Bankenkrise von 1933 Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Weltwirtschaftskrise von 1929 Nächster Begriff: Energiekrise der 1970er

Ein entscheidender Moment in der Geschichte der Weltwirtschaft, der die Schwächen eines unregulierten Bankensystems verdeutlichte und zeigte, wie ein Mangel an Vertrauen zu einer tiefen wirtschaftlichen Krise führen kann

Die Bankenkrise von 1933 war eine der schwersten Finanzkrisen in der Geschichte der Vereinigten Staaten und ein Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise von 1929. Sie führte zu massenhaften Bankenschließungen, dramatischen Vermögensverlusten und einer tiefgreifenden Vertrauenskrise im Finanzsystem. Die Krise eskalierte so stark, dass die Regierung unter Präsident Franklin D. Roosevelt gezwungen war, drastische Maßnahmen zu ergreifen, darunter eine landesweite Bankschließung („Bank Holiday“) und die Einführung neuer Regulierungen zur Stabilisierung des Bankensektors.

Ursachen der Bankenkrise von 1933

Die Krise entwickelte sich über mehrere Jahre hinweg und hatte eine Vielzahl von Ursachen, die sich gegenseitig verstärkten.

  1. Folgen des Börsencrashs von 1929

    • Der Börsenkollaps an der Wall Street im Oktober 1929 vernichtete Milliarden an Vermögen und führte zu massiven Kreditausfällen.
    • Viele Banken hatten Kredite an Spekulanten vergeben, die nach dem Crash nicht mehr bedient werden konnten.
  2. Bank-Runs und Vertrauensverlust

    • Die Angst vor Bankenzusammenbrüchen führte dazu, dass Menschen massenhaft ihr Geld abhoben (Bank-Runs).
    • Da Banken nur einen Bruchteil der Einlagen als Bargeldreserven hielten, gerieten viele Institute in Liquiditätsprobleme.
  3. Fehlende Einlagensicherung

    • Anders als heute gab es in den USA damals keine staatliche Einlagensicherung.
    • Kunden, die ihr Geld abheben wollten, fanden sich oft vor geschlossenen Banken wieder, da diese zahlungsunfähig waren.
  4. Wirtschaftliche Deflation und Kreditklemme

    • Durch die Krise kam es zu einem massiven Preisverfall (Deflation), der Unternehmen und Landwirte in Zahlungsschwierigkeiten brachte.
    • Banken vergaben kaum noch Kredite, was die Wirtschaft weiter in die Rezession trieb.
  5. Fehlende staatliche Interventionen

    • Die Regierung unter Präsident Herbert Hoover (1929–1933) hielt lange an einer Laissez-faire-Politik fest und griff nur zögerlich ein.
    • Erst mit dem Amtsantritt von Franklin D. Roosevelt im März 1933 änderte sich die Politik grundlegend.

Verlauf der Bankenkrise von 1933

Die Krise spitzte sich in den ersten Monaten des Jahres 1933 dramatisch zu:

Zeitraum Ereignis
1929-1932 Mehr als 5.000 Banken mussten schließen, Millionen Sparer verloren ihr Geld.
Februar 1933 Massenhafte Bank-Runs in mehreren Bundesstaaten.
3. März 1933 Banken in 32 von 48 US-Bundesstaaten sind geschlossen oder eingeschränkt im Betrieb.
4. März 1933 Amtsantritt von Präsident Franklin D. Roosevelt.
6. März 1933 Roosevelt erklärt einen landesweiten „Bank Holiday“, alle Banken müssen schließen.
9. März 1933 Einführung des „Emergency Banking Act“, Banken dürfen nur nach staatlicher Prüfung wieder öffnen.
12. März 1933 Roosevelt beruhigt die Bevölkerung in seiner ersten „Fireside Chat“-Rede.
13. März 1933 Erste Banken öffnen wieder, Vertrauen kehrt langsam zurück.

Maßnahmen zur Bekämpfung der Bankenkrise

Die Roosevelt-Regierung ergriff eine Reihe von Maßnahmen, um das Bankensystem zu stabilisieren:

  1. „Bank Holiday“ – Nationale Bankschließung (6. März 1933)

    • Roosevelt ordnete eine landesweite viertägige Bankschließung an, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.
    • Während dieser Zeit wurden alle Banken überprüft und nur finanziell gesunde Institute durften wieder öffnen.
  2. Emergency Banking Act (9. März 1933)

    • Gesetz, das der Regierung das Recht gab, Banken zu regulieren und zu stabilisieren.
    • Schwache Banken wurden geschlossen oder saniert, starke Banken durften wieder öffnen.
  3. Einführung der Einlagensicherung (Glass-Steagall Act, Juni 1933)

    • Die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) wurde gegründet, um Bankeinlagen bis zu einer bestimmten Summe zu garantieren.
    • Dies verhinderte zukünftige Bank-Runs, da Kunden sicher sein konnten, dass ihre Ersparnisse geschützt waren.
  4. Trennung von Investment- und Geschäftsbanken (Glass-Steagall Act, 1933)

    • Um spekulative Risiken zu reduzieren, wurde die Trennung zwischen Investmentbanken und Geschäftsbanken eingeführt.
    • Geschäftsbanken durften keine riskanten Börsengeschäfte mehr betreiben.
  5. Fireside Chats – Vertrauensbildung durch Kommunikation

    • Roosevelt hielt regelmäßige **Radioansprachen („Fireside Chats“) **, um die Bevölkerung zu beruhigen.
    • Bereits nach seiner ersten Rede am 12. März 1933 begannen Bürger, ihr Geld wieder auf die Banken einzuzahlen.

Auswirkungen der Bankenkrise

Die Krise hatte tiefgreifende wirtschaftliche und politische Folgen:

  1. Erholung des Bankensystems

    • Nach dem „Bank Holiday“ öffneten über 70 % der Banken wieder, da sie als stabil eingestuft wurden.
    • Der massive Vertrauensverlust in das Bankensystem konnte durch die Einführung der Einlagensicherung gestoppt werden.
  2. Wiederbelebung der Wirtschaft durch den „New Deal“

    • Die Bankenreform war der erste Schritt im umfassenden New Deal-Programm zur wirtschaftlichen Erholung.
    • Durch staatliche Investitionen und Arbeitsprogramme konnte die Wirtschaft langsam wiederbelebt werden.
  3. Langfristige Finanzmarktregulierung

    • Die Regulierung des Bankensektors wurde nachhaltig verbessert, insbesondere durch den Glass-Steagall Act.
    • Die FDIC existiert bis heute als wichtiges Instrument zur Einlagensicherung.

Vergleich mit späteren Bankenkrisen

Krise Ursache Hauptfolge Maßnahmen
1933 (Bankenkrise USA) Bank-Runs, Börsencrash 1929 Bankenschließungen, wirtschaftlicher Zusammenbruch „Bank Holiday“, FDIC, New Deal
2008 (Finanzkrise) Immobilienblase, Bankenkrise Bankenrettungen, Rezession Bailouts, strengere Regulierung

Fazit

Die Bankenkrise von 1933 war ein entscheidender Moment in der Geschichte der Weltwirtschaft. Sie verdeutlichte die Schwächen eines unregulierten Bankensystems und zeigte, wie ein Mangel an Vertrauen zu einer tiefen wirtschaftlichen Krise führen kann. Die Maßnahmen der Roosevelt-Regierung, insbesondere die Einführung der Einlagensicherung und die Trennung von Bankgeschäften, schufen die Grundlage für ein stabileres Finanzsystem.

Die Krise von 1933 dient als Lehrbeispiel für die Bedeutung staatlicher Regulierung und Kriseninterventionen, insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit. Viele der damals eingeführten Maßnahmen haben bis heute Bestand und sind entscheidend für die Stabilität der modernen Finanzmärkte.