Fondswährung Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Fondsvolumen Nächster Begriff: Forfaitierung
Eine Währung, in der das Vermögen eines Investmentfonds geführt, bewertet und der Nettoinventarwert berechnet wird, wobei Kursschwankungen zwischen Fondswährung und Anlegerwährung zusätzliches Wechselkursrisiko für den Anleger erzeugen können
Die Fondswährung ist ein grundlegendes Merkmal eines Investmentfonds und beschreibt die Währung, in der das Fondsvermögen rechnerisch geführt und ausgewiesen wird. Sie ist ein formaler Bezugsrahmen für Bewertung, Berichterstattung und Preisermittlung eines Fonds, wird jedoch von vielen Anlegern häufig missverstanden oder überschätzt. Ein sachliches Verständnis der Fondswährung erfordert daher eine klare Abgrenzung zwischen rechnerischer Währung und tatsächlichen wirtschaftlichen Risiken.
Die Fondswährung ist die Währung, in der der Wert eines Investmentfonds berechnet, bilanziert und veröffentlicht wird. Sie bestimmt, in welcher Währung der Anteilwert ausgewiesen wird, sagt jedoch nicht zwangsläufig aus, welchen Währungsrisiken der Fonds tatsächlich ausgesetzt ist.
Einordnung und Funktion der Fondswährung
Die Fondswährung dient in erster Linie als Rechnungs- und Berichtswährung. In ihr wird das Fondsvermögen bewertet, der Anteilwert berechnet und die Wertentwicklung dargestellt. Sie schafft damit eine einheitliche Bezugsgröße für alle Anleger eines Fonds, unabhängig davon, in welchen Ländern oder Währungen die einzelnen Vermögensgegenstände investiert sind.
Die Wahl der Fondswährung erfolgt durch die Kapitalverwaltungsgesellschaft bei der Auflage des Fonds. Häufig wird eine international verbreitete Währung gewählt, etwa der Euro oder der US-Dollar. Die Fondswährung ist Bestandteil der Fondsbedingungen und bleibt in der Regel über die gesamte Laufzeit des Fonds unverändert.
Abgrenzung zu Anleger- und Handelswährung
Die Fondswährung ist von der Währung zu unterscheiden, in der ein Anleger investiert oder Ausschüttungen erhält. Ein Anleger kann beispielsweise Anteile an einem Fonds mit Fondswährung US-Dollar erwerben, obwohl sein Referenzkonto in Euro geführt wird. In diesem Fall erfolgt die Abwicklung über eine Umrechnung zwischen den Währungen.
Ebenso ist die Fondswährung nicht mit der Handelswährung einzelner Vermögenswerte gleichzusetzen. Ein Fonds mit Fondswährung Euro kann Wertpapiere halten, die in US-Dollar, Yen oder anderen Währungen notieren. Die Fondswährung bildet lediglich den rechnerischen Rahmen, in den alle Werte umgerechnet werden.
Zusammenspiel von Fondswährung und Anlagewährungen
Für das wirtschaftliche Risiko eines Fonds ist nicht die Fondswährung entscheidend, sondern die Währungen der zugrunde liegenden Anlagen. Diese sogenannten Anlagewährungen bestimmen, ob und in welchem Umfang der Fonds Wechselkursschwankungen ausgesetzt ist.
Ein Fonds kann beispielsweise in Aktien aus den USA investieren, die in US-Dollar notieren. Unabhängig davon, ob der Fonds in Euro oder US-Dollar geführt wird, besteht ein Währungsrisiko gegenüber dem Euro, sofern keine Absicherung vorgenommen wird. Die Fondswährung ändert nichts an diesem Risiko, sondern beeinflusst lediglich, wie sich dieses Risiko in der ausgewiesenen Wertentwicklung widerspiegelt.
Umrechnung und Bewertung des Fondsvermögens
Alle Vermögenswerte eines Fonds werden regelmäßig bewertet und in die Fondswährung umgerechnet. Dabei werden die jeweils aktuellen Wechselkurse zugrunde gelegt. Veränderungen der Wechselkurse wirken sich somit unmittelbar auf den in Fondswährung ausgewiesenen Wert des Fondsvermögens aus.
Diese Umrechnung ist ein fester Bestandteil der Fondsadministration. Sie stellt sicher, dass der Anteilwert alle Wertveränderungen widerspiegelt, die sowohl aus Kursbewegungen der Anlagen als auch aus Wechselkursschwankungen resultieren. Für Anleger ist dieser Prozess meist nicht sichtbar, beeinflusst jedoch die tägliche Wertentwicklung des Fonds.
Fondswährung und Währungsrisiko
Ein häufiger Irrtum besteht darin, anzunehmen, dass die Fondswährung das Währungsrisiko bestimmt. Tatsächlich ist dies nicht der Fall. Das Währungsrisiko ergibt sich aus der Differenz zwischen der Währung des Anlegers und den Währungen der Anlagen im Fonds.
Ein Fonds mit Fondswährung Euro kann ein erhebliches Fremdwährungsrisiko aufweisen, wenn er überwiegend in nicht-eurodenominierte Vermögenswerte investiert. Umgekehrt kann ein Fonds mit Fondswährung US-Dollar für einen Euro-Anleger ein geringeres Währungsrisiko haben, wenn die zugrunde liegenden Anlagen ebenfalls überwiegend in Euro notieren. Die Fondswährung ist daher kein verlässlicher Indikator für das tatsächliche Währungsrisiko.
Währungsgesicherte Fonds und Fondswährung
Einige Fonds bieten währungsgesicherte Anteilsklassen an. In solchen Fällen wird versucht, Wechselkursschwankungen zwischen bestimmten Anlagewährungen und der Fondswährung oder einer Zielwährung zu reduzieren. Die Fondswährung bleibt dabei in der Regel unverändert, während zusätzliche Absicherungsmaßnahmen eingesetzt werden.
Die Existenz währungsgesicherter Varianten verdeutlicht, dass die Fondswährung allein nicht ausreicht, um Aussagen über das Währungsrisiko zu treffen. Entscheidend ist vielmehr, ob und in welchem Umfang der Fonds oder eine Anteilsklasse Währungssicherungsinstrumente nutzt.
Bedeutung der Fondswährung für die Wertentwicklung
Die ausgewiesene Wertentwicklung eines Fonds bezieht sich stets auf die Fondswährung. Das bedeutet, dass Kursgewinne oder -verluste sowie Währungseffekte aus Sicht dieser Währung dargestellt werden. Für Anleger, deren eigene Referenzwährung von der Fondswährung abweicht, kann die persönliche Rendite davon abweichen.
Ein Euro-Anleger in einem Fonds mit Fondswährung US-Dollar ist zusätzlich den Wechselkursschwankungen zwischen Euro und US-Dollar ausgesetzt. Selbst wenn der Fonds in seiner Fondswährung eine stabile Entwicklung aufweist, kann die Rendite in Euro positiv oder negativ beeinflusst werden. Die Fondswährung ist daher ein wichtiger Bezugspunkt, aber nicht der alleinige Maßstab für die individuelle Anlagerendite.
Fondswährung und Vergleichbarkeit von Fonds
Die Fondswährung spielt eine Rolle bei der Vergleichbarkeit von Fonds. Fonds mit unterschiedlicher Fondswährung lassen sich nur eingeschränkt direkt vergleichen, da Wechselkurseffekte die Wertentwicklung beeinflussen können. Ein Vergleich erfordert entweder eine Umrechnung in eine gemeinsame Währung oder eine Betrachtung der Wertentwicklung ohne Währungseinfluss.
In der Praxis werden Fonds häufig in der Währung verglichen, die für den Anleger relevant ist. Die Fondswährung dient dabei als Ausgangspunkt, wird jedoch für Vergleichszwecke angepasst. Anleger sollten sich bewusst sein, dass Unterschiede in der Wertentwicklung teilweise auf Wechselkurse und nicht auf unterschiedliche Anlageentscheidungen zurückzuführen sein können.
Rolle der Fondswährung bei Ausschüttungen
Auch Ausschüttungen werden grundsätzlich in der Fondswährung berechnet. Für Anleger erfolgt die Auszahlung jedoch häufig in der Währung ihres Kontos. Dabei wird der Ausschüttungsbetrag zum jeweiligen Wechselkurs umgerechnet.
Die Fondswährung beeinflusst somit die rechnerische Höhe der Ausschüttung, nicht jedoch deren wirtschaftlichen Ursprung. Dieser hängt von den Erträgen der im Fonds enthaltenen Anlagen ab. Wechselkursschwankungen können dazu führen, dass Ausschüttungen in der Anlegerwährung variieren, obwohl sie in der Fondswährung konstant bleiben.
Fondswährung im regulatorischen und administrativen Kontext
Aus regulatorischer Sicht ist die Fondswährung Teil der formalen Fondsstruktur. Sie ist in den Fondsunterlagen festgelegt und bildet die Grundlage für Rechnungslegung, Berichterstattung und Prüfung. Alle offiziellen Angaben zum Fondsvermögen, zur Wertentwicklung und zu Kennzahlen beziehen sich auf die Fondswährung.
Für die Fondsadministration vereinfacht die Festlegung einer einheitlichen Fondswährung die laufende Bewertung und Dokumentation. Sie ermöglicht eine konsistente Darstellung der Fondsentwicklung und ist Voraussetzung für die ordnungsgemäße Preisermittlung.
Relevanz für unterschiedliche Anlegergruppen
Für Anleger mit langfristigem Anlagehorizont ist die Fondswährung meist von untergeordneter Bedeutung im Vergleich zur tatsächlichen Währungsallokation des Fonds. Kurzfristig orientierte Anleger oder solche mit klar definierten Währungszielen können der Fondswährung jedoch eine höhere Bedeutung beimessen.
Institutionelle Anleger berücksichtigen die Fondswährung häufig im Rahmen eines umfassenden Währungsmanagements. Private Anleger sollten sie vor allem als Informationsmerkmal verstehen, das im Zusammenhang mit der eigenen Referenzwährung und der Anlagestruktur des Fonds zu betrachten ist.
Fazit
Die Fondswährung ist die rechnerische Währung, in der ein Investmentfonds bewertet, geführt und ausgewiesen wird. Sie bestimmt den Bezugsrahmen für Anteilwert, Berichterstattung und Wertentwicklung, ist jedoch nicht mit den tatsächlichen Währungsrisiken eines Fonds gleichzusetzen. Diese ergeben sich aus den Währungen der im Fonds enthaltenen Anlagen und deren Verhältnis zur Währung des Anlegers. Die Fondswährung ist damit ein wichtiges formales Merkmal, entfaltet ihre Bedeutung jedoch erst im Zusammenspiel mit der Anlagewährung, der persönlichen Referenzwährung und gegebenenfalls bestehenden Währungssicherungen. Ein sachliches Verständnis der Fondswährung hilft Anlegern, Fondsentwicklungen korrekt einzuordnen und Wechselkurseffekte realistisch zu bewerten.