Nach einer turbulenten Woche steht den Börsen bereits der nächste große Belastungstest bevor. Ausgerechnet der US-Arbeitsmarkt hat die Zinssorgen wieder kräftig angeheizt: Während der private ADP-Bericht mit lediglich 38.000 neuen Stellen zunächst noch auf eine weitere Abkühlung hindeutete, überraschten die offiziellen Nonfarm Payrolls am Freitag mit 162.000 neuen Jobs – fast dreimal so viel wie die erwarteten 56.000. Die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 Prozent, gleichzeitig wurden die Beschäftigungszahlen der beiden Vormonate nach oben revidiert. Die Konsequenz: Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung bereits am 16. September ist wieder auf knapp 60 Prozent gestiegen. S&P 500, Dow und Nasdaq reagierten am Freitag mit Verlusten, während die Renditen von US-Staatsanleihen deutlich anzogen. Damit lautet die entscheidende Frage jetzt: Kann die Rallye trotz steigender Zinsen weitergehen – oder liefert die Inflation den Auslöser für die nächste größere Korrektur?
Die Antwort könnte in der zweiten Wochenhälfte fallen. Wegen des Labor-Day-Feiertags bleiben die US-Börsen am Montag geschlossen, doch danach nimmt der Terminkalender schnell Fahrt auf. Am Donnerstag werden die US-Erzeugerpreise (PPI) für August veröffentlicht, bevor am Freitag der große Inflations-Showdown mit den US-Verbraucherpreisen (CPI) folgt. Im Juli lag die jährliche Inflationsrate noch bei 3,4 Prozent; für August wird derzeit erneut ungefähr dieses Niveau erwartet. Besonders die Kerninflation dürfte entscheidend werden. Ein überraschend hoher Wert könnte die Fed praktisch zur nächsten Zinserhöhung drängen und insbesondere hoch bewertete Nasdaq- und KI-Aktien unter Druck setzen. Ein schwächerer Inflationsbericht könnte dagegen die Zinsängste wieder zurückdrängen. Zusätzlich stehen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Daten vom US-Immobilienmarkt und am Freitag das Verbrauchervertrauen der University of Michigan auf dem Programm.
Auch Europa liefert einen wichtigen Termin: Am Donnerstag entscheidet die EZB über die Zinsen. Nach dem erneuten Anstieg der Eurozonen-Inflation auf über drei Prozent und den hohen Energiepreisen erwartet der Markt mehrheitlich eine weitere Anhebung um 25 Basispunkte. Gleichzeitig bleibt gerade der Ölmarkt ein erhebliches Risiko für die Inflationsentwicklung. Die erneute Eskalation zwischen den USA und Iran treibt Brent zum Wochenstart auf rund 97 Dollar je Barrel, während der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus massiv eingeschränkt ist. Damit könnte ausgerechnet Energie den Notenbanken einen Strich durch die Rechnung machen. Auch der DAX startet vor diesem Hintergrund mit gemischten Vorgaben in die Woche; zusätzlich enttäuschte die deutsche Industrieproduktion am Montag mit einem überraschenden Rückgang um 1,1 Prozent im Juli.
Und auch bei den Unternehmen bleibt es spannend. Nach starken Zahlen von Dell und Snowflake, aber einer eher enttäuschenden Marktreaktion auf Broadcom, rückt diese Woche vor allem der Software- und Cloud-Sektor ins Zentrum. Am Donnerstag berichtet Oracle über sein erstes Quartal des neuen Geschäftsjahres – besonders wichtig werden das Wachstum der Oracle Cloud Infrastructure, der gigantische KI-Auftragsbestand und die enormen Investitionen in neue Rechenzentren. Ebenfalls am Donnerstag veröffentlicht Adobe seine Zahlen – nur wenige Tage nachdem das Unternehmen mit Anil Chakravarthy einen neuen CEO ab Dezember angekündigt hat. Adobe hatte für das Quartal einen Umsatz von 6,67 bis 6,72 Milliarden Dollar und ein bereinigtes EPS von 6,05 bis 6,10 Dollar in Aussicht gestellt. Am Freitag folgt mit Kroger ein wichtiger Einblick in die Verfassung des US-Konsumenten. Zusätzlich dürfte Apples großes Produktereignis zur Wochenmitte für neue Impulse im Technologiesektor sorgen.
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