Iran-Krieg lässt Düngerpreise steigen 28.03.2026, 04:02 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Der Iran-Krieg zieht eine Gefahr für Bauern und Lebensmittelpreise rund um den Globus nach sich: Mineraliendünger hat sich auf den Weltmärkten seit Jahresbeginn um rund 30 bis 40 Prozent verteuert. Das sagt Philipp Spinne, der Geschäftsführer des Deutschen Raiffeisenverbands (DRV). Damit ist eine ähnliche Situation eingetreten wie im Februar 2022: «Die Weltmarktpreise für Stickstoffdünger nähern sich immer mehr dem Höchstniveau an, das wir zu Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine hatten», sagt Spinne. 

Je länger der Krieg dauert, desto schlechter für die Landwirtschaft

In Europa sind die Auswirkungen für die Verbraucherinnen und Verbraucher bisher nicht unmittelbar zu spüren. Denn viele Landwirte hatten ihren Dünger für dieses Frühjahr schon vor Kriegsbeginn gekauft, wie ein Sprecher des Bayerischen Bauernverbands sagt. Doch sollte der Krieg lang dauern, werden die Produktionskosten der deutschen Landwirte voraussichtlich steigen, und damit auch die Erzeugerpreise.

Vor vier Jahren trat die von manchen Fachleuten befürchtete Gefahr für die weltweite Ernährungssicherheit nicht ein. Das lag unter anderem daran, dass Russland - weltweit einer der wichtigsten Düngerproduzenten - vom Angriff auf das Nachbarland profitierte und seine Düngerausfuhren noch steigerte. Mittlerweile hat die EU schrittweise Zollerhöhungen für russischen Stickstoffdünger beschlossen.

Düngerpreis hängt an Gaspreisen

Doch warum lassen Kriege die Düngerpreise weltweit steigen? Das liegt am hohen Energiebedarf der Herstellung: «Die Gaspreise bestimmen zwischen 80 und 90 Prozent der Kosten der Ammoniak- und Stickstoffproduktion», sagt ein Sprecher des Industrieverbands Agrar. Wird Gas teurer, steigen also automatisch auch die Düngerpreise. Und düngen die Bauern weniger, sind Ernteeinbußen die Folge. 

Ohne Dünger wäre die Lebensmittelproduktion viel geringer

Und worin liegt die potenzielle Gefahr für die Lebensmittelproduktion? In einem 2008 publizierten Aufsatz berechneten der niederländische Umweltwissenschaftler Jan Willem Erisman und mehrere Kollegen, dass ein Hektar Ackerland mittlerweile doppelt so hohe Ernten produziert wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts, und 48 Prozent der Weltbevölkerung ihre Ernährung dem weltweiten Einsatz von Mineraliendünger verdanken. 

Geschätzt ein Drittel des weltweit gehandelten Harnstoffs und etwa zwanzig Prozent des Ammoniaks passieren die Straße von Hormus. Die direkten Auswirkungen auf Europa sind gering: «Europa bezieht seit Jahren kaum Düngemittel aus der Konfliktregion», heißt es beim Industrieverband Agrar.

Europa produziert Dünger selbst - ist aber dennoch betroffen

Nach wie vor können laut IVA etwa 75 Prozent des Stickstoffdüngerbedarfs in Deutschland aus heimischer Produktion gedeckt werden, bei Kalidünger sogar etwas mehr. Sehr wohl spürbar aber sind die indirekten Effekte höherer Gas- und LNG-Preise, die sich auf die europäische Chemie- und Düngemittelindustrie auswirken.

Schon der starke Anstieg der Gaspreise im Westen Europas im Zuge des Ukraine-Kriegs schwächte die hiesige Chemieindustrie. Der Industrieverband fordert daher eine Stärkung der heimischen Produktion. Unter anderem plädiert der Verband für höhere Zölle auch auf russisches Kali. 

Russland beschränkt Export 

Das sieht der Raiffeisenverband ganz ähnlich: Zölle seien das richtige Instrument, um russische Importe in die EU zu erschweren und zu reduzieren. «Gleichzeitig muss dies ein Signal sein, die eigene Resilienz zu stärken», sagt DRV-Geschäftsführer Spinne. In dieser Woche hat Russland zum Schutz der eigenen Bauern fürs Erste selbst die Düngerausfuhr beschränkt.

Derzeit sind die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Mehrheit der deutschen Landwirte überschaubar: «Rund 80 Prozent der benötigten Menge für das gesamte Frühjahr ist bereits in den Lagern der Genossenschaften, und rund 50 Prozent auch schon direkt bei den Landwirten», sagt Spinne. 

Für Bauern, die jetzt kaufen müssen, wird es teuer

«Die Herausforderung liegt derzeit weniger in der Verfügbarkeit als vielmehr in der Preisentwicklung», meint ein Sprecher des Bayerischen Bauernverbands (BBV) in München. «Für Betriebe, die sich nicht frühzeitig eingedeckt haben, führt dies zu einer spürbaren Kostenbelastung.» 

Den Bauern zusätzlich zu schaffen machen dabei eher niedrige Erzeugerpreise, vor allem für Getreide. «Steigende Betriebsmittelkosten bei gleichzeitig schwachen Erlösen verschärfen die wirtschaftliche Lage und belasten die Liquidität der Betriebe», sagt der BBV-Sprecher.

© dpa-infocom, dpa:260328-930-878211/1

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