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Private Krankenversicherung als Finanzentscheidung: Worauf Gutverdiener achten sollten 28.08.2026, 11:02 Uhr Jetzt kommentieren: 0

Spezialthema: Private Krankenversicherung als Finanzentscheidung: Worauf Gutverdiener achten sollten
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Wer gut verdient, kann unter bestimmten Voraussetzungen zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wählen. Dabei geht es nicht nur um die medizinische Versorgung. Beiträge, Selbstbeteiligung und die langfristige Lebensplanung machen die Entscheidung auch zu einer finanziellen Frage. Wir haben mit Dr. Bernd Schlemann, Geschäftsführer und Volljurist mit den Schwerpunkten private Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit und Altersvorsorge, darüber gesprochen, worauf Gutverdiener bei der Entscheidung achten sollten.

Herr Dr. Schlemann, warum sollte eine private Krankenversicherung auch als Finanzentscheidung betrachtet werden?

„Weil eine PKV in der Regel über viele Jahre oder Jahrzehnte besteht“, erklärt Dr. Schlemann. „Wer nur den heutigen Monatsbeitrag betrachtet, greift deshalb zu kurz.“

„Neben dem Beitrag spielen beispielsweise Selbstbeteiligung, Beitragsrückerstattungen und die gewählten Leistungen eine Rolle. Gleichzeitig können sich Einkommen und Lebenssituation verändern. Die Entscheidung sollte deshalb sowohl zur gewünschten medizinischen Versorgung als auch zur langfristigen finanziellen Planung passen.“

Apropos Beratung PKV: Warum ist individuelle Unterstützung bei der Auswahl wichtig?

„Weil zwei Menschen mit gleichem Einkommen völlig unterschiedliche Anforderungen haben können“, sagt Dr. Schlemann. „Familienplanung, Beruf, Gesundheitszustand oder persönliche Vorstellungen von medizinischer Versorgung beeinflussen die Entscheidung. Ein Vergleich sollte deshalb nicht mit der Suche nach dem günstigsten Anbieter beginnen. Zunächst müsse geklärt werden, welche Leistungen tatsächlich gewünscht werden und was für finanzielle Risiken langfristig abgesichert werden sollen.“

Welche Rolle sollte der Beitrag bei der Tarifwahl spielen?

„Natürlich muss ein Tarif dauerhaft bezahlbar sein“, erklärt Dr. Schlemann. Der niedrigste Beitrag ist aber nicht automatisch das beste Angebot.

Dr. Schlemann: „Ein günstiger Einstieg könne beispielsweise mit einem höheren Selbstbehalt oder Einschränkungen bei Leistungen verbunden sein. Entscheidend sei daher, Preis und Leistung gemeinsam zu betrachten und dabei ebenfalls die konkreten Versicherungsbedingungen und die langfristige Entwicklung des Tarifs im Blick zu behalten. Auch mögliche Veränderungen im weiteren Berufsleben sollten in die Überlegungen einfließen.“

Welche Leistungen sind besonders wichtig?

Dr. Schlemann empfiehlt, vor allem solche Bereiche sorgfältig zu prüfen, in denen im Krankheitsfall hohe Kosten entstehen können. Dazu zählen beispielsweise ambulante und stationäre Behandlungen, Psychotherapie und Heil- und Hilfsmittel.

„Kleinere Erstattungen lassen sich leicht vergleichen und wirken häufig attraktiv. Für die langfristige Qualität eines Tarifs können andere Leistungen jedoch wesentlich wichtiger sein.“

Dabei sollte nicht nur geprüft werden, ob eine Leistung grundsätzlich genannt wird. Auch Erstattungsgrenzen und die konkreten Versicherungsbedingungen können entscheidend sein.

Warum ist langfristige Finanzplanung gerade für Gutverdiener relevant?

Mit höherem Einkommen steigen häufig auch die finanziellen Verpflichtungen. Immobilien, Familie, Vermögensaufbau und Altersvorsorge müssen möglicherweise über Jahrzehnte finanziert werden.

Gleichzeitig zeigt die Diskussion über die finanzielle Vorsorge, dass langfristige Planung im Alltag leicht aufgeschoben wird. Nach Ansicht von Dr. Schlemann sollte die Krankenversicherung deshalb nicht isoliert von anderen finanziellen Entscheidungen betrachtet werden.

Wie wichtig ist Flexibilität bei der PKV?

„Die Flexibilität ist sehr wichtig, weil niemand seine Lebenssituation über Jahrzehnte exakt vorhersehen kann“, erklärt der Experte. „Ein Berufswechsel, Selbstständigkeit, Familiengründung oder ein längerer Aufenthalt im Ausland können die Anforderungen verändern. Deshalb sollte bereits bei der Auswahl geprüft werden, welche Möglichkeiten bestehen, den Versicherungsschutz später an neue Bedürfnisse anzupassen.“

Was raten Sie Gutverdienern, die aktuell über einen Wechsel in die PKV nachdenken?

„Zuerst die eigenen Anforderungen definieren und erst danach Tarife vergleichen“, empfiehlt Dr. Schlemann. „Neben medizinischen Leistungen sollten Versicherungsbedingungen, Kosten und langfristige Flexibilität berücksichtigt werden.“

Tests und Rankings könnten eine Orientierung bieten. Sie ersetzten aber keine individuelle Betrachtung. Ein Tarif, der für einen Versicherten sehr gut geeignet sei, müsse nicht automatisch für einen anderen passen.

Sein Fazit: Die PKV sollte weder als kurzfristige Sparmöglichkeit noch ausschließlich als Zugang zu zusätzlichen medizinischen Leistungen betrachtet werden. Wer die Entscheidung mit seiner Lebens- und Finanzplanung verbindet, schafft eine bessere Grundlage für einen Versicherungsschutz, der auch langfristig zu den eigenen Anforderungen passt.

Spezialthemen/ah
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