SpaceX-Aktie völlig überteuert? Das treibt den Wert der Rekord-Aktie wirklich! 20.06.2026, 06:48 Uhr von Aktienwelt360

Stell dir vor, eine einzige Aktie schlägt am ersten Handelstag drei Weltkonzerne gleichzeitig. Genau das ist am 12. Juni 2026 geschehen, als SpaceX (WKN: A42D4F) mit einem Marktwert von rund 1,77 Billionen US-Dollar an die Börse ging und innerhalb von zwei Handelstagen um über 40 % auf 192,82 US-Dollar stieg.

Damit wurden über 4.400 neue Millionäre geschaffen und Elon Musk zum ersten Billionär der Welt gekrönt. Selbst Tesla (WKN: A1CX3T), Musks anderes Vorzeigeunternehmen, wirkte neben diesem Bewertungsfeuerwerk auf einmal fast bescheiden.

Doch unter dem Glanz der Schlagzeilen lauert eine unbequeme Frage: Verdient SpaceX diesen Preis oder wird hier eine Elon-Musk-Prämie gezahlt?

Raketentreibstoff für die Bewertung: Starlink, KI und ein 60-Milliarden-Einkauf

Wer hinter dem Hype nach Substanz sucht, landet schnell bei Starlink. Das Satelliten-Breitbandnetz erzielte im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 11,4 Mrd. US-Dollar und verdoppelte seinen operativen Gewinn auf rund 4,4 Mrd. US-Dollar.

Die Zahl der Nutzer wuchs binnen eines Jahres von fünf auf gut zehn Millionen. Morgan Stanley traut dem Geschäft bis 2030 einen Umsatz von rund 50 Mrd. US-Dollar zu. Hinzu kommt ein gewagter Expansionskurs: Nur vier Tage nach dem Börsengang übernahm SpaceX den KI-Coding-Spezialisten Anysphere für rund 60 Mrd. US-Dollar in Form einer reinen Aktientransaktion.

Auch operativ untermauert das Unternehmen seine Sonderstellung – etwa als weltweiter Marktführer bei kommerziellen Satellitenstarts – und plant ab 2028 orbitale Rechenzentren. Dafür wurden bereits FCC-Genehmigungen für bis zu einer Million Satelliten beantragt.

Skeptiker rechnen dagegen nüchterner: Bei einem Kurs-Umsatz-Verhältnis jenseits des 100-Fachen vergleicht der Investor Michael Burry den Hype mit der Dotcom-Blase und das Analysehaus Morningstar taxiert den fairen Wert auf nur rund 780 Mrd. US-Dollar, was weniger als die Hälfte der Börsenbewertung entspricht.

Auch die Doppelklassen-Aktienstruktur sorgt für Verunsicherung, da Kleinanleger kaum Einfluss auf strategische Entscheidungen nehmen können. Das ist von anderen inhabergeführten Tech-Unternehmen bekannt und muss nicht unbedingt schlecht sein, kann bei Problemen aber weniger lösungsorientiert verlaufen.

Auch operativ gibt es Kritik. So besitzt das Unternehmen zwar Burggräben, doch diese sind nicht sehr tief. Als First Mover beansprucht man zwar eine Monopolsituation. Doch die Konkurrenz dürfte schnell nachziehen.

Außerdem ist das Geschäft kapitalintensiv und das Raketengeschäft ist zudem stark von einzelnen Auftraggebern abhängig. Es geht also eher um die Vision, die Elon Musk perfekt vermarktet. Und da wir gerade beim Thema sind: Im Bereich KI ist SpaceX als Einäugiger unter Blinden unterwegs. Das Wachstum kann bei weitem nicht mit dem von OpenAI oder Antropic mithalten.

Fazit: Zukunftsvision mit Risikoaufschlag

SpaceX ist längst kein gewöhnliches Raumfahrtunternehmen mehr, sondern ein Mischkonzern, der sich mit Satelliteninternet, Künstlicher Intelligenz und Weltraum-Infrastruktur befasst. Diese Vielseitigkeit erklärt einen Teil der Euphorie, rechtfertigt aber nicht automatisch jeden Kursaufschlag.

Wer die Aktie kauft, setzt weniger auf eine günstige Bewertung als auf die Wette, dass Starship liefert und Starlink weiter wächst. Spannend bleibt es auf jeden Fall, denn die im Dezember 2026 auslaufende Sperrfrist für Altaktionäre dürfte die erste echte Belastungsprobe werden. Die Aktie dürfte aber nichts für Anleger mit schwachen Nerven sein.

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