Steuerreform

DIW bekräftigt Forderung nach Vermögensteuer 04.06.2026, 06:12 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

DIW-Präsident Marcel Fratzscher bekräftigt in der Debatte um die Gegenfinanzierung einer Einkommensteuer-Reform die Forderung nach Einführung einer Vermögensteuer. Fratzscher sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Eine Vermögensteuer von zwei Prozent auf große Vermögen würde dem deutschen Staat knapp 42 Milliarden Euro an zusätzlichen Einnahmen verschaffen. Dies würde der Bundesregierung den Spielraum geben, die Steuern sowohl auf Arbeitseinkommen als auch für Unternehmen zu senken und damit einen wichtigen wirtschaftlichen Impuls zu setzen."

Die schwarz-rote Koalition strebt mit Wirkung zum 1. Januar 2027 eine Reform der Einkommensteuer an, mit der vor allem kleine und mittlere Einkommen entlastet werden sollen. Details sind aber ebenso offen wie die Gegenfinanzierung.

"Es gibt kaum ein Land auf der Welt, das Arbeit stärker und gleichzeitig Vermögen geringer besteuert als Deutschland", sagte Fratzscher, Präsident vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Diese Unwucht im Steuersystem richte erheblichen Schaden für die deutsche Wirtschaft an. "Denn die starke Belastung vor allem von Menschen mit mittleren Einkommen reduziert Arbeitsstunden und -anreize und führt somit zu einer geringeren wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Eine Steuerreform, die Arbeit - vor allem für Menschen mit geringen und mittleren Einkommen - entlastet und die Steuerausfälle durch eine höhere Besteuerung von Vermögen finanziert, ist ökonomisch klug und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft."

Ein Abbau des sogenannten Mittelstandsbauchs könne vor allem in der Mitte der Einkommensverteilung eine Entlastung bringen. "Die Kosten einer solchen Einkommensteuer-Reform betragen knapp 30 Milliarden Euro im Jahr. Ein späteres Greifen und eine Erhöhung des Spitzen- und Reichensteuersatzes könnte die Hälfte dieser Lücke schließen. Aber selbst ein Steuerausfall von 15 Milliarden Euro ist für die Bundesregierung nicht finanzierbar. Deshalb muss sie Subventionen kürzen oder andere Steuern erhöhen." Eine notwendige und ultimativ unausweichliche Option sei die Wiedereinführung einer Vermögensteuer, insbesondere auf alle Nettovermögen von mehr als 20 Millionen Euro.

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