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Eines der prägendsten FinTech-Unternehmen im Kryptobereich und eine der ersten Plattformen, die zinsbasierte Finanzprodukte für digitale Assets einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machte

BlockFi war ein US-amerikanisches FinTech-Unternehmen, das sich auf Kreditvergabe, Zinskonten und Finanzdienstleistungen im Bereich Kryptowährungen spezialisiert hatte. Gegründet im Jahr 2017, zählte BlockFi zu den Pionieren der Krypto-Kreditwirtschaft und war ein zentraler Akteur im aufstrebenden Sektor der sogenannten Krypto-Finanzprodukte, bei denen Nutzer ihre Kryptowährungen als Sicherheit hinterlegen oder verzinst anlegen konnten. Ziel des Unternehmens war es, eine Brücke zwischen traditionellen Finanzdienstleistungen und der Welt digitaler Assets zu schlagen.

Nach Jahren starken Wachstums und zahlreicher Innovationen geriet BlockFi jedoch im Zuge des Zusammenbruchs der Krypto-Börse FTX in finanzielle Schwierigkeiten und meldete Ende 2022 Insolvenz an. Der Fall BlockFi gilt heute als warnendes Beispiel für die Risiken zentralisierter Krypto-Plattformen, trotz innovativer Geschäftsmodelle.

Geschäftsmodell und Kernprodukte

BlockFi bot eine breite Palette an Finanzdienstleistungen an, die auf der Nutzung von Kryptowährungen basierten. Das Geschäftsmodell kombinierte klassische Bankprodukte mit Blockchain-Technologie, wobei das Unternehmen als zentraler Vermittler fungierte.

1. Krypto-Zinskonten (BlockFi Interest Account, BIA)

Kunden konnten Kryptowährungen wie Bitcoin (BTC), Ethereum (ETH), Litecoin (LTC) oder Stablecoins (z. B. USDC, GUSD) auf einem BlockFi-Konto hinterlegen und dafür regelmäßige Zinsen in derselben Währung erhalten. Die Zinssätze lagen teils deutlich über traditionellen Bankeinlagen, etwa:

  • BTC: 3–6 % p. a.

  • ETH: 4–5 % p. a.

  • Stablecoins: bis zu 9 % p. a.

Die Erträge resultierten aus der Verleihung dieser Assets an institutionelle Partner, darunter Börsen und Hedgefonds.

2. Krypto-gestützte Kredite

BlockFi ermöglichte es Nutzern, Fiat-Währungen wie USD gegen die Hinterlegung von Krypto-Assets zu leihen. Der Kreditnehmer musste einen bestimmten Loan-to-Value (LTV)-Wert einhalten, z. B.:

\[ \text{LTV} = \frac{\text{Kreditbetrag}}{\text{Wert der hinterlegten Kryptowährung}} \leq 50\,\% \]

Bei Unterschreitung der Sicherheitsgrenze durch Kursverfall wurden Zwangsliquidationen durchgeführt.

Vorteile dieser Kredite:

  • Kein Verkauf von Krypto-Assets notwendig

  • Keine Bonitätsprüfung (nur KYC)

  • Sofortige Auszahlung bei Besicherung

3. BlockFi-Kreditkarte

BlockFi brachte gemeinsam mit Visa eine Bitcoin Rewards Credit Card auf den Markt. Nutzer erhielten 1,5 % Cashback in Bitcoin auf ihre Einkäufe. Die Funktionalität entsprach traditionellen Kreditkarten, der Anreiz bestand jedoch in der automatisierten Umwandlung der Belohnungen in BTC, die dem BlockFi-Konto gutgeschrieben wurden.

Technologische Infrastruktur

BlockFi war zentral organisiert, das heißt: Die Assets der Kunden lagen beim Unternehmen selbst, nicht auf der Blockchain oder in Smart Contracts. Die Plattform verband sich jedoch mit Krypto-Wallets, Handelsplätzen und Verwahrern wie Gemini Trust Company zur sicheren Verwahrung.

Die angebotenen Dienste wurden über eine klassische Webplattform sowie eine mobile App bereitgestellt, mit API-Zugang für Entwickler und institutionelle Kunden.

Regulatorische Herausforderungen

BlockFi wurde in den USA und anderen Jurisdiktionen zunehmend regulatorisch überprüft, insbesondere wegen der Zinskonten (BIAs), die von einigen Behörden als nicht registrierte Wertpapierprodukte eingestuft wurden.

Im Februar 2022 einigte sich BlockFi mit der US-Börsenaufsicht SEC auf die Zahlung einer Strafe in Höhe von 100 Millionen US-Dollar. Dies war die bis dahin höchste Regulierungssanktion gegen ein Krypto-Unternehmen und hatte zur Folge, dass BlockFi das Zinsangebot für neue US-Kunden einstellte.

Insolvenz und Verbindung zu FTX

Im November 2022 wurde bekannt, dass BlockFi finanziell stark von der FTX-Gruppe abhängig war, die kurz zuvor spektakulär zusammengebrochen war. BlockFi hatte Kredite an FTX und deren Schwesterfirma Alameda Research vergeben und zugleich Kundengelder dort deponiert.

Die Folge: Am 28. November 2022 beantragte BlockFi offiziell Gläubigerschutz nach Chapter 11 in den USA.

Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen:

  • über 100.000 Gläubiger

  • geschätzte Verbindlichkeiten von 1–10 Milliarden US-Dollar

  • Forderungen gegen FTX/Alameda in Millionenhöhe

Die Insolvenzverwalter bemühten sich seither um die Reorganisation und Rückzahlung von Kundengeldern, was durch die Verflechtungen mit anderen insolventen Krypto-Firmen erheblich erschwert wurde.

Bedeutung für den Krypto-Finanzmarkt

BlockFi galt als Vorreiter einer neuen Generation von Krypto-Finanzdienstleistern, die klassische Finanzinstrumente mit digitalen Assets verbanden. Das Unternehmen:

  • Popularisierte Zinsprodukte für Kryptowährungen

  • Ermöglichte Zugang zu Krypto-Liquidität ohne Verkauf

  • Trug zur Adoption von Bitcoin als Wertspeicher und Zahlungsmittel bei

  • Diente als Blaupause für zahlreiche ähnliche Plattformen (z. B. Celsius, Nexo, Voyager)

Gleichzeitig zeigte der Zusammenbruch von BlockFi deutlich die systemischen Risiken zentralisierter Plattformen, insbesondere im Zusammenspiel mit unzureichender Transparenz, fehlender Risikostreuung und schwacher Regulierung.

Fazit

BlockFi war eines der prägendsten FinTech-Unternehmen im Kryptobereich und eine der ersten Plattformen, die zinsbasierte Finanzprodukte für digitale Assets einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machte. Mit innovativen Dienstleistungen wie Krypto-Krediten, Bitcoin-Kreditkarten und Zinskonten schuf BlockFi ein Bindeglied zwischen traditioneller Finanzwelt und Blockchain-Ökonomie.

Doch der dramatische Niedergang infolge der FTX-Krise und regulatorischer Versäumnisse verdeutlichte auch die Schattenseiten zentralisierter Krypto-Finanzdienstleister. BlockFi bleibt damit sowohl Symbol des Fortschritts als auch Mahnung für die Notwendigkeit von Transparenz, Risikomanagement und Aufsicht im Krypto-Finanzwesen.