Kalshi wird mit 40 Milliarden Dollar bewertet, Prospect Prediction Markets mit 22 Millionen kanadischen Dollar. Jetzt ist das Unternehmen Mitglied einer CFTC-regulierten US-Börse und baut sein Handelsgeschäft auf.
-- Anzeige -- Interessenkonflikte und Disclaimer am Ende beachten -- Advertorial/Werbung: Prospect Prediction Markets Inc. (WKN: A424D8 ISIN: CA74358V1040).
In einer Woche hat sich dieser Markt verändert – und kaum jemand in Deutschland hat es bemerkt
Der Termin, an dem der Kapitalmarkt eine neue Anlageklasse ernst zu nehmen begann, war der 19. August 2026. An diesem Mittwoch empfing US-Präsident Donald Trump im Eisenhower Executive Office Building neben dem Westflügel die Spitzen der Krypto- und der Prognosemarkt-Branche. Mit am Tisch: der Vorsitzende der US-Terminmarktaufsicht CFTC, dazu Finanzminister Scott Bessent und Handelsminister Howard Lutnick.
Am Tag darauf, dem 20. August, trat in Washington erstmals der neu geschaffene Innovation Advisory Committee der CFTC zusammen – ein Gremium mit über 30 Mitgliedern, darunter die Chefs von Coinbase, Robinhood, Kalshi und Polymarket sowie Führungskräfte von CME, Nasdaq und der NYSE-Mutter Intercontinental Exchange. Auf der Tagesordnung standen drei Themen: Kryptoregulierung, künstliche Intelligenz – und Prognosemärkte. Nach Berichterstattung des US-Senders CNBC entzündeten sich die intensivsten Diskussionen des Tages an genau diesem dritten Punkt. Der CFTC-Vorsitzende Michael Selig skizzierte dort eine dreiteilige Roadmap für die Regulierung von Ereigniskontrakten.
Und mitten in diese Woche fiel eine Nachricht, die für den Sektor womöglich noch mehr Gewicht hat als der Termin im Weißen Haus. Am 19. August kündigte Cantor Fitzgerald an, rund 3.000 institutionellen Kunden den Zugang zu Blockgeschäften in Ereigniskontrakten zu eröffnen. Das 1945 gegründete Haus wäre damit eine der ersten Vollbank-Adressen der Wall Street, die institutionellen Investoren diesen Zugang an einer CFTC-regulierten Börse verschafft. Die Liquidität für diese Geschäfte stellt Susquehanna International Group, einer der bekanntesten Market Maker der Branche.
Die Meldung, die den Sektor verändert hat: Cantor Fitzgerald vermittelt institutionelle Blockgeschäfte in Ereigniskontrakten, Susquehanna stellt Kurse und Liquidität. Quelle: cantor.com
Der zuständige Co-CEO und globale Aktienchef von Cantor, Pascal Bandelier, begründete den Schritt in der Mitteilung sinngemäß so: Prognosemärkte wüchsen rasant, die institutionelle Beteiligung habe damit aber nicht Schritt gehalten – weil den Investoren schlicht die Möglichkeit gefehlt habe, an einer regulierten Börse in großem Stil zu handeln. Inzwischen sei die Liquidität da. Die vollständige Mitteilung findet sich bei Cantor Fitzgerald.
Halten wir kurz fest, was hier passiert ist. Innerhalb von 48 Stunden hat die US-Politik den Prognosemärkten einen offiziellen Rahmen gegeben, die Aufsicht hat sie zum Schwerpunktthema ihres neuen Innovationsgremiums gemacht – und die erste große Investmentbank hat begonnen, institutionelles Kapital in diesen Markt zu leiten. Was 2024 noch nach einer Kuriosität für Politikwetten aussah, wird gerade zu einem Handelsplatz, der institutionelle Infrastruktur bekommt.
Und genau in dieser Phase meldet sich ein kanadischer Micro Cap zu Wort, dessen Börsenwert bei rund 22 Millionen kanadischen Dollar liegt.
Die Nachricht: Zugang zur regulierten Börse von Crypto.com
Die Rede ist von Prospect Prediction Markets Inc. (WKN: A424D8 ISIN: CA74358V1040), notiert an der TSX Venture Exchange unter dem Kürzel MKT, in den USA über die OTCQB unter MKTSF und in Deutschland an der Börse Frankfurt unter DEP.
-- Anzeige -- Interessenkonflikte und Disclaimer am Ende beachten -- Advertorial/Werbung im Namen von Prospect Prediction Markets Inc. (WKN: A424D8 ISIN: CA74358V1040)
Prospect Markets ist Mitglied der Crypto.com Derivatives North America (CDNA) geworden – einer bei der CFTC regulierten US-Börse. Mitglied ist konkret die indirekte, hundertprozentige Tochtergesellschaft Prospect Trading USA LLC. Sie erhält damit direkten Zugang zur Börse von CDNA.
CEO Johnny Chen ordnet den Schritt in der soeben veröffentlichten Unternehmensmitteilung sinngemäß so ein: Man sei stolz, Mitglied bei CDNA zu werden – einer der etabliertesten CFTC-regulierten Börsen der USA und einem Pionier für Ereigniskontrakte. Eine Mitgliedschaft an einer Börse dieses Formats sei ein wichtiger Meilenstein für Prospect. Sie unterstütze den Aufbau der Institutional-Trading-Sparte und vertiefe die Rolle des Unternehmens im US-Ökosystem für Prognosemärkte, das weiter rasant wachse.
We are proud to become a member of CDNA, one of the most established CFTC-regulated exchanges in the United States and a pioneer in event-contract markets
Das Unternehmen selbst ordnet die Mitgliedschaft als weiteren Schritt seines Eintritts in den US-Prognosemarkt ein, der die übrigen US-Initiativen ergänzt.
Warum das mehr ist als eine Formalie: Eine Börsenmitgliedschaft ist kein Kundenverhältnis. Sie bedeutet, direkt auf der Infrastruktur zu agieren, auf der dieser Markt läuft – und nicht über einen Dritten. Für ein Unternehmen dieser Größenordnung ist der Zugang zu einer CFTC-regulierten Börse in aller Regel die schwierigste Hürde überhaupt. Sie ist jetzt genommen.
Wer die Cantor-Meldung von vergangener Woche gelesen hat, erkennt hier eine Marktstruktur wieder. Institutionelles Geschäft in Ereigniskontrakten entsteht dort, wo eine Adresse den Zugang vermittelt und ein spezialisiertes Haus Kurse und Liquidität stellt – bei Cantor übernimmt Susquehanna diesen zweiten Part. Die Lehre daraus ist allgemeiner Natur: Der Wert in diesem Markt entsteht nicht allein an der Nutzeroberfläche, sondern eine Ebene tiefer, in der Handelsinfrastruktur. Genau auf dieser Ebene ist Prospect Trading seit dieser Woche vertreten.
Warum Liquidität in diesem Markt die eigentliche Währung ist
Ein Prognosemarkt lebt nicht von seinen Nutzerzahlen, sondern von der Tiefe seiner Bücher. Wer eine Position im vierten Viertel eines Footballspiels glattstellen will, braucht auf der anderen Seite jemanden, der kauft. Fehlt dieser Jemand, wird der Spread breit, der Preis unsauber – und die Plattform verliert ihren Charakter als Handelsplatz.
Genau deshalb ist der Satz von Cantor so bemerkenswert: Die institutionelle Beteiligung habe deshalb nicht Schritt gehalten, weil sich nicht in großem Stil handeln ließ. Übersetzt heißt das: Liquidität war das Nadelöhr des gesamten Sektors. Und Liquidität ist das Produkt, das ein Market Maker verkauft.
Für Prospect Prediction Markets ist dieses Thema nicht neu. Bereits in der Meldung vom 21. Juli 2026 erklärte das Unternehmen, man treibe die eigene Market-Making-Initiative weiter voran und betrachte sie als strategisch wichtiges und komplementäres Geschäft zur Verbraucherplattform. Der Aufbau der Institutional-Trading-Sparte, den die Mitgliedschaft nun unterstützt, ist die Fortsetzung dieser Linie.
Das ist der eigentlich interessante Punkt an dieser Konstellation: Ein Handelsgeschäft folgt einer anderen Ertragslogik als eine Verbraucherplattform. Es lebt nicht von Nutzerwachstum und Marketingbudgets, sondern von Volumen, Transaktionszahl und der Qualität der eigenen Modelle. Und sein Aufbau hängt nicht daran, ob und wann die Verbraucherplattform in den USA an den Start geht.
Prognosemärkte sind keine Sportwetten – und dieser Unterschied entscheidet alles
Wer den Sektor verstehen will, muss zuerst einen Denkfehler ausräumen. Prognosemärkte sehen aus wie Wetten. Sie funktionieren aber wie ein Finanzmarkt.
Bei einer klassischen Sportwette ist der Anbieter die Gegenpartei. Er stellt die Quote, nimmt den Einsatz an, kalkuliert sein Risiko und verdient an der Marge. Das Haus gewinnt strukturell – so ist das Modell gebaut.
Ein Prognosemarkt funktioniert anders. Die Plattform ist Handelsplatz, nicht Gegenpartei. Nutzer handeln untereinander. Preise entstehen durch Angebot und Nachfrage, nicht durch die Kalkulation eines Buchmachers. Positionen lassen sich während des laufenden Ereignisses kaufen und wieder verkaufen. Verdient wird an Handelsgebühren, Spreads und eben am Market Making.
Gründer und CEO Johnny Chen hat diesen Punkt auf einer Investorenkonferenz im Mai auf den Begriff gebracht: Das richtige mentale Modell sei nicht eine weitere Art, auf Sport zu wetten – sondern eine eigenständige neue Anlageklasse.
Diese Unterscheidung ist nicht akademisch. Sie hat handfeste regulatorische Folgen. Online-Sportwetten sind in den USA Sache der einzelnen Bundesstaaten – ein Flickenteppich, in dem längst nicht überall gespielt werden darf. Ereigniskontrakte auf Finanzmarkt-Infrastruktur unterliegen dagegen der Bundesaufsicht CFTC. Wer diesen Weg geht, spielt nach anderen Regeln als ein klassisches Sportsbook. Dass Cantor Fitzgerald institutionellen Kunden Blockgeschäfte anbietet und nicht etwa Wettscheine, zeigt, welche der beiden Lesarten sich an der Wall Street durchgesetzt hat.
Kein Wettschein, sondern ein Handelsterminal: Live-Spielverlauf, Quoten, Statistiken und Orderfenster in einer Oberfläche. Screenshots auf der Startseite von prospectmarkets.com sowie in der Unternehmenspräsentation
Die Zahlen hinter dem Boom sind schwer zu ignorieren
Die Wachstumsdynamik dieses Sektors gehört zu den steilsten, die der Finanzmarkt derzeit zu bieten hat.
Das Pew Research Center hat den Verlauf nachgezeichnet: Im September 2025 lag das kombinierte monatliche Handelsvolumen der beiden Marktführer Kalshi und Polymarket noch unter fünf Milliarden US-Dollar. Im April 2026 waren es rund 24 Milliarden. Zur Einordnung: Über sämtliche legalen Sportwettanbieter der USA liefen 2025 im Monatsdurchschnitt etwa 14 Milliarden Dollar.
Noch aussagekräftiger ist der Blick auf den vergangenen Monat. Die Investmentbank Jefferies beziffert das durchschnittliche Tagesvolumen der US-Prognosemärkte im Juli 2026 auf 1,91 Milliarden US-Dollar – ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vormonat. Der entscheidende Punkt steckt in der Aufteilung: Auf Sport entfielen davon 1,333 Milliarden Dollar täglich. Der Sportanteil kletterte von 67 Prozent im Juni auf 76 Prozent im Juli.
Drei von vier gehandelten Dollar in diesem Markt fließen also in Sport. Und das gilt für Plattformen, die eigentlich alles anbieten – Politik, Wirtschaftsdaten, Popkultur, Wetter. Der Sport ist nicht eine Kategorie unter vielen. Er ist das ökonomische Zentrum.
Vom Nischenphänomen zum Milliardenmarkt: monatliches Handelsvolumen auf Prognosemärkten. Grafik zur Einbettung beim Pew Research Center
Wie schnell in diesem Sektor Unternehmenswert entsteht
Wer wissen will, wie der Kapitalmarkt dieses Thema bewertet, muss sich die Finanzierungshistorie von Kalshi ansehen. Sie liest sich wie eine Beschleunigungskurve.
Im Oktober 2025 sammelte die Plattform über 300 Millionen Dollar bei einer Bewertung von fünf Milliarden ein. Im Dezember waren es elf Milliarden. Im Mai 2026 folgte eine Series F über eine Milliarde Dollar – bei 22 Milliarden Bewertung, angeführt von Coatue, mit Sequoia, Andreessen Horowitz, Morgan Stanley und ARK Invest an Bord. Sieben Wochen später berichtete die Financial Times, Kalshi verhandle über eine neue Runde bei rund 40 Milliarden Dollar. Ein möglicher Börsengang steht für 2027 im Raum.
Von fünf auf 40 Milliarden in rund acht Monaten. Der Wettbewerber Polymarket, an dem die NYSE-Mutter Intercontinental Exchange Ende 2025 mit zwei Milliarden Dollar einstieg, wird zuletzt bei rund 15 Milliarden gehandelt.
Diese Zahlen sagen nichts darüber aus, was ein einzelner Small Cap wert ist. Sie sagen aber sehr viel darüber, welche Beträge institutionelle Investoren bereit sind zu zahlen, um in diesem Markt vertreten zu sein – und wie eng das Feld börsennotierter Alternativen ist, über die Privatanleger dasselbe Thema überhaupt spielen können.
Das zweite Standbein: ein Bloomberg-Terminal für den Sport
Neben dem institutionellen Handel arbeitet Prospect Prediction Markets weiter an der Verbraucherplattform, die den ursprünglichen Kern des Unternehmens bildet. Deren Produktthese setzt genau dort an, wo die erste Generation der Prognosemärkte schwach ist. Deren Plattformen zeigen einen Preis und ein Orderfenster – aber keinen Kontext. Wer während eines laufenden Spiels handeln will, sieht weder den Spielverlauf noch die Statistik noch die Verletzungslage. Er handelt im Blindflug.
Die Prospect-Oberfläche bündelt stattdessen alles auf einem Schirm: den Live-Spielverlauf Zug um Zug, Konsensquoten aus dem breiteren Markt, einen Wahrscheinlichkeits-Chart in Echtzeit, vollständige Box Scores mit Minuten, Punkten, Assists und Blocks bis auf Spielerebene, dazu Verletzungsmeldungen und den anstehenden Spielplan. Nach Unternehmensangaben läuft der Datenfeed dabei der TV-Übertragung voraus.
Das Unternehmen nennt dieses Konzept die Second-Screen-Erfahrung. Der Gedanke dahinter ist plausibel: Nach eigenen Recherchen nutzen 77 Prozent der Generation Z und der Millennials ihr Smartphone, während sie live Sport schauen – sie springen zwischen Social Media, Fantasy-Apps und Wett-Anwendungen hin und her. Wer all das in einer Oberfläche zusammenzieht, baut keine weitere App. Er baut eine Gewohnheit.
Wie das konkret aussieht, hat das Management auf der Emerging Growth Conference im Mai demonstriert – inklusive einer Live-Demo der Plattform ab Minute 5:48:
Unternehmenspräsentation und Produktdemo, Mai 2026: youtube.com/watch?v=pKkpG-iO6Tk
Ein zweiter Baustein ist die algorithmische Marktabwicklung. Wenn die Schlusssirene ertönt, zieht das System die verifizierten Ergebnisse direkt aus offiziellen Sportdatenquellen und stellt sämtliche Positionen automatisch glatt. Keine manuelle Prüfung, keine Wartezeit.
Hinzu kommt die Abdeckung von Nischensportarten – Curling, Surfen, Disc Golf, Randdisziplinen im Kampfsport. Dort ist der Wettbewerb minimal, weil die großen Anbieter sich auf die Volumenbringer konzentrieren. Prospect Prediction Markets Inc. (WKN: A424D8 ISIN: CA74358V1040) verfolgt hier die Strategie, große Ligen vollständig zu bedienen und gleichzeitig Märkte zu besetzen, die schlicht niemand anbietet.
Die Verbindung zu Crypto.com – und warum der Markt bislang zurückhaltend blieb
Am 7. Juli 2026 meldete das Unternehmen die Unterzeichnung einer unverbindlichen Absichtserklärung mit Foris DAX FCM LLC, die unter dem Namen OG Broker auftritt. Dabei handelt es sich um einen bei der CFTC registrierten Futures Commission Merchant und ein verbundenes Unternehmen von Crypto.com. Die geplante Konstruktion sieht vor, dass Prospect US-Teilnehmer an CFTC-regulierte Ereigniskontrakte heranführt – über eben jene North American Derivatives Exchange, die als Crypto.com Derivatives North America firmiert.
Steve Humenik, Chief Legal Officer bei OG und Global Head of Legal für Prediction and Capital Markets bei Crypto.com, wurde in der Meldung sinngemäß mit den Worten zitiert, man freue sich auf die Partnerschaft; sie unterstreiche das Bekenntnis zu einem regelkonformen Ökosystem für digitale Vermögenswerte und Derivate.
Man muss sich das kurz vergegenwärtigen. Ein Unternehmen mit rund 20 Millionen kanadischen Dollar Börsenwert wird in die regulierte US-Infrastruktur eines Anbieters eingebunden, der nach eigenen Angaben Millionen Nutzer weltweit betreut. Eigentlich eine Nachricht mit Signalwirkung.
Der Kurs sagte etwas anderes. Ende Mai notierte die Aktie noch bei rund 0,48 kanadischen Dollar. Aktuell sind es etwa 0,27 bis 0,29 Dollar (Kurs wird vor Veröffentlichung aktualisiert). Die Meldung hat den Wert nicht gehoben – sie hat ihn nicht einmal stabilisiert.
Warum? Eine plausible Erklärung liefert die Meldung selbst. Sie war ausdrücklich als unverbindlich gekennzeichnet, und in der Risikopassage nannte das Unternehmen offen die Bedingungen, unter denen daraus überhaupt etwas werden konnte: die Verhandlung endgültiger Verträge sowie erforderliche regulatorische Genehmigungen und Registrierungen. Der Markt hat, so ließe sich argumentieren, schlicht abgewartet. Eine Absichtserklärung ist für viele Investoren ein Versprechen – und Versprechen werden an der Börse günstig gehandelt.
Was sich seither verändert hat, ist die Substanz hinter dieser Beziehung. Aus einer angekündigten Zusammenarbeit ist ein konkreter, operativer Zugang zur Börse des Partners geworden. Prospect Markets steht nicht mehr nur vor der Tür – das Unternehmen ist Mitglied dieser Börse.
Wer hinter dem Unternehmen steht
Auffällig an diesem Unternehmen ist, wo das Team herkommt: nicht aus der Wett- oder Casinobranche, sondern aus dem Handelsgeschäft.
Gründer und CEO Johnny Chen ist ausgebildeter Ingenieur und verbrachte nach eigenen Angaben über ein Jahrzehnt im Aktienhandel und -vertrieb an der Bay Street und der Wall Street. Mitgründer Trevor Broad kommt aus leitenden Positionen bei Fintech-Unternehmen. Verstärkt wird das Team von Sasha Bahari, dem früheren Leiter des Handelsgeschäfts von Macquarie in Hongkong.
Das ist kein Zufall, sondern folgt aus dem Geschäftsmodell. Wer ein Sportsbook betreibt, denkt in Kundenakquisitionskosten und Wettmarge. Wer Liquidität in einem Orderbuch stellt, denkt in Spreads, Beständen und Modellen. Das sind zwei unterschiedliche Berufe – und die Institutional-Trading-Sparte ist genau der Teil des Geschäfts, für den dieses Team ausgebildet ist.
Bilanz und Kapital: Was im Sommer eingesammelt wurde
Für einen Micro Cap ist die Kapitalfrage immer die erste. Hier hat Prospect Prediction Markets Inc. (WKN: A424D8 ISIN: CA74358V1040) im Juni zweimal geliefert. Am 10. Juni 2026 schloss das Unternehmen eine nicht vermittelte Privatplatzierung über 5.000.000 Aktien zu je 0,40 kanadischen Dollar ab – Bruttoerlös: 2,0 Millionen kanadische Dollar. Angeführt wurde die Runde von Matco Financial, Lucida Capital und AlphaNorth Asset Management, also von institutionellen Adressen aus Kanada.
Wenige Wochen später kam Geld aus einer zweiten Quelle. Am 30. Juni meldete das Unternehmen, dass sämtliche 7.321.679 ausstehenden Warrants ausgeübt worden seien – aus Privatplatzierungen der Jahre 2024. Der Bruttoerlös betrug 976.055 kanadische Dollar. Bemerkenswert ist dabei weniger die Summe als die Quote: Es wurden nicht 60 oder 80 Prozent der Warrants ausgeübt, sondern alle.
Für Anleger hat das zwei Konsequenzen. Erstens ist damit rund drei Millionen kanadische Dollar frisches Kapital in die Kasse geflossen, bevor die entscheidende Phase begann. Zweitens ist ein Verwässerungsüberhang verschwunden: Ausgeübte Warrants können nicht ein zweites Mal ausgeübt werden.
Ein drittes Aufräumen kam im Juli hinzu. Am 21. Juli meldete das Unternehmen die einvernehmliche Auflösung eines Dienstleistungsvertrags vom März 2026 über die Entwicklung eines KI-gestützten Liquiditätsmanagement-Werkzeugs. Die Konditionen sind bemerkenswert: keine Aktienausgabe, keine Gebührenzahlung, sämtliche Ansprüche unwiderruflich aufgegeben – und alle Rechte an eigenen Daten, Marken und selbst entwickeltem geistigem Eigentum bleiben beim Unternehmen. Eine Altlast verschwindet ohne Verwässerung und ohne Zahlung.
Chen begründete den Schritt damals mit Fokus: Die gesamte Organisation richte sich nun auf eine Sache aus – einen sport-nativen Prognosemarkt in den USA an den Start zu bringen, gemeinsam mit den Partnern bei Crypto.com. Daneben treibe man die eigene Market-Making-Initiative voran, die man als strategisch wichtiges und komplementäres Geschäft zur Verbraucherplattform betrachte. Diese Ankündigung aus dem Juli hat nun eine konkrete Form bekommen.
Der Blick auf vergleichbare Unternehmen
Das Unternehmen selbst hat auf seiner Mai-Präsentation zwei Vergleichsgrößen genannt. Novig, ein privates Unternehmen, das ebenfalls an einem Sport-Trading-Terminal arbeitet, habe eine Series B über 75 Millionen Dollar bei einer Bewertung von 500 Millionen abgeschlossen. High Roller Technologies, börsennotiert, werde bei rund 67 Millionen Dollar gehandelt.
Beide Werte liegen deutlich über der aktuellen Bewertung von Prospect Prediction Markets. Ein solcher Vergleich hat Grenzen – Geschäftsmodelle, Reifegrad und Kapitalausstattung unterscheiden sich. Er zeigt aber, in welchen Größenordnungen private Investoren in diesem Segment kalkulieren.
Bewertungsniveaus im Sektor. Übersicht in der Unternehmenspräsentation sowie im Video ab Minute 4:46
Der Kalender arbeitet ab September für den Sektor
Die Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika ist im Juli zu Ende gegangen – und sie hat geliefert, was sich der Sektor erhofft hatte. Sie war laut Jefferies der wesentliche Treiber hinter dem Volumensprung im Juli und hinter dem Anstieg des Sportanteils auf 76 Prozent. Der Beweis, dass ein sportliches Großereignis diese Märkte in Bewegung setzt, ist damit erbracht.
Der nächste Termin steht unmittelbar bevor: Am 9. September 2026 startet die NFL-Saison mit einer Neuauflage des Super Bowl LX – der Titelverteidiger Seattle Seahawks empfängt die New England Patriots im Lumen Field. Die NFL ist in den USA die mit Abstand volumenstärkste Sportliga für Prognosemärkte. Im Anschluss folgen die NBA-Saison und im November die US-Zwischenwahlen, die traditionell auch die Nicht-Sport-Kategorien beleben.
Quelle: FOX Sports: When Does the 2026 NFL Regular Season Start?
Für ein Unternehmen, das im Handel mit Sport-Ereigniskontrakten wachsen will, ist dieser Kalender kein Nebenschauplatz. Er ist die Geschäftsgrundlage. Handelsgeschäfte verdienen an Volumen und an der Zahl der Transaktionen, nicht an der Richtung des Marktes. Die volumenstärksten Monate des amerikanischen Sportjahres beginnen in wenigen Wochen.
Für die Verbraucherplattform hat das Unternehmen als Zielfenster den Produktstart im dritten Quartal 2026 genannt – ausdrücklich vorbehaltlich endgültiger Verträge und etwaiger regulatorischer Genehmigungen.
Ab dem 9. September rollt in den USA wieder der Ball – die volumenstärkste Phase des Jahres für Sport-Prognosemärkte. Bildquelle: KI-generiert
Wer die Chance sieht, muss auch die Kehrseite kennen
An dieser Stelle ist Präzision wichtiger als Begeisterung – und es gibt einiges, das gegen diese Aktie spricht.
Erstens ist die Vereinbarung vom Juli bis heute eine unverbindliche Absichtserklärung. Ob und wann daraus eine endgültige Vereinbarung wird, ob die Verbraucherplattform tatsächlich startet und zu welchen Konditionen, ist offen. Das Unternehmen formuliert das in jeder seiner Meldungen unmissverständlich.
Zweitens ist der Handel auf eigene Rechnung kein risikofreies Geschäft. Er bindet Kapital, die Erträge hängen an der Qualität der Modelle, an der Volatilität und an den Marktbedingungen – und er kann zu Verlusten führen. Ob und wann aus der im Aufbau befindlichen Institutional-Trading-Sparte nennenswerte Erträge entstehen, ist offen.
Drittens ist die regulatorische Lage keineswegs geklärt. In mehreren US-Bundesstaaten wird juristisch darüber gestritten, ob Sport-Ereigniskontrakte überhaupt zulässig sind; die CFTC musste im August sogar zu Notfallbefugnissen greifen, um den Betrieb einer Börse trotz eines Verfahrens eines Bundesstaates aufrechtzuerhalten. In der Sitzung des Innovationsausschusses am 20. August wurden zudem Fälle von Insiderhandel auf Prognosemärkten und die Ausgestaltung sogenannter Mention Markets kritisch diskutiert. Ein negativer Ausgang dieser Debatten träfe die ganze Branche.
Viertens erzielt das Unternehmen derzeit noch keine nennenswerten Umsätze und wird voraussichtlich weiteres Kapital benötigen – was Altaktionäre verwässern könnte. Kalshi hält nach eigenen Angaben über 90 Prozent des US-Volumens und sitzt auf Milliarden. Fünftens ist die Aktie markteng: Schon kleine Orders bewegen den Kurs, in beide Richtungen.
Kurz gesagt: Hier geht es um eine hochspekulative Wette – mit erheblichem Potenzial, aber auch mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust.
Fazit: Der Markt bekommt gerade seine Institutionen – und dieses Unternehmen einen Platz darin
Bei Prospect Prediction Markets Inc. (WKN: A424D8 ISIN: CA74358V1040) liegt eine Konstellation vor, die man an der Börse nicht häufig sieht. Der Sektor, in dem sich dieses Unternehmen bewegt, hat innerhalb einer einzigen Woche das Weiße Haus, die Tagesordnung der Aufsicht und die Handelsräume einer Wall-Street-Investmentbank erreicht. Und ausgerechnet in dieser Woche bekommt ein 20-Millionen-Unternehmen Zugang zur regulierten Börse eines Partners aus dem Crypto.com-Verbund.
Aus einem Small Cap mit einer Absichtserklärung ist ein Small Cap mit zwei Geschäftsfeldern geworden: einer Verbraucherplattform, die noch vor ihrem Start steht – und einer institutionellen Handelssparte im Aufbau, deren Zugang zu einer regulierten US-Börse jetzt steht.
Was wäre, wenn daraus tatsächlich ein tragfähiges Geschäft würde? Dann hätte man ein börsennotiertes Unternehmen mit rund 22 Millionen kanadischen Dollar Bewertung, das an einem Markt teilnimmt, dessen Tagesvolumen allein in den USA bei knapp zwei Milliarden Dollar liegt. Selbst ein Bruchteil eines Prozents Marktanteil hätte in dieser Größenordnung eine völlig andere Dimension als die heutige Bewertung. Das ist ausdrücklich eine Wenn-dann-Rechnung und kein Kursziel – aber sie beschreibt, warum solche Konstellationen für spekulativ orientierte Anleger überhaupt interessant sind.
Ob es so kommt, ist damit nicht gesagt. Es kann scheitern, und die Wahrscheinlichkeit dafür ist bei einem Micro Cap in einem hart umkämpften Markt keineswegs gering.
Aber die Frage, die sich stellt, ist eine andere: Wenn Wall-Street-Adressen gerade damit beginnen, institutionelles Kapital in diesen Markt zu leiten – wie bewertet der Markt dann ein börsennotiertes Unternehmen, das dort Liquidität stellen darf? Diese Frage beantwortet nicht der Autor. Sie beantwortet der Kurs.
Wir wünschen Ihnen viel Erfolg bei Ihren Investments – und verbleiben mit besten, aber wie immer spekulativen Grüßen, Ihre Redaktion von Hotstock-Investor.
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