Selenskyj fürchtet massive russische Attacke vor Nato-Gipfel 06.07.2026, 06:18 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj befürchtet eigenen Angaben zufolge massive russische Angriffe noch vor dem Nato-Gipfel Mitte der Woche in Ankara. In einem Facebook-Posting berief er sich dabei auf Informationen des ukrainischen Geheimdienstes.

"Das entspricht ganz (Kremlchef Wladimir) Putins Art - unmittelbar nach dem amerikanischen Unabhängigkeitstag und vor dem Nato-Gipfel in Ankara", sagte er. Russland wolle schlicht "noch mehr Unheil anrichten und Menschen töten". Die Vertreter der Nato kommen am Dienstag und Mittwoch in der türkischen Hauptstadt zusammen.

Zudem appellierte Selenskyj an die Partner der Ukraine, die Flugabwehr seines Landes zu unterstützen. "Jede Verzögerung bei der Lieferung von Raketen für unsere Flugabwehr und für die Patriot-Systeme kostet Menschenleben und ermutigt Russland, den Krieg fortzusetzen", sagte er. Die Welt verfüge durchaus über die notwendige Menge und Qualität an Flugabwehrsystemen. Nötig sei aber, diese der Ukraine auch zur Verfügung zu stellen. "Und das sind natürlich in erster Linie die Entscheidungen der USA, die Entscheidungen der Mächtigen in Europa und in der Welt."

Der Ukraine sei klar, dass der politische Wille der Vereinigten Staaten von Amerika durchaus ausreichen würde, um den Mangel an Patriot-Systemen zu beheben, führte Selenskyj weiter aus. "Doch bislang fehlt es an einer solchen Unterstützung."

Gegen ballistische Raketen weitgehend machtlos

Während die ukrainische Flugabwehr eine relativ hohe Trefferquote gegen russische Drohnen und Marschflugkörper hat, ist sie gegen ballistische Raketen weitgehend machtlos. Die Patriot-Systeme sind für die Ukraine das einzige wirksame Mittel gegen Russlands Raketen. Im Frühjahr beklagte Selenskyj, dass sein Land kaum noch Munition dafür habe. Der US-Krieg gegen den Iran verknappte die weltweiten Bestände der Abwehrraketen weiter.

Zuletzt hatte Selenskyj die Möglichkeit einer eigenen Patriot-Produktion ins Spiel gebracht. Möglich sei auch eine europäische Produktion in der Ukraine.

Selenskyj trifft Trump bei Nato-Gipfel

Beim Gipfel in Ankara wird Selenskyj die Gelegenheit erhalten, sich mit einer Bitte um weitere Patriots direkt an US-Präsident Donald Trump zu wenden. Die beiden Staatschefs treffen am Mittwoch in Ankara zusammen, um auch über Wege zu einem Ende des russischen Angriffskriegs zu sprechen. Keine der beiden Kriegsparteien mache nennenswerte militärische Fortschritte, betonte ein hochrangiger US-Beamter vor Journalisten. Gleichzeitig entstünden enorme Kosten, und es gebe Angriffe beider Seiten weit ins jeweils andere Land. "Der Präsident verspürt daher ein echtes Gefühl der Dringlichkeit, zu versuchen, das zu einem Ende zu bringen."

Man sei zuversichtlich, Fortschritte erzielen zu können, wenn Trump und Selenskyj zusammenkommen - und er sei sich sicher, dass sich Trump auch mit Kremlchef Putin in Verbindung setzen werde. Sowohl Putin als auch Selenskyj hatten am Wochenende mit Trump telefoniert und diesem ihre Sichtweise auf den Kriegsverlauf geschildert.

Die USA vermitteln schon länger zwischen Russland und der Ukraine in dem Krieg. Angesichts ihres eigenen Kriegs gegen den Iran rückten die Bemühungen aber zuletzt in den Hintergrund.

Neue Milliarden-Zusagen für Kiew geplant

Bei dem Nato-Gipfel soll die Ukraine nun auch ein neues Versprechen für milliardenschwere Militärhilfen bekommen. Darauf verständigten sich Vertreter der 32 Bündnisstaaten wenige Tage vor dem Spitzentreffen in Brüssel in den abschließenden Beratungen über die geplante Gipfelerklärung, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr.

Weiter Kämpfe in der Ostukraine

Ukrainische und russische Bodentruppen lieferten sich unterdessen weiterhin schwere Kämpfe entlang der Fronten in der Ostukraine. Der Generalstab in Kiew sprach im abendlichen Lagebericht von insgesamt 201 Kampfhandlungen an diversen Frontabschnitten. Das russische Militär habe 65 Luftangriffe geführt und dabei 182 Gleitbomben eingesetzt.

Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als vier Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg.

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