Banking Act von 1933 Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Bank Holiday von 1933 Nächster Begriff: Banking Act von 1935

Ein Meilenstein in der Geschichte des US-Finanzwesens, der durch die Einführung der FDIC, die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken und die Stärkung der Bankenaufsicht den Grundstein für ein stabileres und sichereres Bankensystem legte

Der Banking Act von 1933 war eines der bedeutendsten Finanzgesetze in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Er wurde als Reaktion auf die schwere Bankenkrise während der Großen Depression verabschiedet und führte umfassende Reformen ein, um das Finanzsystem zu stabilisieren und das Vertrauen der Bevölkerung in Banken wiederherzustellen. Das Gesetz enthielt eine Reihe von Bestimmungen zur Regulierung des Bankensektors, darunter die Einführung der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) und die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken durch den Glass-Steagall Act, der ein zentraler Bestandteil des Banking Act war.

Hintergrund: Die Bankenkrise während der Weltwirtschaftskrise

Nach dem Börsencrash von 1929 geriet das amerikanische Bankensystem in eine tiefe Krise. Eine Vielzahl von Banken musste schließen, weil Kunden in Panik ihre Einlagen abzogen (Bank Runs), Unternehmen und Privatpersonen Kredite nicht mehr zurückzahlen konnten und Banken durch riskante Investitionen große Verluste erlitten. Zwischen 1929 und 1933 gingen etwa 9.000 Banken in den USA bankrott, wodurch Millionen Menschen ihre Ersparnisse verloren.

Die Situation erreichte im Frühjahr 1933 einen kritischen Punkt: Tausende von Banken waren zahlungsunfähig, und das Vertrauen der Bevölkerung in das Finanzsystem war praktisch nicht mehr vorhanden. Franklin D. Roosevelt, der am 4. März 1933 als Präsident vereidigt wurde, reagierte sofort mit einem Bank Holiday, bei dem alle Banken für mehrere Tage geschlossen wurden, um eine weitere Panik zu verhindern. Während dieses Moratoriums wurde der Banking Act von 1933 ausgearbeitet, um die strukturellen Probleme des Bankensystems anzugehen.

Die wichtigsten Bestimmungen des Banking Act von 1933

Der Banking Act von 1933 war ein weitreichendes Reformgesetz mit mehreren zentralen Elementen:

1. Einführung der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC)

Eine der gravierendsten Auswirkungen der Bankenkrise war der massive Verlust von Einlagen durch Bankenzusammenbrüche. Um das Vertrauen der Bevölkerung wiederherzustellen, führte der Banking Act die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) ein. Diese Institution garantierte Bankeinlagen bis zu einem bestimmten Betrag, sodass Kunden im Falle einer Bankenpleite ihr Geld nicht mehr vollständig verlieren würden.

Zu den Hauptmerkmalen der FDIC gehörten:

  • Einlagensicherung für private Spar- und Girokonten (anfänglich bis zu 2.500 US-Dollar, heute deutlich höher).
  • Regelmäßige Überprüfung und Regulierung von Banken, die FDIC-Versicherung in Anspruch nahmen.
  • Förderung von Vertrauen in das Bankensystem, da Sparer sicher sein konnten, dass ihre Gelder geschützt waren.

Diese Maßnahme reduzierte zukünftige Bank Runs erheblich und stärkte das Bankensystem langfristig.

2. Glass-Steagall Act: Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken

Ein weiteres zentrales Element des Banking Act war die Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken, die als Glass-Steagall Act bekannt wurde (benannt nach den Kongressabgeordneten Carter Glass und Henry Steagall, die das Gesetz einbrachten).

Diese Regelung sollte verhindern, dass Geschäftsbanken, die Kundeneinlagen verwalten, in riskante Spekulationsgeschäfte verwickelt werden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten viele Banken Kundeneinlagen verwendet, um an den Finanzmärkten zu spekulieren. Nach dem Börsencrash von 1929 hatte sich gezeigt, dass diese Praxis das Finanzsystem extrem anfällig machte.

Die wichtigsten Punkte des Glass-Steagall Acts waren:

  • Geschäftsbanken durften keine Investmentbanking-Dienstleistungen wie Wertpapierhandel, Emission von Aktien oder Anleihen betreiben.
  • Investmentbanken durften keine Kundeneinlagen annehmen oder klassische Bankdienstleistungen anbieten.
  • Banken mussten sich für eine der beiden Geschäftsmodelle entscheiden – entweder als Geschäftsbank oder als Investmentbank operieren.

Diese Trennung blieb bis zur teilweisen Aufhebung des Glass-Steagall Acts im Jahr 1999 durch den Gramm-Leach-Bliley Act bestehen. Viele Experten argumentieren, dass die Aufhebung dieser Regulierung zur Finanzkrise von 2008 beigetragen hat.

3. Einschränkung spekulativer Bankgeschäfte

Neben der Trennung von Bankentypen führte der Banking Act von 1933 weitere Vorschriften ein, um exzessive Spekulationen zu verhindern. Beispielsweise wurde Banken untersagt, in risikoreiche Wertpapiere zu investieren, die nicht direkt mit klassischen Bankdienstleistungen wie Krediten oder Hypotheken zusammenhingen.

4. Stärkung der Federal Reserve

Die Rolle der Federal Reserve (Zentralbank der USA) wurde erweitert, indem sie mehr Kontrolle über die Geldpolitik und die Bankenaufsicht erhielt. Dies sollte sicherstellen, dass das Bankensystem besser reguliert und in Krisensituationen effektiver stabilisiert werden konnte.

Auswirkungen und Erfolg des Banking Act von 1933

Der Banking Act von 1933 hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das US-Finanzsystem:

  • Stabilisierung der Bankenlandschaft: Nach der Einführung der FDIC und der neuen Regulierungen nahm das Vertrauen in Banken stark zu. Innerhalb weniger Monate kehrten viele Sparer zurück, und das Bankensystem stabilisierte sich.
  • Reduzierung von Bankpleiten: In den Jahren nach 1933 sank die Zahl der Bankenzusammenbrüche drastisch, da strengere Vorschriften und Aufsichtsmechanismen eingeführt wurden.
  • Sicherere Spareinlagen: Durch die Einlagensicherung waren Kunden besser geschützt, was langfristig zu mehr finanzieller Sicherheit führte.
  • Regulierung der Finanzmärkte: Der Glass-Steagall Act sorgte für eine klare Trennung zwischen spekulativen und klassischen Bankgeschäften, wodurch das Risiko von Finanzkrisen verringert wurde.

Kritik und spätere Entwicklungen

Obwohl der Banking Act von 1933 allgemein als Erfolg gewertet wurde, gab es auch Kritik:

  • Einige Wirtschaftswissenschaftler argumentierten, dass die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken zu restriktiv sei und die Kapitalbeschaffung erschwere.
  • Banken beklagten sich über die strikten Vorgaben, die ihre Flexibilität einschränkten.
  • In den 1980er- und 1990er-Jahren begann eine schrittweise Deregulierung des Bankensektors, die schließlich zur Abschaffung des Glass-Steagall Acts im Jahr 1999 führte.

Nach der Finanzkrise von 2008 gab es erneute Diskussionen über die Wiedereinführung strengerer Regulierungen, was zur Verabschiedung des Dodd-Frank Act (2010) führte, der einige der früheren Schutzmaßnahmen wiederherstellte.

Fazit

Der Banking Act von 1933 war ein Meilenstein in der Geschichte des US-Finanzwesens. Durch die Einführung der FDIC, die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken und die Stärkung der Bankenaufsicht legte er den Grundstein für ein stabileres und sichereres Bankensystem. Obwohl einige seiner Bestimmungen später aufgehoben wurden, bleibt seine Bedeutung als Reaktion auf die Weltwirtschaftskrise unbestritten. Viele der Prinzipien, die im Banking Act von 1933 festgelegt wurden, haben bis heute Einfluss auf die Finanzmarktregulierung und dienen als Vorbild für moderne Bankengesetze weltweit.