Emergency Banking Relief Act (EBRA) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Federal Deposit Insurance Reform Act (FDIRA) Nächster Begriff: Civilian Conservation Corps (CCC)
Ein entscheidender Schritt zur Rettung des US-Finanzsystems während der Großen Depression
Der Emergency Banking Relief Act (EBRA) war ein entscheidendes Gesetz, das am 9. März 1933 vom US-Kongress verabschiedet wurde. Es wurde als eine der ersten Maßnahmen von Präsident Franklin D. Roosevelt während der Großen Depression erlassen und hatte das Ziel, das kollabierende Bankensystem der Vereinigten Staaten zu stabilisieren.
Das Gesetz gab der US-Regierung weitreichende Befugnisse, um Bankenkrisen zu bewältigen, und legte den Grundstein für spätere Reformen wie den Glass-Steagall Act und die Einführung der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC).
Historischer Kontext
Nach dem Börsencrash von 1929 befand sich die US-Wirtschaft in einer schweren Krise. Die Banken litten unter massiven Einlagenabzügen, und es kam zu einer Kettenreaktion von Bank Runs, bei denen panische Kunden ihre Ersparnisse abheben wollten.
Bankenkrise von 1933
- Zwischen 1930 und 1933 scheiterten mehr als 9.000 Banken in den USA.
- Die Ersparnisse von Millionen von Amerikanern gingen verloren, da es noch keine staatliche Einlagensicherung gab.
- Unternehmen und Privatpersonen konnten kaum noch Kredite aufnehmen, was die wirtschaftliche Situation weiter verschärfte.
Als Franklin D. Roosevelt am 4. März 1933 das Amt des Präsidenten übernahm, war das Finanzsystem am Rande des Zusammenbruchs. Innerhalb weniger Tage erließ er eine nationale Bankschließung („Bank Holiday“), um die Krise zu stoppen.
Am 9. März 1933, nur fünf Tage nach Roosevelts Amtsantritt, verabschiedete der Kongress den Emergency Banking Relief Act, um das Vertrauen der Bevölkerung in das Bankensystem wiederherzustellen.
Inhalte des Emergency Banking Relief Act
Der Emergency Banking Relief Act gab der Bundesregierung und insbesondere dem US-Finanzministerium sowie der Federal Reserve weitreichende Befugnisse, um die Bankenkrise zu bewältigen.
1. Befugnis zur Schließung und Wiedereröffnung von Banken
- Das Gesetz bestätigte die von Roosevelt verhängte nationale Bankschließung und gab der Regierung die Kontrolle über die Wiedereröffnung von Banken.
- Nur finanziell stabile Banken durften nach einer Prüfung durch das Finanzministerium wieder öffnen.
2. Stärkung der Federal Reserve
- Die Federal Reserve erhielt die Befugnis, Banken mit zusätzlichen Notkrediten zu unterstützen, um deren Liquidität zu sichern.
3. Kontrolle über Goldreserven
- Das Gesetz erlaubte der Regierung, Goldreserven von Banken zu beschlagnahmen und den US-Dollar teilweise vom Goldstandard zu lösen.
- Diese Maßnahme erleichterte eine expansivere Geldpolitik zur Bekämpfung der Krise.
4. Einführung neuer Bankvorschriften
- Banken mussten strengere Buchführungsstandards erfüllen und ihre Finanzlage offenlegen.
- Dadurch sollte die öffentliche Kontrolle über das Bankensystem gestärkt werden.
5. Strafen für illegale Bankpraktiken
- Das Gesetz führte härtere Strafen für Banken ein, die sich an spekulativen Geschäften oder betrügerischen Aktivitäten beteiligten.
Auswirkungen des Emergency Banking Relief Act
Das Gesetz hatte sofortige und langfristige Auswirkungen auf das US-Finanzsystem:
Sofortige Effekte (März 1933)
- Vertrauensrückgewinnung: Als die ersten Banken am 13. März 1933 wieder öffneten, strömten die Menschen nicht mehr, um ihr Geld abzuheben, sondern begannen sogar, es wieder einzuzahlen.
- Stopp der Bankenkrise: Die Maßnahmen des Gesetzes stabilisierten das Bankensystem und beendeten die akute Finanzpanik.
- Aufwertung des US-Dollars: Die Beschlagnahmung der Goldreserven gab der Regierung mehr Kontrolle über die Geldmenge.
Langfristige Auswirkungen
- Grundlage für den Glass-Steagall Act (1933): Dieser führte die Trennung von Geschäfts- und Investmentbanken ein und legte die Basis für die spätere Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) zur Einlagensicherung.
- Modernisierung der Bankenregulierung: Das Gesetz markierte den Beginn einer stärkeren staatlichen Kontrolle über Banken in den USA.
- Neudefinition des Goldstandards: Die teilweise Entkopplung vom Goldstandard ermöglichte eine flexiblere Geldpolitik in den folgenden Jahren.
Kritische Betrachtung
Trotz seines Erfolgs war der Emergency Banking Relief Act nicht unumstritten.
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Starke staatliche Eingriffe in den Finanzsektor
- Kritiker sahen in dem Gesetz eine zu starke Zentralisierung der Finanzmacht beim Präsidenten und der Federal Reserve.
- Die Regierung konnte nun Banken ohne gerichtliche Kontrolle schließen.
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Ungleiche Rettung von Banken
- Nur die als „stabil“ eingestuften Banken durften wieder öffnen, während kleinere, schwächere Banken endgültig geschlossen wurden.
- Dadurch verloren viele Menschen ihre Ersparnisse, weil ihre Bank nicht gerettet wurde.
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Goldkonfiskation und Dollar-Entwertung
- Die Regierung forderte Bürger auf, ihr Gold bei der Federal Reserve einzutauschen, was viele als Enteignung betrachteten.
- Die spätere Abwertung des Dollars führte dazu, dass frühere Goldbesitzer einen finanziellen Verlust erlitten.
Vergleich mit späteren Bankenrettungen
Der Emergency Banking Relief Act war die erste große Bankenrettung in den USA. Spätere Finanzkrisen führten zu ähnlichen Maßnahmen:
| Krise | Maßnahmen | Ergebnis |
|---|---|---|
| Bankenkrise 1933 | Emergency Banking Relief Act | Stabilisierung der Banken, Schaffung der FDIC |
| Finanzkrise 2008 | Troubled Asset Relief Program (TARP) | Bankenrettung durch Staatskapital, strengere Regulierung |
| COVID-19-Krise 2020 | Notfallmaßnahmen der Fed, Konjunkturpakete | Stabilisierung der Wirtschaft durch Geldpolitik und fiskalische Unterstützung |
Fazit
Der Emergency Banking Relief Act von 1933 war ein entscheidender Schritt zur Rettung des US-Finanzsystems während der Großen Depression. Das Gesetz stoppte die Bankenkrise, stellte das Vertrauen der Bevölkerung wieder her und ermöglichte weitreichende Reformen.
Es markierte den Beginn einer stärkeren staatlichen Kontrolle über den Finanzsektor und legte die Grundlage für spätere Maßnahmen wie den Glass-Steagall Act und die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC).
Trotz einiger Kritik bleibt der Emergency Banking Relief Act eines der bedeutendsten Gesetze in der US-Wirtschaftsgeschichte und ein Modell für spätere Bankenrettungen.