einen Marktplatz für Verkäufer bieten - die man dann aber nicht zu fassen bekomme. Auch der Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren mahnt eine "effektive Marktüberwachung internationaler Onlineplattformen" an.

Umweltfreundlichkeit soll honoriert werden

Wie viel die Hersteller zahlen, soll aber auch davon abhängen, wie viel Kleidung sie auf den Markt bringen und wie hochwertig diese ist. Dabei sollen Kriterien gelten wie Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendbarkeit, Recyclebarkeit und das Vorhandensein gefährlicher Stoffe. Je umweltfreundlicher ein Produkt ist, desto geringer soll der zu zahlende Betrag ausfallen.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hält das jedoch für eine zahnlose Regelung. Da gesetzlich festgelegte Kriterien für Umweltfreundlichkeit fehlten, könne sich jede Organisation für Herstellerverantwortung etwas Eigenes ausdenken, erklärte Viola Wohlgemuth von der DUH. "Das Ergebnis wird ein gnadenloser Unterbietungswettbewerb, bei dem es nicht um Umweltschutz geht, sondern um die billigste Abfallentsorgung." Es fehlten auch Anreize zur Wiederverwendung.

Schneider entgegnet, er nehme die Kritik ernst, einen Unterbietungswettbewerb solle es nicht geben. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) kritisiert: "Es ist vollkommen unklar, wie mit den Vorschlägen wirklich Abfall vermieden werden soll."

Wird Kleidung dadurch teurer?

Falls die neuen Regeln auch Billig-Händler wirksam erfassen, könnten diese höhere Kosten an Kundinnen und Kunden weitergeben. Schneider schreckt das nicht ab. Er betont: "Die Kosten sind ja sowieso da." Die Frage sei nur, wer sie zahle. Jetzt zahle die Umwelt oder die Allgemeinheit über Abgaben für Vermüllung oder die Kommunen. Von Verbrauchern wünscht er sich mehr Qualitätsbewusstsein: "Dass es nicht okay ist, ein T-Shirt zweimal zu tragen und wegzuwerfen und zu denken: 'Wird schon'."

Für Second-Hand-Shops, Sozialkaufhäuser und Kleiderkammern sollen die neuen Vorgaben nicht gelten, sofern sie nur tragbare Textilien annehmen, die nicht als Abfall gelten. Ahlmann von Fairwertung begrüßt das, wünscht sich aber weiterreichende Regelungen für Sozialkaufhäuser. Diese sollten unverkaufbare Kleidung kostenlos statt teuer als Gewerbeabfälle entsorgen dürfen, fordert er.

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