Bericht

Engpässe in Stromnetz bremsen Chinas grüne Energie 20.07.2026, 23:02 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Unter Chinas massivem Ausbau erneuerbarer Energien drücken einer Analyse zufolge zunehmende Engpässe im Leitungsnetz auf die Produktion von Strom aus Sonne und Wind. Zu den Übertragungsengpässen als großem Hindernis schränkten neue Regelungen auf dem Strommarkt und Anreize für die Nutzung von Kohle die Flexibilität des Systems ein, hieß es in einem Bericht des Global Energy Monitor (GEM).

«Die Folge sind zunehmende Einspeisedrosselungen: Wind- und Solarstrom, der unter den vorherrschenden Wetterbedingungen hätte erzeugt werden können, wurde stattdessen reduziert oder ganz zurückgehalten», schrieben die Experten. Durch die sogenannten Ultrahochspannungsleitungen fließe nur zu einem Fünftel Solar- und Windenergie. 42 Prozent kämen aus Kohleverstromung, hieß es.

Strom muss weite Strecken zurücklegen 

Ultrahochspannungsleitungen können große Mengen an Energie über Tausende Kilometer mit geringem Energieverlust befördern. Denn die Herausforderung für die Volksrepublik besteht darin, den Strom aus den Solar- und Windparks der dafür besonders geeigneten nördlichen und nordwestlichen Regionen in die weit entfernten Industriehochburgen und bevölkerungsreichen Metropolen an der Ost- und Südküste zu transportieren.

Weltweit ist China Spitzenreiter im Ausbau grüner Energie. Laut den GEM-Experten gingen 2025 Solarparks mit einer Gesamtkapazität von 317 Gigawatt und Windkraftanlagen im Umfang von 120 Gigawatt ans Netz. Ein Gigawatt Strom reicht je nach Land für mehrere Hunderttausend Haushalte. GEM nutzt für die Berechnung eigene Datensätze. Die Organisation speist diese mit Regierungsangaben, Berichten der Energieunternehmen sowie Medienberichten. 

China setzt Ausbau fort

Die Volksrepublik verfügt über rund 1.200 Gigawatt an Solarenergie- und 640 Gigawatt an Windenergie-Kapazität. Derzeit baut China neue Windparks mit einer Gesamtkapazität von 251 Gigawatt. Nach Berechnungen des GEM könnte diese jährlich so viel Strom produzieren, wie Deutschland 2025 aus all seinen Stromquellen erzeugte.

Noch größer ist der Zubau bei Solarenergie. Hier errechneten die Analysten, dass China derzeit Parks mit einer Gesamtleistung von 262 Gigawatt baut. Verglichen mit den im Bau befindlichen Großanlagen im Rest der Welt, seien dies 25 Prozent mehr, hieß es im Bericht.

Kohle bleibt wichtiger Rückhalt

Die Experten halten es für möglich, dass China schon in diesem Jahr sein Fünfjahresplan-Ziel erreicht, bis 2030 den Anteil von Solar- und Windenergie an der gesamten Stromkapazität auf über 50 Prozent zu steigern. 

Doch Peking setzt parallel auf klimaschädliche Kohle. «Letztendlich wird der Erfolg von Chinas Megastandorten bei erneuerbarer Energie nicht an zusätzlichen Gigawatt gemessen, sondern an der Menge an Kohle, die sie aktiv ersetzen», sagte GEM-Analystin Aiqun Yu laut Mitteilung.

Kohle bringt China billigen Strom und Rückhalt in unsicheren Zeiten. Beispielsweise hatten schlechte Windbedingungen und deshalb weniger Strom aus den Windparks im März, April, Mai und Juni die Stromerzeugung aus Kohle steigen lassen, wie das Zentrum für Forschung zu Energie und sauberer Luft (Crea) analysierte. 

Verändert sich China Kohlenutzung?

Im Juni importierte die Volksrepublik mehr Kohle. Grund war ein schweres Minenunglück im Mai in der für Kohlebergbau wichtigen Provinz Shanxi, woraufhin die Behörden Sicherheitsüberprüfungen weiterer Gruben veranlassten und in der Folge die Produktion zurückgegangen war.

Zudem nutzt China Kohle, um über bestimmte Verfahren Chemikalien oder Gas herzustellen. Damit kann das Land aus dem im Überfluss vorhandenen Rohstoff zum Beispiel Stoffe für die Produktion von Alltagsproduktion aus Plastik erzeugen, für die sonst etwa Öl benötigt wird. Denn bei Erdöl ist China auf Importe angewiesen.

In der Kohleverstromung schätzen manche Experten mittlerweile, dass China ein Plateau erreicht haben könnte. 2025 produzierte China laut Crea erstmals seit Jahrzehnten weniger Strom aus Kohle als im Vorjahr. 

Mehr Batteriespeicher

Parallel baut die Volksrepublik große Batteriespeicher rasch aus, um Strom aus grüner Energie rund um die Uhr verfügbar zu machen. China ist bereits führend im Bau von Batterien. Der Boom in Künstlicher Intelligenz wird laut einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua den Ausbau von Batteriespeichern im laufenden Fünfjahresplan bis 2030 weiter befeuern.

Im ersten Quartal kamen laut Daten der Energiespeicher-Vereinigung Chinas eigenständige Energiespeichersysteme mit einer Kapazität von 23 Gigawattstunden hinzu - ein Anstieg um 205 Prozent verglichen mit demselben Vorjahreszeitraum. 

Zum Vergleich: Deutschland nahm laut dem Bundesverband Solarwirtschaft im selben Zeitraum zwei Gigawattstunden an neuer Speicherkapazität in Betrieb. Rechnet man mit durchschnittlich 3,3 Kilowattstunden Stromverbrauch am Tag für einen Einpersonenhaushalt, würde eine Gigawattstunde Strom für rund 300.000 Haushalte reichen.

© dpa-infocom, dpa:260720-930-414001/1

Kommentare (0) ... diskutiere mit.
Werbung

Handeln Sie Aktien bei SMARTBROKER+ für 0 Euro!* Profitieren Sie von kostenloser Depotführung, Zugriff auf 29 deutsche und internationale Börsenplätze und unschlagbar günstigen Konditionen – alles in einer innovativen, brandneuen App. Jetzt zu SMARTBROKER+ wechseln und durchstarten!

*Ab 500 EUR Ordervolumen über gettex. Zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen.

k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
Schreib den ersten Kommentar!

Dis­clai­mer: Die hier an­ge­bo­te­nen Bei­trä­ge die­nen aus­schließ­lich der In­for­ma­t­ion und stel­len kei­ne Kauf- bzw. Ver­kaufs­em­pfeh­lung­en dar. Sie sind we­der ex­pli­zit noch im­pli­zit als Zu­sich­er­ung ei­ner be­stim­mt­en Kurs­ent­wick­lung der ge­nan­nt­en Fi­nanz­in­stru­men­te oder als Handl­ungs­auf­for­der­ung zu ver­steh­en. Der Er­werb von Wert­pa­pier­en birgt Ri­si­ken, die zum To­tal­ver­lust des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals füh­ren kön­nen. Die In­for­ma­tion­en er­setz­en kei­ne, auf die in­di­vi­du­el­len Be­dür­fnis­se aus­ge­rich­te­te, fach­kun­di­ge An­la­ge­be­ra­tung. Ei­ne Haf­tung oder Ga­ran­tie für die Ak­tu­ali­tät, Rich­tig­keit, An­ge­mes­sen­heit und Vol­lständ­ig­keit der zur Ver­fü­gung ge­stel­lt­en In­for­ma­tion­en so­wie für Ver­mö­gens­schä­den wird we­der aus­drück­lich noch stil­lschwei­gend über­nom­men. Die Mar­kets In­side Me­dia GmbH hat auf die ver­öf­fent­lich­ten In­hal­te kei­ner­lei Ein­fluss und vor Ver­öf­fent­lich­ung der Bei­trä­ge kei­ne Ken­nt­nis über In­halt und Ge­gen­stand die­ser. Die Ver­öf­fent­lich­ung der na­ment­lich ge­kenn­zeich­net­en Bei­trä­ge er­folgt ei­gen­ver­ant­wort­lich durch Au­tor­en wie z.B. Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­richt­en­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men. In­fol­ge­des­sen kön­nen die In­hal­te der Bei­trä­ge auch nicht von An­la­ge­in­te­res­sen der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und/oder sei­nen Mit­ar­bei­tern oder Or­ga­nen be­stim­mt sein. Die Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­rich­ten­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men ge­hör­en nicht der Re­dak­tion der Mar­kets In­side Me­dia GmbH an. Ihre Mei­nung­en spie­geln nicht not­wen­di­ger­wei­se die Mei­nung­en und Auf­fas­sung­en der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und de­ren Mit­ar­bei­ter wie­der. Aus­führ­lich­er Dis­clai­mer