Die wichtigste Eigenschaft von erfolgreichen Investoren 18.01.2023, 13:00 Uhr von Aktienwelt360

Worauf kommt es eigentlich an beim Investieren? Nun, zuallererst auf drei Dinge: Eine geschickte Aktienauswahl, eine Mentalität, um langfristig dabeizubleiben, und die Fähigkeit, Gewinne mitzunehmen, wenn die Party am schönsten ist. Aber das ist natürlich noch nicht alles. Denn aus diesen drei Dingen ergeben sich sofort weitere Fragen. Wie gelingt zum Beispiel eine geschickte Aktienauswahl?

Ingenieure wissen es besser

Man könnte auf die Idee kommen, es sei am wichtigsten, ganz tiefe Kenntnisse über seine Unternehmen zu haben. Dass man also zum Beispiel Ingenieur sein sollte, um Maschinenbauaktien zu kaufen, oder Programmierer, bevor man in Softwareaktien investiert. Es klingt zunächst logisch. Solche Spezialisten verfügen über Kenntnisse, die für Außenstehende kaum zugänglich sind. Sie wissen viel besser als meist im Büro arbeitende Investmentanalysten, wie der Hase innerhalb der Unternehmen oder der Branche läuft.

Aber ist das wirklich ein so großer Vorteil? Wenn es so wäre, dann müsste es überdurchschnittlich viele Fachleute geben, die mit Aktien sehr reich geworden sind. Tatsache ist jedoch, dass sie in der Regel eher eine Froschperspektive auf die Dinge einnehmen. Sie haben Kontakt zu einigen Mitarbeitern aus anderen Abteilungen und bekommen von Branchenkollegen hier und da interessante Dinge mit. Aber einen Gesamtüberblick haben sie in der Regel nicht. Wer unten in der Fabrik oder im Entwicklungslabor arbeitet, weiß nicht, was die Chefetage an strategischen Initiativen ausheckt oder was Vertrieb und Marketing treiben.

Ich denke dabei zum Beispiel an Siemens Gamesa. Der Windturbinenhersteller verfügt über ein gigantisches Orderbuch, das immer noch mehr anschwillt. Viele Insider dürften davon begeistert gewesen sein – bis sie erfahren mussten, dass der Vertrieb viele unrentable Aufträge hereingenommen hatte und das Risikomanagement mangelhaft war. Das Ergebnis ist an folgendem Chart ablesbar:

Der Chart spiegelt Euphorie und Ernüchterung bei Siemens Gamesa wider. Er wurde bereitgestellt von aktien.guide

Ingenieure sind also eher nicht die geborenen Investoren – wenngleich es bestimmt auch unter ihnen hervorragende Talente gibt.

Ökonomen kalkulieren exakter

Aber was ist mit Ökonomen? Wer Zahlenkolonnen zu seiner Leibspeise erklärt, der muss doch in der Lage sein, Unternehmen exakt zu bewerten, oder nicht? Das ist tatsächlich eine weit verbreitete Ansicht. Die Wahrheit ist jedoch, dass niemand ein Unternehmen exakt bewerten kann. Dafür ist die Anzahl von Variablen viel zu groß. Jeden Tag verändert sich das Wettbewerbs-, Finanzierungs- und Regulierungsumfeld.

Gute Mitarbeiter verlassen vielleicht das Unternehmen und andere machen kostspielige Fehler. Geldgeber werden plötzlich restriktiver, Manager verspielen Vertrauen. All das kann von einem Tag auf den anderen passieren und gewaltige Auswirkungen auf die Bewertung und den Aktienkurs haben.

Die Stärke von Ökonomen ist die Auswertung von vergangenheitsorientierten Daten. Über die Zukunft sagen diese jedoch in den meisten Fällen nicht sonderlich viel aus. In der aktuellen Inflationsdiskussion gibt es von Ökonomen so viele Ansichten wie Szenarien. Alles kann passieren, niemand weiß es genau. Das heißt also, dass auch die Vogelsicht der Ökonomen kein Erfolgsrezept für erfolgreiches Investieren ist.

Was aber verspricht dann am ehesten Erfolg?

Entscheidend ist die Assoziationsmaschine

Nun, aus meiner Sicht kommt es darauf an, möglichst viele Perspektiven und Blickwinkel auf ein Unternehmen und sein Umfeld einzunehmen. So gut es eben geht, zunächst ein bisschen die Vogelperspektive des Ökonomen einnehmen, dann sich über passende Informationsquellen an die Froschperspektive des Ingenieurs, Vertrieblers oder Produktionsmitarbeiters herantasten – und zuletzt das Ganze von der Seite durchleuchten. Dabei geht es darum, Muster zu erkennen, die man bei bekannten Beispielen bereits beobachten konnte.

Je mehr Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen man sich anschaut, desto häufiger erkennt man Parallelen. Man versteht immer besser, was eine starke Plattform ausmacht, wo echte Wettbewerbsvorteile bestehen und welche Unternehmen Innovation wirklich leben (und welche nur so tun). Man lernt, hinter die Kulissen des Marketing-Sprech zu blicken, Dinge zu hinterfragen und versteckte Werttreiber zu entdecken – einfach, weil man Assoziationen zu früheren Beispielen hat und weiß, wie es damals ausging.

Von daher denke ich, dass man sich von hochgebildeten Experten, egal ob Ingenieur oder Ökonom, nicht beeindrucken lassen sollte, wenn es um die Geldanlage geht. Wir müssen ihnen nicht nacheifern und komplizierte Bücher wälzen, um an der Börse erfolgreich zu sein. Es genügt eine gesunde Neugier mit vielfältigen Interessen, um mehr und mehr die richtigen Muster zu erkennen. Die künstliche Intelligenz mag schon weit gekommen sein. Aber für die Aufgabe, geniale Investitionsideen zu generieren und Täuschungen zu identifizieren, ist die Assoziationsmaschine menschliches Gehirn noch immer weit überlegen – wenn man sie richtig einsetzt.

Der Artikel Die wichtigste Eigenschaft von erfolgreichen Investoren ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.

Der Bärenmarkt-Überlebensguide: Wie du mit einer Marktkorrektur umgehst!

Ein erneutes Aufflammen von Corona in China, Krieg innerhalb Europas und eine schwächelnde Industrie in Deutschland in Zeiten hoher Inflation und steigender Zinsen. Das sind ziemlich viele Risiken, die deinem Depot nicht guttun.

Hier sind vier Schritte, die man unserer Meinung nach immer vor Augen haben sollte, wenn der Aktienmarkt einen Rücksetzer erlebt.

Klick hier, um diesen Bericht jetzt gratis herunterzuladen.

Ralf Anders besitzt keine der genannten Aktien. Aktienwelt360 empfiehlt keine der erwähnten Aktien.

Aktienwelt360 2023

Autor: Ralf Anders, Investmentanalyst


Jetzt den vollständigen Artikel lesen

Werbung

Handeln Sie Aktien bei SMARTBROKER+ für 0 Euro!* Profitieren Sie von kostenloser Depotführung, Zugriff auf 29 deutsche und internationale Börsenplätze und unschlagbar günstigen Konditionen – alles in einer innovativen, brandneuen App. Jetzt zu SMARTBROKER+ wechseln und durchstarten!

*Ab 500 EUR Ordervolumen über gettex. Zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen.

k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
k.A. k.A. k.A. k.A.
Weitere News

Gestern 19:27 Uhr • Artikel • dpa-AFX

Gestern 18:04 Uhr • Artikel • dpa-AFX

Gestern 18:02 Uhr • Artikel • dpa-AFX

Gestern 18:01 Uhr • Artikel • dpa-AFX

Gestern 17:38 Uhr • Artikel • dpa-AFX

Dis­clai­mer: Die hier an­ge­bo­te­nen Bei­trä­ge die­nen aus­schließ­lich der In­for­ma­t­ion und stel­len kei­ne Kauf- bzw. Ver­kaufs­em­pfeh­lung­en dar. Sie sind we­der ex­pli­zit noch im­pli­zit als Zu­sich­er­ung ei­ner be­stim­mt­en Kurs­ent­wick­lung der ge­nan­nt­en Fi­nanz­in­stru­men­te oder als Handl­ungs­auf­for­der­ung zu ver­steh­en. Der Er­werb von Wert­pa­pier­en birgt Ri­si­ken, die zum To­tal­ver­lust des ein­ge­setz­ten Ka­pi­tals füh­ren kön­nen. Die In­for­ma­tion­en er­setz­en kei­ne, auf die in­di­vi­du­el­len Be­dür­fnis­se aus­ge­rich­te­te, fach­kun­di­ge An­la­ge­be­ra­tung. Ei­ne Haf­tung oder Ga­ran­tie für die Ak­tu­ali­tät, Rich­tig­keit, An­ge­mes­sen­heit und Vol­lständ­ig­keit der zur Ver­fü­gung ge­stel­lt­en In­for­ma­tion­en so­wie für Ver­mö­gens­schä­den wird we­der aus­drück­lich noch stil­lschwei­gend über­nom­men. Die Mar­kets In­side Me­dia GmbH hat auf die ver­öf­fent­lich­ten In­hal­te kei­ner­lei Ein­fluss und vor Ver­öf­fent­lich­ung der Bei­trä­ge kei­ne Ken­nt­nis über In­halt und Ge­gen­stand die­ser. Die Ver­öf­fent­lich­ung der na­ment­lich ge­kenn­zeich­net­en Bei­trä­ge er­folgt ei­gen­ver­ant­wort­lich durch Au­tor­en wie z.B. Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­richt­en­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men. In­fol­ge­des­sen kön­nen die In­hal­te der Bei­trä­ge auch nicht von An­la­ge­in­te­res­sen der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und/oder sei­nen Mit­ar­bei­tern oder Or­ga­nen be­stim­mt sein. Die Gast­kom­men­ta­tor­en, Nach­rich­ten­ag­en­tur­en, Un­ter­neh­men ge­hör­en nicht der Re­dak­tion der Mar­kets In­side Me­dia GmbH an. Ihre Mei­nung­en spie­geln nicht not­wen­di­ger­wei­se die Mei­nung­en und Auf­fas­sung­en der Mar­kets In­side Me­dia GmbH und de­ren Mit­ar­bei­ter wie­der. Aus­führ­lich­er Dis­clai­mer