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Unsicherheit hoch nach Trumps Zoll-Niederlage und neuen Zöllen 23.02.2026, 05:50 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Angesichts geopolitischer Unsicherheiten und der Zoll-Niederlage von US-Präsident Donald Trump mit prompt eingeführten neuen US-Zöllen könnte der Dax auch in der neuen Woche seine Konsolidierung und das Pendeln um die viel beachtete Marke von 25.000 Punkten fortsetzen. Die Unsicherheit bleibt insgesamt hoch. Die Ängste vor einer militärischen Auseinandersetzung zwischen den USA und dem Iran lasten weiter auf den Finanzmärkten.

Als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor kommen Trumps Zoll-Niederlage vor dem obersten US-Gerichtshof und seine neuen Zölle hinzu. In einem historischen Urteil untersagte der Supreme Court am Freitag dem US-Präsidenten, unter Berufung auf ein Notstandsgesetz aus den 1970er Jahren Zölle gegen viele Länder zu verhängen. Die aggressive Zollpolitik ist ein Kernelement von Trumps zweiter Amtszeit. Er kündigte an, andere Wege zu nutzen, um seine Zölle weiterhin durchzusetzen. Trump ließ nur wenig Zeit verstreichen, bis er einen neuen Vorstoß unternahm: Zunächst kündigte er noch am Freitag einen weltweiten Zoll auf Importe in die USA von 10 Prozent an - um ihn am Folgetag auf 15 Prozent hochzusetzen. Damit schöpft der 79-Jährige die Höchstgrenze eines Handelsgesetzes aus den 1970er Jahren, auf das er sich beruft, voll aus.

US-Finanzminister Scott Bessent sagte dem Sender Fox News, dass die Zolleinnahmen in diesem Jahr und auch in Zukunft unverändert bleiben würden.

Nach der Zoll-Schlappe ist unklar, welche Handelsabkommen bestehen bleiben und welche nicht. In welche Kategorie die Europäische Union fällt, ist noch offen. Die EU und die USA hatten sich im Sommer eigentlich auf ein Zollabkommen verständigt. Möglicherweise ist diesem Deal nun die Grundlage entzogen. Die EU-Kommission verlangt von den USA, eine vereinbarte Zollobergrenze von 15 Prozent in jedem Fall nicht zu überschreiten. EU-Produkte müssten von einer möglichst wettbewerbsfähigen Behandlung profitieren, teilte die Brüsseler Behörde mit.

Seit der Entscheidung des Supreme Courts herrscht große Unsicherheit zu den Auswirkungen. Das Urteil könnte eine Welle an Rückforderungen bereits gezahlter Zölle hervorbringen. Nach Berechnungen der University of Pennsylvania geht es für den US-Staatshaushalt um etwa 175 Milliarden US-Dollar. Wirtschaftsexperten befürchten Chaos, sollte es zu zig Tausenden Forderungen von Importeuren kommen.

Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff warnte im Interview mit dem "Handelsblatt" unterdessen vor allzu großen Erwartungen nach dem Zoll-Urteil. "Einerseits haben die Richter den Ansatz des Präsidenten, einseitig und uneingeschränkt Strafzölle zu verhängen, Grenzen gesetzt. Andererseits eröffnete das Gericht Tür und Tor für diverse andere Wege, Zölle einzuführen", sagte Rogoff. Zwar erforderten diese Wege mehr Konsultation und Verfahren, die Richter hätten es aber bewusst vermieden, auch diese Alternativen einzuschränken, erklärte der Ökonom.

"Die Aktienmärkte bewegen sich derzeit seitwärts im Bereich ihrer Allzeithochs. Aufgrund der Drohung von Militärschlägen der USA gegen den Iran dürfte sich die Konsolidierung zunächst fortsetzen, denn der steigende Ölpreis wird zunehmend zu einem Belastungsfaktor", erwarten unterdessen die Marktexperten der Commerzbank. Mittelfristig sehen sie aber weiteres Aufwärtspotential für die Aktienmärkte dank eines robusten Wachstums der Weltkonjunktur, deutlich wachsenden Unternehmensgewinnen und wahrscheinlich weiter fallenden US-Leitzinsen.

Nach Einschätzung des Analysten Andreas Lipkow vom Handelshaus CMC Markets ist die Stimmung an den Börsen zwar von der Eskalationsgefahr in Nahost eingetrübt, aber noch verhalten positiv. Marktstratege Christian Henke vom Broker IG verwies darauf, dass es in den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran augenblicklich nicht nach einem raschen Durchbruch aussieht. "Obwohl die Diplomatie noch nicht verloren hat, rüsten sowohl die USA als auch der Iran auf und bereiten sich militärisch auf eine Konfrontation vor."

Bereits in zehn Tagen könnten die Vereinigten Staaten einen Militärschlag durchführen, fürchtet Henke. "Wenngleich Washington nicht an einer längeren militärischen Operation in der Krisenregion interessiert sein dürfte, könnte der Konflikt durchaus mehrere Wochen andauern und an den Finanzmärkten ein Beben auslösen", so Henke.

Auch Edgar Walk, Chefvolkswirt bei Metzler Asset Management, sieht ein erhebliches Risiko eines geopolitischen Konflikts, wirft aber die Frage auf, ob dies überhaupt relevant für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft sei. Bereits im Juni 2025 habe es israelische und US-Angriffe auf den Iran gegeben - ohne größere Auswirkungen auf die Märkte.

Walk verwies auf eine Analyse des Internationalen Währungsfonds, wonach die Börsen in den USA und Großbritannien typischerweise nur etwa eine Woche auf geopolitische Ereignisse reagierten und nach einem Monat wieder vollständig erholt waren. "Geopolitik hat also in der Regel keine nennenswerten Auswirkungen auf die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft. Es gibt aber eine Ausnahme: Wenn geopolitische Ereignisse den Ölmarkt über einen längeren Zeitraum stören, drohen eine längere Kurskorrektur am Aktienmarkt und negative Folgen für die Weltwirtschaft", betonte der Metzler-Ökonom.

Konjunkturell dürften in dieser Woche aus Deutschland vor allem der Ifo Geschäftsklimaindex (Montag) und die Verbraucherpreise (Freitag) für Aufmerksamkeit sorgen. Am Mittwoch könnten das GfK-Geschäftsklima und Daten zum deutschen Wirtschaftswachstum das Interesse wecken. Aus den USA sollten die Zahlen zum Verbrauchervertrauen (Dienstag) im Anlegerfokus stehen.

Aus Unternehmenssicht geht die Berichtssaison weiter. Am Montag eröffnet Hella den Reigen, gefolgt von Fresenius Medical Care und MTU am Dienstag. Am Mittwoch werden die Resultate von Fresenius , Eon , Heidelberg Materials , Nordex , Auto1 und Freenet erwartet. Zudem legt am Mittwoch der KI-Highflyer Nvidia seine Zahlen vor, die am meisten Beachtung finden dürften.

Am dichtesten gepackt ist die Agenda am Donnerstag unter anderem mit den Bilanzen von Kion , Allianz , Deutsche Telekom , Scout24 , Munich Re , Hensoldt , Aixtron , Befesa , Flatexdegiro und Puma . Am Freitag folgen noch BASF und Delivery Hero mit ihren finalen Kennziffern für 2025./edh/la/he/jha/

--- Von Eduard Holetic, dpa-AFX ---

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