Bretton-Woods-Konferenz Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Reservewährung Nächster Begriff: Regulatory Oversight Committee (ROC)
Ein Meilenstein in der Geschichte der internationalen Finanzordnung
Die Bretton-Woods-Konferenz war eine internationale Konferenz, die vom 1. bis 22. Juli 1944 im Mount Washington Hotel in Bretton Woods, New Hampshire, USA stattfand. Ihr Ziel war die Schaffung eines neuen weltweiten Währungssystems nach dem Zweiten Weltkrieg, um wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten und eine Wiederholung der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre zu verhindern.
Auf der Konferenz wurde das Bretton-Woods-System beschlossen, das bis 1973 das internationale Finanz- und Währungssystem dominierte. Zudem wurden zwei zentrale Institutionen gegründet:
- Der Internationale Währungsfonds (IWF) – zur Stabilisierung von Währungen und Unterstützung von Ländern mit Zahlungsbilanzproblemen.
- Die Weltbank (damals: Internationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, IBRD) – zur Finanzierung des Wiederaufbaus und der wirtschaftlichen Entwicklung.
Hintergrund der Bretton-Woods-Konferenz
Der Zweite Weltkrieg hatte massive wirtschaftliche Verwerfungen verursacht. Viele Währungen waren instabil, Handelsschranken nahmen zu, und es bestand die Gefahr, dass sich die wirtschaftliche Unsicherheit der 1930er Jahre wiederholte. Die Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise (1929–1939) hatten gezeigt, dass unkontrollierte Wechselkurse, Protektionismus und Währungsabwertungen das globale Wirtschaftssystem gefährden konnten.
Die Hauptziele der Konferenz waren daher:
- Ein stabiles internationales Währungssystem zu schaffen, das wirtschaftliches Wachstum und Handel fördert.
- Währungsabwertungen zu verhindern, die in den 1930er Jahren zu Handelskriegen führten.
- Einen Mechanismus zur internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit einzuführen.
Die Hauptakteure der Konferenz
An der Konferenz nahmen 730 Delegierte aus 44 alliierten Nationen teil. Die zwei wichtigsten Personen waren:
-
John Maynard Keynes (Großbritannien)
- Keynes schlug eine globale Reservewährung namens "Bancor" vor, um ein flexibles System zu schaffen.
- Er argumentierte für einen ausgeglichenen Welthandel, bei dem nicht nur Schuldnerstaaten, sondern auch Überschussländer Anpassungen vornehmen müssten.
-
Harry Dexter White (USA)
- White setzte sich für ein System mit dem US-Dollar als Ankerwährung ein, gestützt durch Gold.
- Sein Vorschlag setzte sich durch, da die USA nach dem Krieg wirtschaftlich dominierend waren und über die größten Goldreserven verfügten.
Beschlüsse der Bretton-Woods-Konferenz
Die Konferenz führte zur Schaffung des Bretton-Woods-Systems, das auf den folgenden Prinzipien basierte:
-
Feste Wechselkurse mit Anpassungsmöglichkeit
- Nationale Währungen wurden an den US-Dollar gebunden, der wiederum mit Gold gedeckt war.
- Der Wechselkurs musste stabil bleiben, konnte aber in Krisenzeiten um bis zu 10 % angepasst werden.
-
Der US-Dollar als Leitwährung
- Da die USA nach dem Krieg über zwei Drittel der weltweiten Goldreserven verfügten, wurde der US-Dollar zur Reservewährung.
- Die USA garantierten, dass 1 Unze Gold = 35 US-Dollar betrug.
-
Schaffung des IWF und der Weltbank
- Der IWF wurde gegründet, um Ländern mit kurzfristigen Zahlungsbilanzproblemen Kredite zu gewähren und Währungsstabilität zu sichern.
- Die Weltbank wurde zur Finanzierung von Wiederaufbauprojekten und wirtschaftlicher Entwicklung ins Leben gerufen.
-
Kapitalverkehrskontrollen
- Länder durften den freien Kapitalfluss einschränken, um spekulative Angriffe auf ihre Währungen zu verhindern.
Vorteile des Bretton-Woods-Systems
Das System brachte mehrere Vorteile für die Weltwirtschaft:
- Stabile Wechselkurse förderten den internationalen Handel.
- Vermeidung von Währungskriegen und exzessiven Abwertungen.
- Der IWF bot Krisenländern finanzielle Unterstützung, um Zahlungsbilanzkrisen zu verhindern.
- Die Weltbank half beim Wiederaufbau Europas und später bei der Entwicklung ärmerer Länder.
Probleme und Zusammenbruch des Systems
Obwohl das Bretton-Woods-System in den ersten Jahrzehnten erfolgreich war, traten ab den 1960er Jahren zunehmende Probleme auf:
-
Ungleichgewicht zwischen den USA und dem Rest der Welt
- Die USA mussten große Mengen an US-Dollar in Umlauf bringen, um das System stabil zu halten.
- Dies führte zu einer steigenden Inflation und einem Verlust des Vertrauens in die Dollar-Gold-Bindung.
-
Handelsüberschüsse in anderen Ländern
- Länder wie Deutschland und Japan bauten große Handelsüberschüsse auf, während die USA Defizite hatten.
- Das System hatte keinen effektiven Mechanismus, um diese Ungleichgewichte auszugleichen.
-
Goldknappheit und Vertrauensverlust
- Die Goldreserven der USA reichten nicht aus, um alle im Umlauf befindlichen US-Dollar mit Gold zu decken.
- Länder begannen, ihre Dollarreserven gegen Gold einzutauschen, insbesondere Frankreich unter Charles de Gaulle.
-
Ende der Dollar-Gold-Bindung (1971)
- US-Präsident Richard Nixon hob am 15. August 1971 die Konvertierbarkeit des US-Dollars in Gold auf (sogenannter „Nixon-Schock“).
- Dies bedeutete faktisch das Ende des Bretton-Woods-Systems und den Übergang zu flexiblen Wechselkursen.
Bedeutung der Bretton-Woods-Konferenz für die Weltwirtschaft
Obwohl das Bretton-Woods-System 1973 offiziell zusammenbrach, hatte die Konferenz langfristige Auswirkungen:
- Der IWF und die Weltbank existieren bis heute und spielen eine zentrale Rolle in der globalen Finanzarchitektur.
- Der US-Dollar blieb die wichtigste Reservewährung, auch nach dem Ende der Golddeckung.
- Die Idee einer internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit wurde gestärkt, was zur Entstehung weiterer Institutionen wie der G7, G20 und WTO führte.
- Flexible Wechselkurse setzten sich durch, die heute den Devisenhandel bestimmen.
Fazit
Die Bretton-Woods-Konferenz war ein Meilenstein in der Geschichte der internationalen Finanzordnung. Sie schuf ein stabiles Währungssystem, das das Wirtschaftswachstum in den Nachkriegsjahrzehnten unterstützte. Obwohl das System scheiterte, hinterließ es dauerhafte Institutionen wie den IWF und die Weltbank, die auch heute noch entscheidend für die weltweite Finanzstabilität sind.
Die Grundideen der Konferenz – internationale Kooperation, Währungsstabilität und wirtschaftliche Entwicklung – bleiben weiterhin zentrale Themen in der globalen Finanzpolitik.