Schnieder

Unerwartete Brückensperrungen wieder möglich 18.07.2026, 01:32 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hält weitere unerwartete Sperrungen wegen maroder Brücken in Deutschland für möglich. Der CDU-Politiker sagte der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf eine Bonner Brücke: «Die Brücke, die wir jetzt abreißen müssen, dieses Teilbauwerk, hat sich innerhalb weniger Wochen dramatisch verschlechtert. Das kann uns immer wieder passieren. Deshalb werden diese Brückenbauwerke auch eng kontrolliert und entsprechende Maßnahmen ergriffen.»

Immer wieder sorgt die Sperrung maroder Brücken für Aufsehen. Anfang Juni war die vielbefahrene Autobahnbrücke über den Rhein in Bonn wegen neu entdeckter Schäden bis auf weiteres für den Verkehr gesperrt worden. Unter anderem waren Risse im Beton und Korrosionsschäden im Betonstahl festgestellt worden. Die Bonner Nordbrücke ist Teil der Autobahn 565 und die wichtigste Ost-West-Verbindung für die Region. Inzwischen wurde angekündigt, dass die Brücke abgerissen wird. Konkret geht es dabei um die Vorlandbrücke, die auf der linken Rheinseite auf die Nordbrücke zuführt. Geplant ist ein Neubau.

Engmaschigere Kontrolle 

«Wir schauen seit geraumer Zeit sehr viel engmaschiger auf die Brücken, sonst hätte man das vielleicht gar nicht so schnell erkannt», sagte der Minister. «Die Brücken stehen im Fokus meines Ministeriums und auch der Autobahn GmbH, weil sie für uns so wichtig sind und weil der Ausfall einer Brücke dramatische Folgen für die betroffenen Regionen hat.»

Das zeigte sich auch im vergangenen Jahr im Berliner Westen, als dort kurzfristig die sogenannte Ringbahnbrücke wegen sich ausbreitender Risse im Tragwerk von heute auf morgen gesperrt wurde. Die Brücke war Teil des Autobahndreiecks Funkturm, einem der meistbefahrenen Verkehrsknoten der Republik. Die kurzfristige Sperrung sorgte für ein mehrwöchiges Verkehrschaos im angrenzenden Bezirk. Auch die Ringbahnbrücke wurde abgerissen und wird derzeit neu gebaut. Schon 2027 soll das neue Bauwerk fertig sein.

Viele Brücken zu sanieren

Langfristig müssten etwa 8.000 Brücken saniert oder neu gebaut werden, sagte Schnieder. Bis 2032 seien etwa 4.000 Brücken oder Brückenteilbauwerke im Kernnetz der Autobahnen zu sanieren. «Bei der Aufgabe sind wir gut dabei. Es heißt zwar, wir müssten daher eigentlich 400 Brücken pro Jahr anpacken», sagte der Minister. Entscheidend sei aber die zu sanierende Brückenfläche. «Und da haben wir umgerechnet bei diesen 4.000 Brücken etwa 450 Fußballfelder zu sanieren. Und davon haben wir bis Ende Juni 2026 knapp 190 geschafft. Also liegen wir ganz gut im Kurs, weil wir am Anfang die großen und wichtigen Brücken machen. Und jetzt kommen zusätzliche Brücken dazu, die nicht vorhersehbar waren. Dazu gehört die Bonner Nordbrücke, deren Lebensdauer bis Mitte der 30er Jahre prognostiziert war.»

Der Bundesrat hatte in seiner Sitzung am 10. Juli in einer Entschließung Konsequenzen aus dem Fall der Bonner Brücke gefordert. Der Bundesrat zeigte sich besorgt, dass Sperrungen von Brückenbauwerken in zunehmend kurzen Zeitabständen erfolgen. Das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität solle verstärkt für zusätzliche Maßnahmen zum Erhalt und Ersatz von Infrastruktur eingesetzt werden. Aus dem schuldenfinanzierten Sondervermögen wird auch der Erhalt von Brücken finanziert. Für 2027 sind dafür laut Haushaltsentwurf der Bundesregierung rund 2,8 Milliarden Euro vorgesehen.

© dpa-infocom, dpa:260718-930-402768/1

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