Ist Marvel Technologies die nächste Nvidia? 15.06.2026, 06:30 Uhr von Aktienwelt360

Die KI-Revolution hat bereits mehrere Börsenstars hervorgebracht. Doch während die meisten Anleger auf die bekannten Namen schauen, richtet Nvidia-Chef Jensen Huang den Blick auf einen weniger offensichtlichen Gewinner: Marvell Technology (WKN: A0M9WL). 

Auf der Computex-Messe überraschte Huang die Branche mit einer bemerkenswerten Aussage. Marvell sei die nächste Billionen-Dollar-Firma. Gemessen an der heutigen Kapitalisierung entspräche das selbst nach einer bisher erreichten Verzehnfachung noch Potenzial für eine Vervierfachung. Die Euphorie hat Gründe und lässt sich mit dem Geschäftsmodell selbst erklären.

Marvell Technology: Der unsichtbare Architekt der KI-Infrastruktur

Während Nvidia (WKN: 918422) die Hochleistungs-GPUs liefert, baut Marvell die Verkehrswege, auf denen die Daten reisen. Das Unternehmen entwickelt sogenannte Netzwerkchips, optische Verbindungen, Datenzentrumstechnologien sowie Custom-Chips, die speziell für große Cloud-Anbieter entworfen werden. 

Genau dieser Markt wächst derzeit rasant. Marvell erwartet, dass allein das Geschäft mit kundenspezifischen KI-Chips bis 2029 einen Umsatz von mehr als 11 Mrd. US-Dollar erzielen könnte. Zuletz waren es etwas über 8 Mrd. US-Dollar.

Der eigentliche Burggraben liegt jedoch tiefer. Moderne KI-Rechenzentren bestehen nämlich nicht nur aus leistungsstarken Prozessoren. Sie benötigen auch ultraschnelle Verbindungen zwischen Tausenden Chips. 

In diesem Bereich zählt Marvell zu den technologischen Marktführern. Die Produkte des Unternehmens sind fest in die Infrastruktur der größten Cloud-Konzerne integriert. Wer einmal ein solches Netzwerk aufgebaut hat, kann nicht einfach den Anbieter wechseln. Genau diese Wechselkosten schaffen langfristige Wettbewerbsvorteile.

Hinzu kommt ein weiterer Faktor: Immer mehr Hyperscaler wie Amazon (WKN: 906866), Microsoft (WKN: 870747) oder Alphabet (WKN: A14Y6F) entwickeln eigene KI-Chips. Marvell hat sich als einer der wichtigsten Partner für diese kundenspezifischen Lösungen positioniert. Es profitiert somit von einem Trend, der unabhängig vom Erfolg einzelner GPU-Generationen ist.

Auch Nvidia selbst scheint großes Vertrauen in Marvell zu haben. So investierte der KI-Gigant Anfang des Jahres rund zwei Mrd. US-Dollar in Marvell und vertiefte die Zusammenarbeit im Bereich KI-Netzwerke und Siliziumtechnologien.

Mehr als nur ein KI-Hype?

Natürlich ist der Weg zur Billionen-Dollar-Bewertung noch weit. Marvell wird derzeit mit rund einem Viertel dieser Summe bewertet. Dennoch erkennen Investoren zunehmend, dass KI nicht nur Rechenleistung benötigt, sondern vor allem eine effiziente Datenbewegung. Genau hier sitzt Marvell an einer strategisch entscheidenden Stelle der Wertschöpfungskette. 

Huangs Aussage wirkt deshalb weniger wie eine spontane Lobeshymne und mehr wie ein Blick auf die Architektur der kommenden KI-Generation. Nvidia baut die Motoren. Marvell baut die Autobahnen. Und manchmal verdienen die Betreiber der Infrastruktur langfristig sogar mehr als die Hersteller der Fahrzeuge.

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