Fazilität Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Fast Market Nächster Begriff: Future Commission Merchant (FCM)

Eine Kreditlinie oder Finanzierungsvereinbarung, die einem Schuldner flexible Mittelbereitstellung durch einen Gläubiger ermöglicht, um Liquiditätsbedarf kurzfristig zu decken

Fazilität ist ein Begriff aus der Geld- und Kreditwirtschaft und bezeichnet im Allgemeinen eine von einer Zentralbank oder einem Kreditinstitut zur Verfügung gestellte Möglichkeit für Banken oder andere Geschäftspartner, kurzfristig Liquidität aufzunehmen oder überschüssige Mittel anzulegen. Der Begriff leitet sich vom lateinischen facilitas ab, was so viel wie „Leichtigkeit“ oder „Erleichterung“ bedeutet. Entsprechend stellen Fazilitäten eine Art Instrumentarium dar, mit dem Zentralbanken die Geldversorgung steuern und auf aktuelle Marktbedingungen reagieren können. Fazilitäten sind in der Regel standardisierte geldpolitische Instrumente und unterscheiden sich hinsichtlich Laufzeit, Konditionen und Zweck.

Arten von Fazilitäten

Die Europäische Zentralbank (EZB) sowie andere Zentralbanken stellen ihren Partnerbanken mehrere Arten von Fazilitäten zur Verfügung. Diese lassen sich im Wesentlichen in zwei Hauptgruppen unterteilen: ständige Fazilitäten und temporäre Fazilitäten. Im Folgenden liegt der Schwerpunkt auf den ständigen Fazilitäten, da sie für das tägliche Liquiditätsmanagement im Bankensektor von zentraler Bedeutung sind.

1. Spitzenrefinanzierungsfazilität

Die Spitzenrefinanzierungsfazilität ermöglicht es Kreditinstituten, bei der Zentralbank gegen Sicherheiten kurzfristig, in der Regel über Nacht, Liquidität aufzunehmen. Der Zinssatz für diese Fazilität liegt über dem regulären Hauptrefinanzierungssatz und stellt somit eine Art Obergrenze für den Tagesgeldzins am Geldmarkt dar. Die Kreditaufnahme über diese Fazilität erfolgt unbürokratisch und auf Initiative der Geschäftsbanken.

Diese Fazilität dient insbesondere dazu, kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken, beispielsweise bei plötzlichen Mittelabflüssen. Die hohe Verzinsung soll sicherstellen, dass sie nur im Bedarfsfall genutzt wird und keine dauerhafte Finanzierungsmöglichkeit darstellt.

2. Einlagefazilität

Die Einlagefazilität stellt das Gegenstück zur Spitzenrefinanzierungsfazilität dar. Über sie können Geschäftsbanken überschüssige Liquidität über Nacht bei der Zentralbank verzinsen lassen. Der Zinssatz für diese Fazilität liegt in der Regel unter dem Marktzins und bildet somit die Untergrenze des Zinskorridors am Interbankenmarkt.

Durch die Nutzung der Einlagefazilität parken Banken kurzfristig nicht benötigte Mittel bei der Zentralbank, anstatt sie an andere Banken zu verleihen. In Phasen hoher Unsicherheit oder mangelnden Vertrauens im Bankensektor kommt es häufig zu verstärkter Nutzung dieser Fazilität.

3. Weitere Fazilitäten

Neben den beiden ständigen Fazilitäten existieren weitere Formen, die je nach geldpolitischem Rahmen unterschiedlich ausgestaltet sein können. Dazu gehören:

  • Mindestreservefazilitäten: Sie erlauben es Banken, ihre Mindestreservehaltung flexibel über eine bestimmte Periode zu steuern. Zwar handelt es sich dabei nicht um eine klassische Fazilität im engeren Sinne, aber sie beeinflusst die kurzfristige Liquiditätsdisposition.

  • Swap-Fazilitäten: Diese werden zwischen Zentralbanken eingerichtet, um den Zugang zu Fremdwährungen für Geschäftsbanken im jeweiligen Währungsraum zu ermöglichen.

  • Notfallfazilitäten: In Krisenzeiten können Zentralbanken temporäre Fazilitäten schaffen, um die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte zu sichern. Ein Beispiel hierfür war das Pandemic Emergency Longer-Term Refinancing Operations (PELTRO) der EZB während der COVID-19-Pandemie.

Funktion im Rahmen der Geldpolitik

Fazilitäten spielen eine zentrale Rolle bei der Feinsteuerung der Geldpolitik. Die ständigen Fazilitäten begrenzen die Schwankungsbreite der Tagesgeldsätze und sorgen für Stabilität im kurzfristigen Geldmarkt. Die Zentralbank nutzt diese Instrumente, um ihr geldpolitisches Ziel – in der Regel die Preisstabilität – zu erreichen.

Der Zins für die Spitzenrefinanzierungsfazilität wirkt als Zinsobergrenze, da Banken in der Regel keine höheren Zinsen am Markt akzeptieren würden, wenn sie sich bei der Zentralbank günstiger refinanzieren können. Umgekehrt wirkt der Zins der Einlagefazilität als Zinsuntergrenze, weil Banken nicht bereit sind, anderen Marktteilnehmern zu noch schlechteren Konditionen als bei der Zentralbank Mittel zu überlassen.

Somit bilden die beiden Sätze einen Zinskorridor, in dem sich die kurzfristigen Geldmarktsätze bewegen. Veränderungen dieser Zinssätze beeinflussen die allgemeinen Finanzierungskosten im Bankensektor und somit indirekt das Zinsniveau für Unternehmen und Haushalte.

Bedeutung für Geschäftsbanken

Für Geschäftsbanken stellen Fazilitäten ein wesentliches Instrument zur Liquiditätssteuerung dar. Über die Spitzenrefinanzierungsfazilität können sie sich bei Engpässen kurzfristig und planbar mit Zentralbankgeld versorgen. Die Einlagefazilität erlaubt es ihnen hingegen, überschüssige Mittel sicher zu verwahren, ohne auf dem Interbankenmarkt Kreditrisiken eingehen zu müssen.

Die Kenntnis über die aktuellen Konditionen und die richtige Nutzung der Fazilitäten ist für das Treasury-Management von Banken elementar. Die Wahl zwischen Interbankhandel, Zentralbankfazilität oder sonstigen Finanzierungsinstrumenten hängt von der relativen Attraktivität der Zinssätze und der Verfügbarkeit von Sicherheiten ab.

Fazilitäten außerhalb der Zentralbankpolitik

Auch außerhalb der Zentralbankpolitik wird der Begriff „Fazilität“ verwendet, insbesondere im internationalen Kreditwesen. Dort bezieht er sich auf Kreditfazilitäten, die von internationalen Finanzinstitutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF), der Weltbank oder Entwicklungsbanken Staaten oder großen Unternehmen zur Verfügung gestellt werden. Beispiele sind:

  • Stand-by-Kreditfazilitäten des IWF: Diese werden Ländern gewährt, die vorübergehend Zahlungsbilanzschwierigkeiten haben.

  • Flexible Kreditlinien: Sie bieten kurzfristige, bedarfsgerechte Mittelbereitstellung mit weniger Auflagen als klassische Kreditprogramme.

  • Strukturanpassungsfazilitäten: Diese dienen der Unterstützung von Reformprogrammen in Entwicklungsländern.

Auch Banken bieten ihren Firmenkunden Kreditfazilitäten in Form von revolvierenden Kreditlinien oder Betriebsmittelkrediten an, die flexibel abgerufen werden können.

Fazit

Fazilitäten sind ein zentrales Instrument zur Steuerung der Liquidität und zur Sicherung der Stabilität des Finanzsystems. Im engeren Sinne bezieht sich der Begriff auf kurzfristige Liquiditätsangebote der Zentralbank für Geschäftsbanken, insbesondere die Spitzenrefinanzierungs- und die Einlagefazilität. Diese ermöglichen es, kurzfristige Liquiditätsüberschüsse oder -bedarfe effizient zu steuern und gleichzeitig die Geldmarktzinsen zu stabilisieren. Im weiteren Sinne umfasst der Begriff auch längerfristige und internationale Kreditlinien, die Staaten oder Unternehmen flexibel nutzen können. Die Bedeutung von Fazilitäten liegt somit sowohl in ihrer Funktion als geldpolitisches Instrument als auch in ihrer Rolle als Liquiditätspuffer in einem komplexen Finanzsystem.