Poker um Lagardes Nachfolge

Geht EZB-Spitze an Deutschland? 18.12.2025, 04:02 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Zuletzt hielt die Europäische Zentralbank die Leitzinsen stabil, doch ein anderes Thema rückt immer mehr in den Vordergrund: die Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde. Zwar endet die Amtszeit der Französin erst im Oktober 2027. Doch der Poker um den Spitzenposten in Frankfurt hat bereits begonnen. Kann Deutschland erstmals die EZB-Spitze besetzen?

Welche Optionen gibt es für die EZB-Spitze?

Lagarde trat ihr Amt als Nachfolgerin des Italieners Mario Draghi am 1. November 2019 an. Berufen wird der Präsident oder die Präsidentin der EZB für acht Jahre. Lagarde ist also noch bis Ende Oktober 2027 im Amt. Über ihre Nachfolge wird aber schon spekuliert. 

Gleich zwei deutsche Notenbanker haben Interesse bekundet. «Grundsätzlich dürfte jeder Notenbanker im EZB-Rat die Kompetenz zur Nachfolge für das Spitzenamt im Eurosystem haben», sagte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel dem «Spiegel». Deutlicher wurde EZB-Direktorin Schnabel im Gespräch mit dem Finanzdienst Bloomberg: «Wenn ich gefragt würde, stünde ich bereit.»

Kann sich Deutschland Hoffnung machen?

Da Frankreich mit Lagarde und ihrem Vor-Vorgänger Jean-Claude Trichet schon zwei Mal die EZB-Spitze besetzte, Europas größte Volkswirtschaft Deutschland aber noch nie, könnte ein deutscher Kandidat Chancen haben.

SPD-Mitglied Nagel darf auf Unterstützung der Bundesregierung bauen. Schnabel gilt als ausgezeichnete Ökonomin, bei ihr gibt es aber eine rechtliche Hürde: Ihr 2027 endendes Mandat darf formal nicht verlängert werden. Gegen eine deutsche Besetzung der EZB-Präsidentschaft spricht auch, dass bereits der Chefposten der EZB-Bankenaufsicht von der deutschen Ökonomin Claudia Buch bekleidet wird.

Als mögliche Lagarde-Nachfolger wurden in Medienberichten zuletzt auch der frühere niederländische Notenbankchef Klaas Knot sowie der Spanier Pablo Hernández de Cos genannt, der derzeit Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist.

Wer entscheidet über die Nachfolge von Lagarde?

Die Besetzung der Spitzenposten in der EZB ist Teil eines Brüsseler Personalpokers. Die Entscheidung liegt bei den Eurostaaten. Noch vor Lagarde wird EZB-Vize Luis de Guindos die Zentralbank verlassen: Sein Mandat läuft Ende Mai 2026 aus. EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane geht ein Jahr später.

Die Lagarde-Nachfolge dürfte daher Teil eines größeren Personalpaketes werden. Üblicherweise achten die Verhandler darauf, dass es ein Gleichgewicht von kleinen und großen, südlichen und nördlichen Euroländern gibt. Das gilt auch für das Verhältnis von Befürwortern einer harten Geldpolitik («Falken») und den Verfechtern eines eher lockeren Kurses («Tauben»). Mitte 2029 endet zudem die Amtszeit von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Auch das dürfte im Ringen um die Spitzenposten eine Rolle spielen.

Wie geht es mit den Zinsen im Euroraum weiter?

Hier ist wenig Bewegung zu erwarten. «Die Zinssenkungen der EZB sind abgeschlossen und die Geldpolitik wird keine zusätzlichen expansiven Impulse mehr setzen», prognostiziert Robin Winkler, Chefvolkswirt Deutschland bei der Deutschen Bank. In der Tat scheint die Neigung, die Leitzinsen weiter zu senken, gering. Immer wieder betont EZB-Präsidentin Lagarde, die Geldpolitik sei derzeit «gut aufgestellt».

EZB-Direktorin Schnabel sprach sich in einem Interview für wieder steigende Leitzinsen aus. Sie sei «durchaus einverstanden» mit der Erwartung der Märkte, «dass der nächste Zinsschritt eine Anhebung sein wird, wenn auch nicht in naher Zukunft.»

Wie steht es um die Wirtschaft im Euroraum?

Entgegen düsterer Prognosen hält sich die Wirtschaft im Euroraum trotz Zollstreits mit den USA robust. Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent zu, getragen von einstigen Krisenländern wie Spanien und Portugal sowie Frankreich, während Deutschland schwächelt. Ihre Prognose für das Wachstum im Euroraum hat die EZB bereits leicht auf gut ein Prozent erhöht.

Hat die EZB die Inflation im Griff?

Die nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine ausgeuferte Inflation ist eingedämmt. Im November des laufenden Jahres lag die Teuerungsrate im Euroraum nach jüngsten Eurostat-Angaben bei 2,1 Prozent. Wichtigste Aufgabe der EZB ist es, für einen stabilen Euro zu sorgen und so die Kaufkraft der Menschen zu erhalten. Das Ziel sieht die EZB bei einer Inflationsrate von mittelfristig 2,0 Prozent erreicht.

Was heißt das alles für Sparer?

Die Tages- und Festgeldzinsen sind vergleichsweise niedrig. In der Regel können Anleger nicht die Inflation ausgleichen, die in Deutschland im November bei 2,3 Prozent lag. Ersparnisse verlieren daher an Wert.

Was sind die Folgen für Hausbauer und Immobilienkäufer?

Die Kreditzinsen hängen nicht direkt von den EZB-Leitzinsen ab, sondern orientieren sich an der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen. Da Investoren mit den Milliardenausgaben für Infrastruktur und Verteidigung eine steigende Staatsverschuldung in Deutschland erwarten, haben die Renditen dieser Papiere angezogen. In der Folge herrscht bei den Bauzinsen Aufwärtsdruck.

© dpa-infocom, dpa:251218-930-438593/1

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