Bank Holiday von 1933 Börsenlexikon Vorheriger Begriff: National Recovery Administration (NRA) Nächster Begriff: Banking Act von 1933

Eine der entscheidenden Maßnahmen zur Bewältigung der Bankenkrise während der Großen Depression

Der Bank Holiday von 1933 war eine der ersten und bedeutendsten Maßnahmen von Präsident Franklin D. Roosevelt zur Bewältigung der Bankenkrise während der Großen Depression. Durch die Schließung aller Banken in den Vereinigten Staaten für mehrere Tage sollte das Finanzsystem stabilisiert, das Vertrauen der Bevölkerung in die Banken wiederhergestellt und eine drohende vollständige Bankenkatastrophe verhindert werden.

Hintergrund: Die Bankenkrise während der Weltwirtschaftskrise

Die Weltwirtschaftskrise, die 1929 mit dem Börsencrash begann, hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das Finanzsystem der USA. Viele Banken gerieten in Schwierigkeiten, da Kreditnehmer ihre Schulden nicht zurückzahlen konnten und Investitionen in Wertpapiere stark an Wert verloren. Aufgrund des Fehlens einer Einlagensicherung befürchteten Sparer, ihre Ersparnisse zu verlieren, und begannen, ihr Geld in großen Mengen von den Banken abzuheben – ein Phänomen, das als Bank Run bekannt ist.

Zwischen 1929 und 1933 mussten etwa 9.000 Banken schließen, wodurch Millionen von Amerikanern ihre Ersparnisse verloren. Dies verschärfte die wirtschaftliche Krise weiter, da der Mangel an verfügbarem Kapital Unternehmen daran hinderte, zu investieren oder Löhne zu zahlen. Im Februar 1933, kurz vor Roosevelts Amtsantritt, hatte sich die Situation dramatisch zugespitzt: Täglich kam es zu neuen Bankenschließungen, und das Finanzsystem stand kurz vor dem völligen Zusammenbruch.

Die Entscheidung zum Bank Holiday

Am 4. März 1933 wurde Franklin D. Roosevelt als 32. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Eine seiner ersten Amtshandlungen bestand darin, den Bank Holiday auszurufen. Am 6. März 1933 ordnete Roosevelt per Exekutivanordnung an, dass alle Banken des Landes für vier Tage geschlossen bleiben sollten. Dieses Moratorium gab der Regierung Zeit, Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsystems zu ergreifen.

Der Emergency Banking Act von 1933

Während des Bank Holidays arbeitete die Regierung an neuen Gesetzen zur Regulierung des Bankensystems. Am 9. März 1933 verabschiedete der Kongress in einer Sondersitzung den Emergency Banking Act, der Roosevelt weitreichende Befugnisse zur Sanierung des Bankensektors verlieh. Die wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes waren:

  • Banken wurden verpflichtet, ihre finanzielle Situation von der Regierung überprüfen zu lassen.
  • Nur finanziell gesunde Banken durften nach dem Bank Holiday wieder öffnen.
  • Die Federal Reserve erhielt erweiterte Befugnisse, um Banken mit Liquidität zu unterstützen.
  • Banken erhielten Zugang zu neuen Krediten, um die Auszahlung von Einlagen sicherzustellen.
  • Das Finanzministerium konnte Maßnahmen zur Stabilisierung der Banken ergreifen, einschließlich staatlicher Unterstützung für angeschlagene Institute.

Am 10. März 1933 hielt Roosevelt seine erste Fireside Chat-Radioansprache, in der er der amerikanischen Bevölkerung erklärte, warum der Bank Holiday notwendig war und dass nur solide Banken wieder geöffnet würden. Diese direkte Kommunikation trug erheblich zur Beruhigung der Öffentlichkeit bei.

Wiedereröffnung der Banken und Wiederherstellung des Vertrauens

Am 13. März 1933 öffneten die ersten Banken, und in den folgenden Tagen wurde der normale Betrieb nach und nach wieder aufgenommen. Die Bevölkerung reagierte überraschend positiv: Statt weiterhin Geld von den Banken abzuheben, begannen viele Sparer, ihr Bargeld wieder einzuzahlen. Innerhalb weniger Wochen war das Vertrauen in das Bankensystem weitgehend wiederhergestellt, und der Finanzsektor stabilisierte sich.

Langfristige Auswirkungen

Der Bank Holiday von 1933 war nicht nur eine kurzfristige Maßnahme zur Krisenbewältigung, sondern auch der Ausgangspunkt für umfassende Reformen im US-Bankensystem. In den folgenden Monaten wurden mehrere wichtige Gesetze verabschiedet:

  • Glass-Steagall Act (1933): Dieses Gesetz führte die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) ein, die Bankeinlagen absicherte und damit das Risiko von Bank Runs reduzierte. Zudem wurde die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken eingeführt, um spekulative Exzesse zu begrenzen.
  • Banking Act of 1935: Dieses Gesetz stärkte die Rolle der Federal Reserve und gab der Zentralbank mehr Kontrolle über die Geldpolitik.

Dank dieser Reformen und der neuen Aufsichtsstrukturen konnte das US-Bankensystem in den folgenden Jahren stabilisiert werden.

Fazit

Der Bank Holiday von 1933 war eine der entscheidenden Maßnahmen zur Bewältigung der Bankenkrise während der Großen Depression. Durch die temporäre Schließung der Banken konnte die Regierung dringend benötigte Reformen umsetzen und das Vertrauen in das Finanzsystem wiederherstellen. Der Erfolg dieser Maßnahme zeigte die Bedeutung staatlicher Eingriffe in Krisenzeiten und legte den Grundstein für die Modernisierung des US-Bankensystems. Viele der damals eingeführten Regulierungen, insbesondere die Einlagensicherung durch die FDIC, sind bis heute zentrale Bestandteile der Finanzmarktaufsicht in den USA.