Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Weltbank Nächster Begriff: Ausschuss für Zahlungsverkehrs- und Marktinfrastrukturen (CPMI)
Eine der zentralen Institutionen des globalen Finanzsystems
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist eine internationale Finanzorganisation mit Sitz in Basel, Schweiz. Sie wurde 1930 gegründet und gilt als älteste internationale Finanzinstitution der Welt. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, die Zusammenarbeit zwischen Zentralbanken zu fördern, die Stabilität des globalen Finanzsystems zu sichern und als Bank für Zentralbanken zu fungieren. Die BIZ spielt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung internationaler Finanzstandards, insbesondere durch den Basler Ausschuss für Bankenaufsicht, der die Basel-Regelwerke (Basel I, II, III und IV) entwickelt hat.
Entstehung und Entwicklung der BIZ
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich wurde 1930 durch das Haager Abkommen gegründet. Ursprünglich war sie als Abwicklungsstelle für die deutschen Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg vorgesehen. Nach dem Ende der Reparationszahlungen verlagerte sich der Fokus der BIZ zunehmend auf die Koordination der Zentralbanken und die Förderung der internationalen Finanzstabilität.
Während des Zweiten Weltkriegs stand die BIZ wegen ihrer Finanztransaktionen mit Deutschland in der Kritik, überlebte jedoch die Kriegsjahre und entwickelte sich nach 1945 zu einem zentralen Forum für die Zusammenarbeit der Zentralbanken. In den folgenden Jahrzehnten übernahm die BIZ zunehmend eine führende Rolle bei der Entwicklung internationaler Finanz- und Bankenregulierungen.
Struktur und Organisation
Die BIZ ist eine institutionelle Bank für Zentralbanken und gehört insgesamt 63 Zentralbanken weltweit. Die wichtigsten Entscheidungsgremien sind:
- Generalversammlung: Hier treffen sich die Vertreter der Mitgliedszentralbanken und fassen grundlegende Beschlüsse.
- Verwaltungsrat: Besteht aus den Gouverneuren der wichtigsten Zentralbanken und leitet die strategische Entwicklung der BIZ.
- Exekutivausschuss: Verantwortlich für die tägliche Geschäftsführung und Umsetzung der Beschlüsse.
Aufgaben und Funktionen der BIZ
Die BIZ verfolgt mehrere zentrale Aufgaben, die sich auf die Stabilität des internationalen Finanzsystems konzentrieren:
1. Förderung der Zusammenarbeit zwischen Zentralbanken
Die BIZ dient als Forum für Zentralbanken, um über Geldpolitik, Finanzmarktregulierung und makroökonomische Entwicklungen zu diskutieren. Dies trägt zur besseren Koordination internationaler Geldpolitik bei.
2. Überwachung der globalen Finanzstabilität
Die BIZ analysiert Risiken im weltweiten Finanzsystem und veröffentlicht regelmäßige Berichte zur Stabilität der Finanzmärkte. Sie spielt eine Schlüsselrolle bei der Erkennung systemischer Risiken.
3. Entwicklung von Finanz- und Bankenregulierungen
Die BIZ beherbergt mehrere wichtige internationale Ausschüsse, darunter:
- Basler Ausschuss für Bankenaufsicht (BCBS): Entwickelt globale Bankenregulierungen wie Basel I, II, III und IV.
- Ausschuss für das globale Finanzsystem (CGFS): Untersucht Entwicklungen im internationalen Finanzsystem.
- Ausschuss für Zahlungsverkehrs- und Marktinfrastrukturen (CPMI): Fördert sichere und effiziente Zahlungssysteme.
4. Bereitstellung von Bankdienstleistungen für Zentralbanken
Die BIZ verwaltet Währungsreserven von Zentralbanken und bietet ihnen Finanzdienstleistungen an, darunter:
- Verwaltung von Währungsreserven
- Bereitstellung von Liquidität in Krisenzeiten
- Durchführung internationaler Finanztransaktionen
5. Forschung und Publikationen
Die BIZ veröffentlicht regelmäßig Analysen zur globalen Wirtschaft, Geldpolitik und Finanzstabilität. Ihr jährlicher BIZ-Jahresbericht ist eine wichtige Informationsquelle für Zentralbanken, Finanzinstitutionen und Regierungen.
Einfluss der BIZ auf das globale Finanzsystem
Die BIZ hat erheblichen Einfluss auf die Regulierung und Stabilität der internationalen Finanzmärkte. Wichtige Beiträge umfassen:
- Entwicklung der Basel-Regelwerke (Basel I – IV): Diese Vorschriften legen Eigenkapitalanforderungen für Banken fest und stärken die Finanzstabilität.
- Krisenbewältigung: Die BIZ spielte eine zentrale Rolle bei der Koordination von Maßnahmen während der Finanzkrise 2008.
- Förderung sicherer Zahlungssysteme: Die BIZ arbeitet an der Modernisierung globaler Zahlungs- und Abwicklungssysteme.
Kritik an der BIZ
Trotz ihrer wichtigen Rolle gibt es auch Kritik an der BIZ:
- Intransparenz: Da die BIZ nicht direkt demokratisch legitimiert ist, gibt es Vorwürfe mangelnder Transparenz in ihren Entscheidungsprozessen.
- Dominanz der Industrieländer: Die wirtschaftlich mächtigsten Länder haben größeren Einfluss auf die BIZ-Politik als kleinere Volkswirtschaften.
- Begrenzte Durchsetzungsmacht: Die BIZ gibt Empfehlungen und Standards vor, kann diese jedoch nicht direkt durchsetzen.
Fazit
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist eine der zentralen Institutionen des globalen Finanzsystems. Als Bank der Zentralbanken trägt sie zur internationalen Geldpolitik, Bankenaufsicht und Finanzmarktstabilität bei. Durch die Entwicklung von Regulierungsstandards wie den Basel-Vorschriften hat sie die weltweite Bankenlandschaft maßgeblich geprägt. Trotz einiger Kritik bleibt die BIZ eine Schlüsselinstitution für die globale Finanzstabilität und die internationale wirtschaftspolitische Zusammenarbeit.