Financial Institutions Reform, Recovery, and Enforcement Act Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Depository Institutions Deregulation and Monetary Control Act Nächster Begriff: Federal Savings and Loan Insurance Corporation (FSLIC)

Ein entscheidendes Gesetz zur Bewältigung der Savings and Loan-Krise und zur Stärkung der Finanzmarktregulierung

Der Financial Institutions Reform, Recovery, and Enforcement Act (FIRREA) von 1989 war ein umfassendes US-amerikanisches Gesetz, das als Reaktion auf die Savings and Loan (S&L)-Krise der 1980er Jahre verabschiedet wurde. Das Gesetz wurde entwickelt, um das Bankensystem zu stabilisieren, insolvente Sparkassen abzuwickeln und strengere Regulierungen für Finanzinstitute einzuführen.

FIRREA führte zur Schaffung neuer Aufsichtsbehörden, erhöhter Kapitalanforderungen für Banken und verschärfter Durchsetzungsmaßnahmen gegen betrügerische Praktiken im Finanzsektor. Das Gesetz war ein Wendepunkt in der US-Finanzgeschichte und legte den Grundstein für eine strengere Bankenaufsicht.

Hintergrund und Notwendigkeit des FIRREA

In den 1980er Jahren durchlief der US-Finanzsektor eine Phase der Deregulierung, die durch frühere Gesetze wie den Depository Institutions Deregulation and Monetary Control Act (DIDMCA) von 1980 und den Garn-St Germain Depository Institutions Act von 1982 vorangetrieben wurde. Diese Deregulierungen ermöglichten es Savings and Loan Associations (S&Ls), riskantere Kredite zu vergeben und sich stärker im Immobilienmarkt zu engagieren.

Die wichtigsten Ursachen für die Savings and Loan-Krise waren:

  • Unzureichende Kapitalreserven: Sparkassen vergaben hochriskante Immobilienkredite, ohne ausreichende Eigenkapitalpolster.
  • Zinserhöhungen in den 1980er Jahren: Die US-Notenbank (Federal Reserve) erhöhte die Zinsen stark, wodurch viele S&Ls in Schwierigkeiten gerieten, da sie langfristige Kredite zu niedrigen Zinsen vergeben hatten.
  • Spekulationsgeschäfte und Betrug: Viele S&Ls investierten in riskante Immobilienprojekte oder wurden Opfer von betrügerischen Geschäften.
  • Mangelhafte Regulierung: Die Aufsichtsbehörden hatten nicht genug Durchsetzungskraft, um gegen Misswirtschaft und exzessive Kreditvergabe vorzugehen.

Bis 1989 waren über 1.000 Savings and Loan-Institute insolvent, was zu geschätzten Kosten von über 150 Milliarden US-Dollar für die Steuerzahler führte. Infolgedessen verabschiedete der US-Kongress den Financial Institutions Reform, Recovery, and Enforcement Act (FIRREA), der am 9. August 1989 von Präsident George H. W. Bush unterzeichnet wurde.

Hauptinhalte des FIRREA

Das Gesetz führte mehrere wesentliche Reformen ein, um das Finanzsystem zu stabilisieren und zukünftige Bankenkrisen zu verhindern.

1. Auflösung der Federal Savings and Loan Insurance Corporation (FSLIC)

  • Die FSLIC, die zuvor für die Einlagensicherung der Sparkassen zuständig war, wurde aufgelöst, da sie nicht über ausreichende Mittel verfügte, um die Krise zu bewältigen.
  • Die Zuständigkeit für die Einlagensicherung wurde auf die Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) übertragen.

2. Schaffung der Resolution Trust Corporation (RTC) zur Abwicklung insolventer Sparkassen

  • Die RTC wurde gegründet, um die Vermögenswerte bankrotter S&Ls zu verwalten und abzuwickeln.
  • Sie übernahm problematische Immobilienkredite und verkaufte diese über mehrere Jahre hinweg, um Verluste zu minimieren.
  • Bis zu ihrer Schließung im Jahr 1995 hatte die RTC über 700 gescheiterte Sparkassen abgewickelt.

3. Erhöhung der Kapitalanforderungen für Banken und Sparkassen

  • Banken und Sparkassen mussten nun höhere Eigenkapitalquoten einhalten, um zukünftige Krisen zu vermeiden.
  • Die neuen Kapitalanforderungen wurden von den Aufsichtsbehörden schärfer überwacht.

4. Schaffung des Office of Thrift Supervision (OTS)

  • Die Regulierung der Sparkassen wurde neu organisiert:
    • Das Federal Home Loan Bank Board (FHLBB) wurde aufgelöst.
    • Das neue Office of Thrift Supervision (OTS) übernahm die Aufsicht über Savings and Loan-Institute.
    • Die Comptroller of the Currency (OCC) erhielt erweiterte Aufsichtsbefugnisse über nationale Banken.

5. Erweiterung der Befugnisse der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC)

  • Die FDIC übernahm die Einlagensicherung für Sparkassen.
  • Sie erhielt stärkere Befugnisse, um Banken im Krisenfall früher zu restrukturieren.

6. Härtere Strafen für Finanzbetrug

  • FIRREA verschärfte die strafrechtliche Verfolgung von Finanzbetrug.
  • Die Strafverfolgungsbehörden erhielten mehr Mittel, um Bankenmanager und Finanzbetrüger zur Rechenschaft zu ziehen.

Auswirkungen des FIRREA

Das Gesetz hatte weitreichende Konsequenzen für den US-Finanzsektor:

  1. Stabilisierung des Bankensystems

    • Durch die Auflösung insolventer Sparkassen und die Abwicklung problematischer Kredite wurde das Finanzsystem stabilisiert.
    • Die Resolution Trust Corporation (RTC) spielte eine Schlüsselrolle bei der Sanierung des Immobilienmarktes.
  2. Stärkung der Finanzaufsicht

    • Die Schaffung neuer Aufsichtsbehörden wie des Office of Thrift Supervision (OTS) führte zu einer besseren Überwachung von Sparkassen.
    • Strengere Kapitalanforderungen machten Banken widerstandsfähiger gegen wirtschaftliche Schocks.
  3. Kosten für Steuerzahler

    • Die Rettungsaktion kostete letztlich über 150 Milliarden US-Dollar, wovon ein Großteil durch Steuergelder finanziert wurde.
    • Viele Kritiker bemängelten, dass die Finanzbranche für ihre eigenen Fehler nicht ausreichend zur Rechenschaft gezogen wurde.
  4. Erhöhte Verantwortung für Bankmanager

    • Härtere Strafen für Finanzbetrug schufen Anreize für bessere Risikokontrolle und verantwortungsbewusstes Management.

Kritik am FIRREA

Trotz seiner Erfolge wurde das FIRREA auch kritisiert:

  1. Zu spät ergriffene Maßnahmen

    • Viele Experten argumentieren, dass eine frühere Intervention die Krise hätte abmildern können.
    • Das Gesetz kam erst nach dem massenhaften Zusammenbruch der S&Ls.
  2. Hohe Kosten für Steuerzahler

    • Kritiker merkten an, dass die Regierung letztlich mit Steuergeldern Banken rettete, anstatt strengere Regeln zur Prävention der Krise frühzeitig einzuführen.
  3. Kurzfristige Wirkung

    • Obwohl FIRREA das Bankensystem stabilisierte, wurden langfristige Reformen erst mit dem Gramm-Leach-Bliley Act von 1999 und später mit dem Dodd-Frank Act von 2010 umgesetzt.

Langfristige Bedeutung des FIRREA

Das Financial Institutions Reform, Recovery, and Enforcement Act (FIRREA) war eine der umfassendsten Finanzreformen seiner Zeit und legte den Grundstein für ein strenger reguliertes Bankensystem in den USA.

  • Die Lehren aus der S&L-Krise führten zu strikteren Kapitalvorschriften für Banken.
  • Die FDIC wurde zur zentralen Institution für die Einlagensicherung.
  • Die Erfahrungen aus FIRREA beeinflussten spätere Reformen zur Finanzmarktstabilität, insbesondere nach der Finanzkrise 2008.

Fazit

Der Financial Institutions Reform, Recovery, and Enforcement Act (FIRREA) von 1989 war ein entscheidendes Gesetz zur Bewältigung der Savings and Loan-Krise und zur Stärkung der Finanzmarktregulierung. Obwohl es hohe Kosten verursachte, half es, das Vertrauen in das Bankensystem wiederherzustellen und zukünftige Krisen besser zu verhindern. Die Lehren aus dieser Reform blieben relevant für spätere Finanzmarktgesetze und prägten die US-Bankenaufsicht bis heute.