Federal Reserve Act (1913) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Deposit Insurance Fund (DIF) Nächster Begriff: Savings Association Insurance Fund (SAIF)
Ein Wendepunkt in der US-Finanzgeschichte, der den Grundstein für das heutige Zentralbanksystem legte und half, Finanzkrisen besser zu kontrollieren
Der Federal Reserve Act ist eines der bedeutendsten Gesetze in der Geschichte des US-amerikanischen Finanzsystems. Es wurde am 23. Dezember 1913 vom US-Kongress verabschiedet und legte den Grundstein für das heutige Zentralbanksystem der Vereinigten Staaten – die Federal Reserve (Fed). Ziel des Gesetzes war es, die wiederkehrenden Finanzkrisen und Bankenpaniken, die die US-Wirtschaft im 19. und frühen 20. Jahrhundert destabilisierten, einzudämmen.
Historischer Kontext
Vor der Gründung der Federal Reserve gab es in den USA kein einheitliches Zentralbanksystem. Stattdessen war das Finanzsystem stark fragmentiert und weitgehend unreguliert. Wichtige wirtschaftliche Entwicklungen führten schließlich zur Schaffung der Fed durch den Federal Reserve Act:
1. Unreguliertes Bankenwesen im 19. Jahrhundert
- Im 19. Jahrhundert gab es zahlreiche private Banken, die eigene Banknoten herausgaben.
- Es gab keine zentrale Institution zur Überwachung der Geldmenge oder zur Steuerung der Zinsen.
- Bankenzusammenbrüche waren häufig, da es keine einheitliche Kontrolle über Kreditvergaben gab.
2. Wiederholte Bankenpaniken
- Die Panik von 1873 und die Panik von 1893 führten zu massiven wirtschaftlichen Einbrüchen und Bankenzusammenbrüchen.
- Ohne eine Zentralbank gab es keine Institution, die als „Lender of Last Resort“ (Kreditgeber der letzten Instanz) fungieren konnte.
3. Die Bankenkrise von 1907 als Wendepunkt
- 1907 kam es zu einer schweren Bankenkrise, in der zahlreiche Banken und Unternehmen Insolvenz anmelden mussten.
- Die Krise wurde teilweise durch den Bankier J.P. Morgan entschärft, der private Mittel zur Stabilisierung bereitstellte.
- Dennoch war klar, dass die USA eine institutionalisierte Lösung brauchten, um solche Krisen in Zukunft zu verhindern.
Diese Entwicklungen führten zur Verabschiedung des Federal Reserve Act, der von Senator Nelson W. Aldrich und Abgeordnetem Carter Glass mitentwickelt wurde.
Hauptziele des Federal Reserve Act
Der Federal Reserve Act hatte mehrere zentrale Ziele:
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Schaffung eines Zentralbanksystems
- Einführung der Federal Reserve als Zentralbank der USA.
- Strukturierung in 12 regionale Federal Reserve Banks, um eine ausgewogene Geldpolitik für das ganze Land zu gewährleisten.
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Stabilisierung des Finanzsystems
- Reduzierung der Häufigkeit von Bankenkrisen durch eine einheitliche Geldpolitik.
- Einführung eines Lenders of Last Resort, der Banken in Notlagen mit Liquidität versorgen kann.
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Steuerung der Geldmenge und der Inflation
- Die Fed erhielt das Mandat, die Geldmenge zu kontrollieren, um Inflation und Deflation zu vermeiden.
- Einführung eines Mechanismus zur Druckerlaubnis neuer Banknoten, die durch die Fed reguliert wurden.
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Regulierung des Bankensektors
- Einführung von Kapitalanforderungen für Banken.
- Kontrolle der Mindestreserveanforderungen, um übermäßige Kreditvergaben zu vermeiden.
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Förderung eines stabilen Kreditmarktes
- Schaffung eines Systems, in dem Banken Kredite bei der Fed aufnehmen können, um in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zahlungsfähig zu bleiben.
Aufbau und Struktur der Federal Reserve nach dem Federal Reserve Act
Das Gesetz führte zur Gründung eines dreistufigen Zentralbanksystems:
| Institution | Funktion |
|---|---|
| Board of Governors | Setzt die Geldpolitik fest, überwacht das System. |
| 12 regionale Federal Reserve Banks | Führen die Geldpolitik auf regionaler Ebene aus. |
| Federal Open Market Committee (FOMC) | Entscheidet über Offenmarktgeschäfte und Zinsen. |
Die Idee hinter dieser Struktur war es, eine Machtkonzentration in einer einzigen Institution zu verhindern und gleichzeitig eine nationale Koordination zu gewährleisten.
Wichtige Bestimmungen des Federal Reserve Act
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Einführung des Federal Reserve Systems
- Die USA erhielten erstmals eine echte Zentralbank mit einem zentralisierten, aber dezentral organisierten System.
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Möglichkeit der Emission von Federal Reserve Notes
- Der US-Dollar wurde zur offiziellen, von der Fed kontrollierten Währung.
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Etablierung von Mindestreserveanforderungen für Banken
- Banken mussten einen Teil ihrer Einlagen als Reserve bei der Fed hinterlegen.
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Schaffung eines Diskontsystems
- Banken konnten kurzfristige Kredite bei der Fed aufnehmen, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken.
Auswirkungen des Federal Reserve Act
Der Federal Reserve Act hatte tiefgreifende Auswirkungen auf das US-Finanzsystem:
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Stärkere Finanzstabilität
- Durch die Einführung einer Zentralbank konnten Bank Runs eingedämmt und Finanzkrisen besser kontrolliert werden.
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Bessere Steuerung der Geldpolitik
- Die Fed erhielt die Möglichkeit, die Geldmenge und Zinsen zu steuern, um Inflation und Deflation entgegenzuwirken.
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Langfristige wirtschaftliche Stabilität
- Das System half, die Wirtschaft besser auf Krisen vorzubereiten, auch wenn nicht alle Krisen verhindert wurden.
Kritik am Federal Reserve Act
Obwohl das Gesetz viele Vorteile brachte, gab es auch Kritik:
- Unzureichende Kontrolle über spekulative Exzesse
- In den 1920er Jahren förderte die lockere Geldpolitik eine Aktienmarktblase, die zum Börsencrash von 1929 führte.
- Konzentration wirtschaftlicher Macht
- Einige Kritiker argumentieren, dass die Fed zu viel Kontrolle über das Finanzsystem hat.
- Unabhängigkeit der Fed von der Politik
- Die Unabhängigkeit der Fed ist zwar gewünscht, sorgt aber auch dafür, dass ihre Entscheidungen schwer überprüfbar sind.
Reformen und Weiterentwicklungen des Federal Reserve Act
Der Federal Reserve Act wurde mehrfach reformiert, um sich verändernden wirtschaftlichen Bedingungen anzupassen:
- Banking Act von 1933 (Glass-Steagall Act)
- Einführung der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) zur Einlagensicherung.
- Banking Act von 1935
- Stärkung der geldpolitischen Befugnisse der Fed.
- Humphrey-Hawkins Act (1978)
- Legte die doppelten Ziele der Fed fest: Preisstabilität und Vollbeschäftigung.
- Dodd-Frank Act (2010)
- Nach der Finanzkrise 2008 wurden neue Vorschriften zur Bankenregulierung eingeführt.
Fazit
Der Federal Reserve Act von 1913 war ein Wendepunkt in der US-Finanzgeschichte. Er legte den Grundstein für das heutige Zentralbanksystem und half, Finanzkrisen besser zu kontrollieren.
Obwohl das Gesetz nicht alle wirtschaftlichen Probleme lösen konnte, ist die Federal Reserve heute eine der mächtigsten Zentralbanken der Welt. Die kontinuierlichen Anpassungen des Federal Reserve Act haben dazu beigetragen, dass das US-Finanzsystem über Jahrzehnte hinweg widerstandsfähig geblieben ist.