Merz zur Hannover Messe

«Zuversicht, das ist der Geist» 19.04.2026, 19:53 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

«Wir eröffnen die Hannover Messe 2026 als Tage der Zukunft, als Tage der Zukunftszuversicht»: Mit diesem Appell hat Bundeskanzler Friedrich Merz die weltweit wichtigste Industrieschau eröffnet. Es gehe darum, nach vorn zu schauen und zu zeigen, «was wir können», sagte der CDU-Politiker. «Zuversicht, das ist der Geist, in dem wir uns einig wissen, gerade auch mit Brasilien.»

Das diesjährige Partnerland der Messe bezeichnete Merz als einen der wichtigsten Partner Deutschlands in einer sich neu ordnenden Welt. Beide Länder teilten das Interesse an einer politischen Ordnung, in der auf Verabredungen Verlass sei und globale Probleme gemeinsam gelöst werden könnten.

Regierungskonsultationen in Hannover

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva ist nicht nur zur Messe-Eröffnung nach Hannover gereist, sondern auch zu Regierungskonsultationen. Am Sonntagnachmittag wurde er vor dem Schloss Herrenhausen mit militärischen Ehren empfangen.

An den Beratungen nehmen sieben Minister aus Brasilien und acht aus Deutschland teil. Ziel ist es, die Zusammenarbeit in Bereichen wie Handel, Rohstoffe, Rüstung, Digitalisierung, Forschung und Klimaschutz auszubauen. Große Bedeutung kommt dabei dem Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten zu, das zum 1. Mai wirksam werden soll.

Lula wirbt für erneuerbare Energien

In seiner Eröffnungsrede unterstrich Lula die Bedeutung erneuerbarer Energien. «Brasilien kann der Europäischen Union dabei helfen, die Energiekosten zu senken und ihre Industrie zu dekarbonisieren», sagte er. Brasilien ist eines der Länder mit dem saubersten Energiemix der Welt. 92 Prozent des Stroms wird über erneuerbare Energien erzeugt.

«Der konsequente Weg bei den erneuerbaren Energien hat unsere Energiesicherheit gestärkt. Brasilien gehört zu den Ländern, die am wenigsten vom Wahnsinn des Krieges mit dem Iran betroffen sind. Wir leiden nicht unter dem Anstieg des Ölpreises, wie es andere Länder derzeit tun», sagte Lula. «Zu ihnen spricht der Präsident eines Landes, das sehr viel Erdöl produziert: Wir sind der Auffassung, dass es dringend notwendig ist, einen Weg zu finden, saubere Energieträger zu nutzen, wenn wir die Menschheit retten wollen.»

Merz will Nationalen Sicherheitsrat einberufen

Mit Blick auf die Energiekrise kündigte Merz an, den Nationalen Sicherheitsrat «zeitnah» einzuberufen. «Unser Ziel ist dabei klar: Die deutsche Wirtschaft und die Bürger müssen sich darauf verlassen können, dass die Versorgung mit zentralen Produkten wie etwa Diesel, Benzin, Flugbenzin gesichert bleibt», sagte er. Derzeit sei die Lage zwar angespannt, aber die Versorgung gesichert. «Für den Fall, dass sich die Lage verschärfen sollte, sind wir auf Maßnahmen vorbereitet.»

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte den Nationalen Sicherheitsrat im vergangenen Jahr gegründet, um auf Krisen und Bedrohungen aller Art schnell und effektiv reagieren zu können. Neben Mitgliedern der Bundesregierung und Sicherheitsbehörden können auch Vertreter der Länder zu seinen Sitzungen eingeladen werden.

Industrie fordert «großen Wurf, keine Flickschusterei»

Während die Bundesregierung auf Versorgungssicherheit setzt, fordert die Industrie derweil deutlich mehr Tempo bei Reformen. Gunther Kegel, Präsident des Verbands der Elektro- und Digitalindustrie ZVEI, mahnte in seiner Rede einen «großen Wurf» statt «Flickschusterei» an. Nötig seien niedrigere Steuern, ein schlankerer Sozialstaat, weniger Bürokratie und mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt.

Zugleich nahm Kegel auch die Unternehmen in die Pflicht. «Auch wir, die Unternehmen, stehen im Obligo, unsere Hausaufgaben zu machen», sagte er. Innovation bleibe Aufgabe der Wirtschaft.

Auch Bürgermeister fordert mehr Tempo

In eine ähnliche Richtung argumentierte auch Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay. Er forderte mehr Tempo bei Reformen und mehr Entschlossenheit bei der Umsetzung. «Ich begrüße Ihren Reformwillen», sagte der Grünen-Politiker an Merz gerichtet. «Gleichzeitig appelliere ich an Ihre Entschlossenheit, die Dinge umzusetzen, die jetzt erforderlich sind für unser Land.»

Geopolitische Risiken, hohe Energiepreise und unsichere Investitionsbedingungen verlangten nach einem klaren Plan, sagte Onay. Investitionen müssten schneller umgesetzt werden. «Jede verzögerte Investition ist eine vertane Chance.»

Rüstung erstmals stärker im Fokus

Mehr als 3.000 Aussteller aus den Bereichen Maschinenbau, Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft zeigen von Montag an auf dem Messegelände ihre Neuheiten. Merz und Lula wollen sich am Montag bei einem Rundgang einen Überblick verschaffen. Die Industrieverbände BDI, VDMA (Maschinen- und Anlagenbau) und ZVEI (Elektro- und Digitalindustrie) geben zum Auftakt ihre Einschätzungen zur aktuellen Lage.

Hauptthema der Hannover Messe sind der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Produktion, Automatisierung und Robotik. Erstmals mit einem eigenen Themenschwerpunkt vertreten ist der Bereich Rüstung. Rund 40 Unternehmen zeigen dort Lösungen für den schnellen Aufbau der Produktion von Rüstungsgütern.

Neben Merz haben sich auch zahlreiche weitere Bundespolitiker angekündigt, darunter Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD). 2025 kamen 127.000 Besucher zu der weltweit wichtigsten Industrieschau.

© dpa-infocom, dpa:260419-930-966642/1

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