Wie sicher ist Deutschlands Gold in den USA? 23.01.2026, 10:29 Uhr von dpa Jetzt kommentieren: 0

Wie sicher sind Deutschlands Goldreserven in den USA? «Holt unser Gold heim!» - eine alte Forderung bekommt angesichts der unberechenbaren Machtpolitik von US-Präsident Donald Trump neue Aktualität. Sollte man die Barren sicherheitshalber in heimische Tresore schaffen? 

Wie groß ist der Goldschatz der Bundesbank? 

Der von der Bundesbank für den deutschen Staat verwaltete Goldschatz ist der zweitgrößte der Welt nach den Beständen der USA. Rund 3.352 Tonnen waren es Ende 2024, damaliger Wert: mehr 270 Milliarden Euro. Seither ist der Goldpreis deutlich gestiegen. 

Mehr als die Hälfte (1.710 Tonnen) des Edelmetalls lagert nach Angaben der Bundesbank in eigenen Tresoren in Frankfurt. 1.236 Tonnen und damit knapp 37 Prozent der deutschen Goldbestände werden bei der US-Notenbank Fed in New York aufbewahrt. Die restlichen 405 Tonnen verwahrt die Bank of England in London. 

Die 267.682 Goldbarren, die die Bundesbank in ihrer jüngsten Inventarliste Ende 2024 verzeichnet, verteilen sich den Angaben zufolge wie folgt auf die Lagerstätten: 136.637 Frankfurt, 98.613 New York, 32.432 London. 

Warum lagert ein Teil des Goldes außerhalb Deutschlands? 

Das hat historische Gründe: Ab Mitte 1951 baute die Bank deutscher Länder als Vorgängerin der Bundesbank erste Goldreserven auf. Das Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg ließ den deutschen Goldschatz rasant wachsen. Denn der florierende Export brachte der Bundesrepublik viele Dollar ein, die bei der US-Zentralbank gegen Goldforderungen eingetauscht wurden. 

Während des Kalten Krieges war es gewollt, deutsches Gold «westlich des Rheins» und möglichst weit außerhalb der Landesgrenzen zu verwahren: als möglichen Puffer für Währungskrisen. Das Gold wurde aber nie aus Deutschland in die USA gebracht, von einer «Rückholaktion» zu sprechen ist sachlich falsch. 

Hätte die Bundesbank Lagerkapazitäten für ihr Gold aus den USA? 

«Die Lagerkapazitäten in den Tresoren der Bundesbank würden für die 1.236 Tonnen aus den USA grundsätzlich ausreichen», erklärt die Bundesbank. «Auch 100 Prozent aller Goldreserven könnten in den Tresoren der Bundesbank untergebracht werden.» Entscheidend für die Notenbank seien vor allem Sicherheit und Handelbarkeit. Anhand dieser Kriterien bewerte die Bundesbank regelmäßig, wo sie ihr Gold lagere. «Die New York Fed ist und bleibt in diesem Rahmen eine wichtige Lagerstelle für unser Gold. Wir haben keinen Zweifel daran, dass wir mit der Fed New York einen vertrauenswürdigen, verlässlichen Partner bei der Aufbewahrung unserer Goldbestände haben.» 

Was sagt die Bundesbank zu Sicherheitsbedenken? 

Schon während Trumps erster Amtszeit betonte die Bundesbank, sie sehe keine Notwendigkeit, weitere Goldbarren aus ihren US-Beständen nach Deutschland zu holen. Die Bundesbank arbeite vertrauensvoll mit der Fed zusammen. 

Im Oktober 2025 bekräftigte Bundesbank-Präsident Joachim Nagel, es gebe keinen Grund zur Sorge um die bei der Fed in New York gelagerten Reserven. Die Bundesbank führe regelmäßig Inspektionen durch und nehme Stichproben. «Es ist vorhanden, es ist echt und es ist in vollständiger Übereinstimmung mit dem, was wir in unseren Büchern haben», sagte Nagel. 

Es sei auch eine Frage der Risikostreuung, deutsches Gold an unterschiedlichen Standorten zu lagern. Im Fall einer Krise könnte das in New York und London lagernde deutsche Gold in Dollar oder Pfund umgetauscht werden. 

Warum wurde dennoch Gold aus den USA nach Deutschland geholt? 

Jahrelang kursierten Verschwörungstheorien: «Wo ist das Gold der Deutschen?». Um die Zweifler zu beruhigen, holte die Bundesbank in den Jahren 2013 bis 2017 Hunderte Barren aus Tresoren der Fed in New York (300 Tonnen) sowie der Banque de France in Paris (374 Tonnen) nach Deutschland. Paris als Lagerstätte gab die Bundesbank ganz auf. 

Vor laufenden Kameras präsentierte die Bundesbank im August 2017 in ihrer Zentrale Goldbarren zum Anfassen. Die wichtigste Botschaft der Notenbank: Die deutschen Goldreserven sind echt und sie sind tatsächlich vorhanden. 

Und die Bundesbank setzt auf noch mehr Transparenz: Auf fast 2.400 Seiten listet sie seit Ende 2015 öffentlich einsehbar jeden einzelnen Barren auf. Um letzte Skeptiker zu überzeugen, gibt es Gold zum Anfassen: In ihrem Geldmuseum in Frankfurt ist ein Goldbarren eine der Hauptattraktionen.

© dpa-infocom, dpa:260123-930-585955/1

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