Das wundersame zweite «Leben» ausrangierter Telefonzellen 16.02.2026, 04:06 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Erstes Seebad mit zur Dusche umfunktionierter Telefonzelle
© Georg Wendt/dpa / Duschen in einer ausgemusterten Telefonzelle - in Großenbrode in Schleswig-Holstein ist das möglich. (Archivbild)

Ob Bücherregale, Klamottenschränke oder Duschen: Ein Teil der bis zu 160.000 Telefonzellen, die es in den 90er Jahren in Deutschland gab, sind nach ihrer Ausmusterung nicht als Schrott verwertet, sondern umfunktioniert worden. Aus alten Telefonhäuschen wurden etwa private Gartenduschen, Gewächshäuser und Verkaufsstände für Eier, wie ein Sprecher der Deutschen Telekom berichtet. An der Ostsee steht ein Häuschen als öffentliche Dusche. «Auch in sozialen Projekten kommen die Relikte der vergangenen Zeiten zum Einsatz: Sie dienen heute dem privaten Büchertausch oder als Tauschbox in Kindergärten.»

Knapp 4.000 alte Häuschen hat die Telekom nach eigenen Angaben seit 2013 verkauft. Für die rund 300 Kilo schweren Boxen zahlten Selbstabholer 550 Euro, gelagert wurden sie in einem Zentrallager in Michendorf bei Berlin.

Kein Telefon mehr drin, aber viele Bücher

Am häufigsten dienen die ehemaligen Fernsprecher als eine Art Bücherregal. In Dresden und Umland gibt es davon allein mehr als ein Dutzend, wie aus der Webseite booksharing-dresden.com hervorgeht. In der Kölner Innenstadt gibt es ein früheres Telefonhäuschen, das zu einer «Tauschbox» gemacht wurde. Anwohner können dort ausrangierte Dinge wie Klamotten oder Haushaltswaren platzieren. Ihre Mitmenschen sollen zugreifen und die Sachen weiternutzen können. Das klappt im Großen und Ganzen gut, manchmal wird das Häuschen aber als Ablageort für Sperrmüll missbraucht.

Essen finden statt Telefonieren

Im bayerischen Coburg wurde 2023 eine «Foodsharing-Telefonzelle» eröffnet, um der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzuwirken. Ehrenamtler nehmen Essensspenden entgegen, prüfen ihre Genießbarkeit und verteilen sie an mehreren Ausgabestellen - eine davon ist das gelbe Häuschen in der Altstadt. Rund um die Uhr kann man von dort Lebensmittel mitnehmen. Es geht vor allem um Backwaren.

An der Ostsee ist eine kuriose Dusche zu finden: Auf der Seebrücke in Großenbrode (Schleswig-Holstein) wurde 2023 ein ehemaliges Telefonhäuschen aufgestellt, in dem sich Strandbesucher mit dem Salzwasser der Ostsee duschen können.

Ebenfalls an der Ostsee, und zwar im Urlaubsort Ummanz auf Rügen steht ein bunt bemaltes Telefonhäuschen, in dem Bücher deponiert und ausgeliehen werden können. Nachdem Ummanz bei dem Bundeswettbewerb «Unser Dorf hat Zukunft» ausgezeichnet worden war, stellte der dortige Brauchtumsverein vergangenes Jahr eine Anfrage an die Telekom: «Damit wir noch schöner werden, gibt es den Wunsch nach einer öffentlichen Bücherzelle.»

Ummanz hatte Glück und bekam noch eins der letzten Häuschen. Ende 2025 stellte die Telekom den Verkauf ein, die Liste an weiteren Interessenten war lang und nicht alle Kaufwünsche konnten erfüllt werden. Die restlichen Häuschen, die auch heute noch in dem stark geschrumpften Zentrallager sind, sind so demoliert, dass sie nicht mehr zum Verkauf taugen - sie sollen nun recycelt werden. Telefonzellen-Nostalgiker können im Internet zwar noch fündig werden, für die Häuschen werden aber knackige Preise aufgerufen. So fordert etwa ein Verkäufer bei kleinanzeigen.de 1.800 Euro für ein gelbes Häuschen.

© dpa-infocom, dpa:260216-930-692314/1

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