Brainchip 2026 - Perspektiven
Hallo, nach langer Zeit mal wieder eine Einschätzung zu den Entwicklungen bei Brainchip. Da es sich um ein Hochtechnologieunternehmen handelt, spielt die technische Perspektive natürlich eine ausschlaggebende Rolle. Anders lässt sich das Unternehmen nicht bewerten. Deshalb wird der Text für Laien teilweise schwer verständlich, man kann aber jederzeit meine Aussagen mit einer KI abgleichen, dann aber bitte genau die Fragestellungen verwenden, die ich hier anspreche.
Der Ursprung und Unternehmenskonstruktion:
Als US-Unternehmen mit Listing an der australischen ASX ist der Werdegang etwas speziell.
Brainchip Inc, wurde am 24.Dez 2013 gegründet und als Unternehmen eingetragen in Delaware, USA. Link öffnen, runterscrollen zu Seite 7: https://hotcopper.com.au/threads/ann-brainchip-inc-accounts-for-year-ending-31-december-2014.2598843/
Im Rahmen der Übernahme der Börsenhülle der Aziana Ltd. an der ASX wurde am 18.März 2015 eine 100% Übernahme von Brainchip durch Aziana Ltd. vereinbart: https://hotcopper.com.au/threads/ann-hoa-signed-to-acquire-brainchip.2478552/ Auch in diesem Announcement nochmal deutlich auf Seite 2: "BrainChip is a Delaware (US) incorporated company with operations in California that is at the forefront of neural computing technology"
Nach der Übernahme durch Aziana Ltd wurde Aziana umbenannt in Brainchip Holdings Ltd., wodurch es möglich wurde, das Börsenlisting in Brainchip zu ändern: https://hotcopper.com.au/threads/ann-notice-of-meeting-brainchip-acquisition.2544477/
Das eigentliche Unternehmen Brainchip Inc. war schon immer in USA. Erster Firmensitz war Aliso Viejo, California, unter dieser Adresse liefen auch die Patentanmeldungen der 2010er Jahre, danach kam der Wechsel zur aktuellen Adresse nach Laguna Hills: https://www.allbiz.com/business/brainchip-inc-949-330-6750
Seit der Gründung im Jahr 2013 hat Brainchip Inc. durchgehend den Firmensitz in USA. Brainchip Holdings Ltd mit Sitz in Australien ist praktisch Aziana Ltd nach einer Namensänderung und ein rein virtuelles Instrument, das für das Listing an der ASX benötigt wird. Das Unternehmen existiert nur als Firmenadresse beim Service Provider BoardRoom PTY, der Brainchip in Angelegenheiten der ASX vertritt. https://boardroomlimited.com.au/corp/services/boardroom-partner-services/
Diese Zusammenfassung nur mal als Hintergrund, wieso ein US-Unternehmen an der australischen Börse gelistet ist und als Gegendarstellung zu den ewigen Behauptungen, Brainchip sei ein australisches Unternehmen.
Die Vergangenheit:
Seit 2016, damals ging es noch um eine Software für japanische Casinos, wird vom Brainchip-Management eine direkt bevorstehende Kommerzialisierung mit einsetzendem Cashflow versprochen. Das Tapeout von AKD 1000, vermarktet als erster kommerzieller neuromorpher Chip, folgte Jahre später. In Realität handelte es sich um einen Forschungschip, für den jegliche Softwareperipherie fehlte. Forschungschip ohne Kommerzialisierungsabsichten ist übrigens keine Interpretation von mir, sondern eine Aussage von CEO Sean Hehir in einem Interview irgendwann letztes Jahr. Witzig, daß diese Aussage nach Jahren der Erfolglosigkeit des "ersten kommerziell verfügbaren neuromorphen Chips (Aussage Brainchip)" kam. Ein IP-basiertes Geschäftsmodell wurde vorgestellt. Erste kommerzielle Erfolge waren IP-Verträge mit MegaChips und Renesas, die für Brainchip Gesamteinnahmen von ca US$ 6 Mio. generierten. Dann kam der kurzfristige, aber heftige Mercedes-Hype, der allein auf der autarken Verwendung von Akida für die Spracherkennung in einem Forschungsprototypen beruhte. Das ist alles bereits 6 Jahre her, wie sind die Fortschritte?
Die Gegenwart:
Nach wie vor befindet sich die komplette Neuromorphic im Stadium von Forschung und Entwicklung, eine echte Kommerzialisierung findet bisher nicht statt. Das liegt an verschiedenen bisher ungelösten Problemen. Einmal sind es die immer noch fehlenden Algorithmen für ein umfängliches Training von spikebasierten SNN-Netzwerken, die mit verfügbaren binären Algorithmen nur ungenügend trainiert werden können. Dann sind die verfügbaren Entwicklerumgebungen nach wie vor hochkomplex und nur von Neuromorphic Experten zufriedenstellend zu benutzen. Erschwerend kommt noch hinzu, daß Akida auf maximale 8-bit Quantisierung limitiert ist, während der Industriestandard mindestens 16-bit vorsieht, was zu zusätzlichen Anpassungsschwierigkeiten führt. Das bevorstehende Tapeout von AKD1500 kommt Jahre zu spät. Bei AKD1500 handelt es sich nicht um eine Weiterentwicklung, sondern um eine abgespeckte Version vom erfolglosen AKD1000, die nur als Co-Prozessor lauffähig ist. Zwar gibt es weitere Schnittstellen, als Co-Prozessor besteht aber die Problematik, daß die großen Datenmengen eines neuromorphen Chips mit aktuell verfügbarer Schnittstellenarchitektur nicht ohne erhebliche Latenzen verarbeitet werden können. Alle ungelösten Probleme und kommerzielle Erfolglosigkeit von AKD1000 sind vollumfänglich auch auf AKD1500 anwendbar. Das liegt weniger an Brainchip, sondern ist ein allgemeines Problem neuromorpher Chips. Die aktuell verfügbare Software- und Hardwareperipherie ist nicht in der Lage, neuromorphe Chips verlustfrei in ein Schaltungsdesign zu integrieren. Die bisher hardwäremäßig nicht verfügbare Akida 2.0 Technologie wirft nicht geklärte Fragen auf. In der Community der Neuromorphic Spezialisten wird diskutiert, ob die 2.0 Technologie überhaupt über die On-Chip-Learning Fähigkeit von AKD1000 verfügt, weil der dafür benötigte vollvernetzte letzte Layer in der Architektur fehlt. Dazu mal ein Link zum Nachlesen:
https://open-neuromorphic.org/neuromorphic-computing/hardware/akida-brainchip/
Seit den ersten zwei zahlungspflichtigen IP-Verträgen 2020 wurden keine weiteren Verträge abgeschlossen, die Umsätze generierten haben. Stattdessen wurde die IP im Rahmen von strategischen Partnerschaften kostenlos zur Verfügung gestellt mit der Aussicht auf Royalties bei Markteinführungen, die es bisher nicht gab.
Technologiefehler:
Der große Pferdefuß in der kompletten Akida-Architektur ist die fehlende automatische Neuronenanpassung bei Zielveränderungen. Für jede Aufgabe gibt es eine optimale Anzahl von Neuronen, um eine hohe Genauigkeit zu erreichen. Wird die Aufgabe verändert, sinkt die Genauigkeit rapide ohne Neuronenanpassung, die manuell am Gerät vorgenommen werden muß. Bedeutet simpel ausgedrückt in der Praxis, eine Gesichtserkennung, die auf die Erkennung von 3 Gesichtern vorinstalliert wurde, muß auch auf 3 Gesichter angelernt werden. Eine Erweiterung auf beispielsweise 5 Gesichter erfordert die Neuronenanpassung durch einen Spezialisten, sonst wird das Ergebnis unbrauchbar. Diese Fixierung auf vorinstallierte Aufgaben schränkt die Einsatzmöglichkeiten natürlich extrem ein. Als Lösungsmöglichkeit gibt es hier nur eine Mischarchitektur, bei der ein anderer Chip die Zielerfassung übernimmt.
AKD1500 Tape Out:
Bisher war die AKD1500-Architektur nur in Form von Softwaresimulationen und FPGAs verfügbar. Soweit mir bekannt ist, wurde AKD1500 hauptsächlich in Testreihen der Luft- und Raumfahrt und im militärischen Bereich eingesetzt. Die Testergebnisse waren wohl positiv und eine Nachfrage nach der echten Silikon Hardware ist entstanden, um eine weitere Evaluierung voranzutreiben. Im Rahmen der fortgeschrittenen Testreihen werden auch mal größere Stückzahlen geordert, weil ein Produktionschip auch auf Fehlertoleranzen in der Fertigung überprüft wird. Im Rahmen dieser Überprüfung können dann auch Bestellungen von mehreren tausend Chips stattfinden. Bei größeren Bestellungen dürfte sich der Einzelpreis irgendwo im Bereich US$10-20 bewegen. In den genannten Bereichen existieren die höchsten Zulassungsanforderungen, entsprechend werden bis zur abschließenden Bewertung und eventuellen Produktionsvorbereitung von kommerziell verfügbaren Endprodukten noch längere Zeiträume zu erwarten sein. Start einer Produktion im beschleunigten Verfahren vielleicht 2028, aufgrund der zahllosen Zulassungsverfahren und der üblichen Vorbereitungszeiten eher 2030. Bedeutet, die Bereitstellung von AKD1500 hat erstmal keine größeren finanziellen Einnahmen zur Folge, ist aber als positiver nächster Schritt in der Entwicklung zu bewerten.
Inside Brainchip:
Aufgrund finanzieller Zwänge wurden hochdotierte Spezialisten entlassen. So wurde beispielsweise die etablierte Softwareabteilung in Toulouse/Frankreich, die für die Entwicklung von TENNs verantwortlich war, aufgelöst. Stattdessen wird verstärkt auf den Einsatz von Studenten gesetzt, die im Rahmen von mehrmonatigen Praktika an verschiedenen Kleinprojekten arbeiten. In den Mitarbeiterbewertungen auf Glassdoor wird deutlich bemängelt, daß eine klare Linie fehlt und jeder ohne echte Managementvorgaben ein bißchen rumbastelt.
Die Konkurrenz:
In kurzer Zeit hat sich Innatera zu einem ernstzunehmenden Player entwickelt. Die Markteinführung der neuromorphen Pulsar MCU mit überschaubarer Entwicklungszeit hat Renesas, die seit Jahren erfolglos an einer Integration der Akida-Technologie arbeiten, deutlich abgehängt.
Und dann gibt es natürlich noch den Hecht im Karpfenteich. Intel baute 2024 den neuromorphen Supercomputer Hala Point mit der Aufgabenstellung, neuromorphe Technologie und Algorithmen weiterzuentwickeln. Möglichkeiten, von denen Brainchip nur träumen kann. Es deuten sich zählbare Ergebnisse des Supercomputer-Einsatzes an. Bisher nur geleakte unbestätigte Informationen deuten ein Tapeout von Loihi 3 zum Jahreswechsel 2026/27 an. Sollten sich die veröffentlichten Daten zum Chip bewahrheiten, gibt es einen Quantensprung bei neuromorphen Chips, der Brainchip sehr alt aussehen lässt. Dazu hier ein ausführlicher Artikel:
https://www.machinebrief.com/news/intel-neuromorphic-loihi-3-brain-computing-edge-ai-2026
Die Zukunft:
Wie geht es weiter mit Brainchip? Insgesamt muß man feststellen, daß aufgrund eingeschränkter finanzieller Möglichkeiten die Fortschritte bei Brainchip sehr überschaubar sind und die Gefahr droht, von anderen Marktteilnehmern abgehängt zu werden. Massenhafte Aktivitäten über Forschungen in Sozialen Medien mit den üblichen vollmundigen Aussagen versuchen zwar, die finanzielle Erfolglosigkeit zu kaschieren, die Historie der praktisch nicht vorhandenen Unternehmensfortschritte in Bezug auf Börsenankündigungen zeichnet aber ein anderes Bild.
Ein guter Gradmesser für die Marktreife neuer Technologien sind in der Halbleiterbranche grundsätzlich Übernahmeangebote. Jensen Huang von Nvidia brachte es einmal auf den Punkt: "Wir forschen nicht an neuen Technologien, wir kaufen sie". Das ist die übliche Vorgehensweise der Großkonzerne, die in ihrer Historie bis zu hundert Übernahmen ausweisen, um immer auf dem aktuellen Stand der Technologie zu bleiben. Das komplette Ausbleiben jeglicher Übernahmeangebote für Brainchip zeigt dann auch deutlich die bisher fehlende Marktreife. Mittlerweile halten Peter van der Made und Anil Mankar aufgrund der unzähligen Kapitalerhöhungen nur noch genau 10% der ausgegebenen Aktien. Bedeutet, bei der nächsten Kapitalerhöhung rutschen sie unter 10% und fallen damit unter die Sperrminorität, die eine eventuelle Übernahme ausbremsen könnte. Sollte einer der Großkonzerne Interesse an Brainchip entwickeln, wird eine Übernahme kaum zu verhindern sein. Für Altaktionäre ein eher unschönes Szenario, ein Aufschlag von 50-100% zum aktuellen Tageskurs wäre der übliche Rahmen. Beim Stand der technologischen Entwicklung ist zurzeit aber mit einer Übernahme eher nicht zu rechnen.
Fazit:
In den letzten Jahren hat sich eigentlich keine Veränderung ergeben. Nach wie vor handelt es sich um ein Hochrisiko-Investment mit ungewissem Ausgang. Eine nachhaltige positive Kursentwicklung basierend auf Einnahmen wird noch Jahre dauern, vor allem auch weil niedrigpreisige Royalties enorm hohe Stückzahlen erfordern, um überhaupt nennenswerte Einnahmen zu erzielen.
Dies ist mein letzter Beitrag zu Brainchip. Im Laufe der Jahre habe ich dieses Investment deutlich reduziert und mein Fokus liegt mittlerweile auf anderen Werten.
Werte zum Blogbeitrag
| Name | Aktuell | Diff. | Börse |
|---|---|---|---|
| Brainchip Holdings | 0,084 EUR | ±0,00 % | L&S Exchange |
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