Analytische Betrachtung: Volatilitäts- und Saisonalitätsfaktoren in den ersten beiden Septemberwochen

vom 28.08.2026, 20:33 Uhr
7iva
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Die ersten beiden Septemberwochen markieren an den globalen Finanzmärkten eine zusammenhängende Phase erhöhter Kursschwankungen und strategischer Weichenstellungen. Während die erste Woche durch die Rückkehr der Liquidität und erste Makro-Daten geprägt ist, verdichtet sich in der zweiten Septemberwoche das geldpolitische Umfeld. Die Ursachen hierfür liegen in einer Abfolge struktureller, makroökonomischer und terminmarktbezogener Faktoren.

▶️ Handelsvolumen und Liquiditätsrückkehr

Im Verlauf der Sommermonate – insbesondere von Mitte Juli bis Ende August – sinkt das Handelsvolumen an den internationalen Börsen marktweit ab. Der Grund hierfür ist die verringerte Marktteilnahme institutioneller Investoren während der Urlaubszeit.

Mit dem Beginn der ersten Septemberwoche kehren die Handelsaktivitäten an den Primärmärkten auf ihr normales Niveau zurück. Diese sprunghafte Zunahme der Liquidität führt dazu, dass schwebende Aufräumarbeiten, Neubewertungen und Positionsanpassungen zeitgleich umgesetzt werden, was die tägliche Schwankungsbreite der Aktienindizes erhöht.

▶️ Historische Saisonalität (September-Effekt)

Die empirische Kapitalmarktforschung zeigt, dass der September historisch die schwächste Wertentwicklung im Jahresverlauf aufweist.

〽️ Portfolio-Rebalancing: Viele Investment- und Pensionsfonds nutzen den Beginn des letzten Tertials für eine Neuausrichtung ihrer Portfolios.

​Im Juli und August greifen große Fondsmanager ungern aktiv in ihre Portfolios ein, solange sie im Urlaub sind oder der Markt dünn besiedelt ist. Wenn in diesem Sommer-Zeitraum schlechte Nachrichten oder veränderte Fundamentaldaten auflaufen, warten viele mit der Bereinigung.

​Sobald alle im September wieder am Platz sitzen, wird dieser Aufstau an Verkaufsentscheidungen auf einmal abgearbeitet:

〽️ ​Verlustbringende Positionen werden abgestoßen.

​Gewinne aus dem ersten Halbjahr werden mitgenommen (Profit-Taking).

​Risikoreiche Titel werden gegen sicherere Anlagen ausgetauscht.

​〽️ Rebalancing: Umschichten statt Neuinvestieren

​Wenn Großanleger im September Geld bewegen, ist das meist kein frisches Geld von außen, sondern vorhandenes Kapital, das umgeschichtet wird.

⏺️ ​Beispiel: Hat sich der US-Tech-Sektor über den Sommer extrem gut entwickelt, ist sein Anteil am Gesamtportfolio der Bank plötzlich zu groß geworden.

​Das Regelwerk zwingt den Fondsmanager nun dazu, Tech-Aktien zu verkaufen und das Geld in Anleihen oder defensivere Werte (wie Konsumgüter) umzuleiten. Dieser Verkaufsdruck drückt die großen Indizes erst einmal nach unten.

​〽️ Absicherung kostet Kurskraft

​Große Adressen (Pensionskassen, Staatsfonds) steigen im September nicht sofort mit vollem Risiko ein. Stattdessen sichern sie ihre Portfolios für das vierte Quartal ab.

〽️ ​Sie kaufen in großem Stil Absicherungs-Optionen (Puts). Die Banken und Broker, die diese Absicherungen verkaufen, müssen sich wiederum selbst gegen Verluste absichern – was sie tun, indem sie die zugrundeliegenden Aktien am Markt verkaufen (Delta Hedging). So löst die reine Vorsicht der Profis mechanischen Verkaufsdruck aus.

〽️ Fiskalische Faktoren: Institutionalisierte Anleger beginnen ab Anfang September mit der Vorbereitung auf das Jahresende, was gezielte Verkäufe zur Verlustverrechnung (Tax-Loss Harvesting) einschließt.

〽️ Erwartungshaltung: Der „September-Effekt“ wirkt in Teilen als selbsterfüllende Prophezeiung, da Marktteilnehmer vermehrt Absicherungspositionen (wie Put-Optionen) aufbauen, was wiederum den Volatilitätsindex (VIX) ansteigen lässt.

▶️ Dichte makroökonomischer Datenveröffentlichungen:

〽️ Die erste Woche eines Monats ist im Wirtschaftskalender fest für die Publikation zentraler Frühindikatoren reserviert. Im September besitzen diese Daten eine erhöhte Aussagekraft für die Ausrichtung des vierten Quartals:

〽️ Einkaufsmanagerindizes (PMI / ISM): Liefern erste Signale über die Stärke der industriellen und dienstleistungsbezogenen Aktivität.

〽️ US-Arbeitsmarktbericht (Non-Farm Payrolls): Der am ersten Freitag des Monats erscheinende Bericht gilt als einer der wichtigsten Auslöser für kurzfristige Kursbewegungen an den Devisen- und Aktienmärkten.

〽️ Zins-Erwartungen: Die Daten der ersten Septemberwoche bilden die unmittelbare Entscheidungsgrundlage für die Mitte September anstehenden Zinsentscheidungen der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank (EZB).

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Für Investoren stellt dieser zweiwöchige Zeitraum daher eine Phase intensiver Neubewertung dar, die Marktrichtungen für das gesamte vierte Quartal vorgeben kann.

❗️Watch out 👀, trade smart and stay safe in the weeks ahead!❗️

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