Fraktion Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Forward-Kontrakt Nächster Begriff: Free Float

Eine Fraktion (im Kontext Ordervolumen) ist ein Teilvolumen einer großen Wertpapierorder, das in kleinere Einheiten aufgeteilt wird, um die Ausführung an der Börse zu erleichtern, Marktimpact zu reduzieren und bessere Preise zu erzielen.

Als Fraktion wird im Börsenhandel ein Ordervolumen bezeichnet, das unterhalb des jeweils festgelegten Mindesthandelsvolumens liegt. Dieses Mindestvolumen beträgt im klassischen Aktienhandel häufig 100 Stück, kann jedoch abhängig von Börse, Marktsegment oder Wertpapierart variieren. Orders, die dieses Mindestvolumen unterschreiten, werden als Fraktionen bezeichnet und sind auch unter dem Begriff Odd Lot bekannt. Der Ausdruck beschreibt ausschließlich die Größenordnung einer Order und ist unabhängig von der Art oder Qualität des gehandelten Wertpapiers.

 

Die Bedeutung der Fraktion ergibt sich aus der historischen und organisatorischen Struktur der Börsen. Der Handel mit standardisierten Stückzahlen dient der Vereinfachung von Abwicklung, Preisbildung und Markttransparenz. Fraktionen stellen eine Abweichung von dieser Standardisierung dar und unterliegen daher besonderen handelspraktischen Bedingungen.

Abgrenzung zum Round Lot

Dem Begriff der Fraktion steht der sogenannte Round Lot gegenüber. Ein Round Lot bezeichnet ein Ordervolumen, das exakt dem Mindesthandelsvolumen entspricht oder ein ganzzahliges Vielfaches davon darstellt. Im Aktienhandel gelten demnach Orders über 100, 200 oder 300 Aktien als Round Lots. Diese Standardgrößen sind für den Börsenhandel von zentraler Bedeutung, da sie eine effiziente Zusammenführung von Kauf- und Verkaufsaufträgen ermöglichen.

Fraktionen entstehen immer dann, wenn ein Auftragsvolumen nicht durch das Mindesthandelsvolumen teilbar ist. Eine Order über 453 Aktien besteht folglich aus vier Round Lots zu je 100 Aktien und einer Fraktion von 53 Aktien. Für die Börse und den Broker ist diese Differenzierung relevant, da der standardisierte Teil der Order einfacher verarbeitet werden kann als der nicht standardisierte Anteil.

Historische Entwicklung und organisatorische Bedeutung

Die Unterscheidung zwischen Fraktion und Round Lot geht auf die Zeit des Präsenzhandels zurück. Auf dem Börsenparkett war es notwendig, Orders möglichst einheitlich zu strukturieren, um den Handel effizient organisieren zu können. Standardisierte Volumina erleichterten die Kommunikation zwischen Händlern und trugen zu einer schnellen Preisfeststellung bei. Fraktionen galten als aufwendig, da sie zusätzliche Abstimmungen erforderten.

Auch mit der Einführung elektronischer Handelssysteme hat diese Struktur nicht vollständig an Bedeutung verloren. Zwar können moderne Systeme kleinere Stückzahlen technisch problemlos verarbeiten, dennoch sind viele Handels- und Abrechnungssysteme weiterhin auf Standardvolumina ausgerichtet. Die Fraktion bleibt daher ein eigenständiger Begriff mit praktischen Auswirkungen.

Auswirkungen auf Gebühren und Abwicklung

Ein wesentlicher Aspekt im Zusammenhang mit Fraktionen sind die Transaktionskosten. Orders, die ganz oder teilweise aus Fraktionen bestehen, sind häufig mit höheren Gebühren verbunden als reine Round-Lot-Orders. Der Grund liegt im erhöhten organisatorischen und technischen Aufwand für Broker und Handelsplätze. Fraktionen lassen sich nicht immer unmittelbar mit passenden Gegenorders kombinieren und müssen teilweise gesondert behandelt werden.

Dieser zusätzliche Aufwand kann sich sowohl in höheren Courtagen als auch in ungünstigeren Ausführungskonditionen niederschlagen. Insbesondere bei kleineren Ordervolumina kann dies dazu führen, dass die Kosten im Verhältnis zum investierten Kapital vergleichsweise hoch ausfallen. Für Anleger ist es daher sinnvoll, die Struktur ihrer Orders im Hinblick auf mögliche Fraktionen zu berücksichtigen.

Bedeutung für Liquidität und Preisbildung

Fraktionen haben auch Einfluss auf die Liquidität eines Wertpapiers. Round Lots tragen zu einem kontinuierlichen Handel bei, da sie leichter auf entsprechende Gegenorders treffen. Fraktionen nutzen die vorhandene Marktliquidität hingegen weniger effizient. In sehr liquiden Märkten fällt dieser Effekt meist kaum ins Gewicht, während er in weniger liquiden Märkten deutlicher spürbar sein kann.

In solchen Fällen besteht die Möglichkeit, dass Fraktionen verzögert ausgeführt werden oder zu Preisen, die leicht vom aktuellen Marktniveau abweichen. Dies kann insbesondere dann relevant sein, wenn Fraktionen außerhalb des zentralen Orderbuchs oder über spezielle Handelsmechanismen abgewickelt werden.

Rolle moderner Handelssysteme

Mit der zunehmenden Digitalisierung des Börsenhandels hat sich der praktische Umgang mit Fraktionen verändert. Viele Online-Broker ermöglichen heute den Handel sehr kleiner Stückzahlen, teilweise sogar einzelner Aktien. Dennoch bleibt die Unterscheidung zwischen Fraktion und Round Lot bestehen, da sie weiterhin Einfluss auf interne Abrechnungsprozesse, Gebührenmodelle und Ausführungsprioritäten hat.

Vor allem institutionelle Marktteilnehmer berücksichtigen diese Unterschiede bei der Planung größerer Orders. Durch eine gezielte Aufteilung in Round Lots kann der Anteil von Fraktionen reduziert und damit die Effizienz der Orderausführung verbessert werden.

Fraktionen im Zusammenhang mit Kapitalmaßnahmen

Auch bei Kapitalmaßnahmen können Fraktionen eine Rolle spielen. Bei Aktiensplits, Bezugsrechten oder Dividendenberechnungen entstehen mitunter rechnerische Bruchteile, die nicht in ganze Stücke umgewandelt werden können. Solche Fraktionen werden häufig durch Barausgleich abgegolten und separat in der Abrechnung ausgewiesen.

Diese Besonderheiten betreffen zwar nicht den klassischen Börsenhandel im engeren Sinne, verdeutlichen jedoch, dass Fraktionen auch über den eigentlichen Orderprozess hinaus eine praktische Bedeutung haben können.

Fazit

Die Fraktion ist ein fest definierter Begriff des Börsenhandels und bezeichnet ein Ordervolumen, das unterhalb des festgelegten Mindesthandelsvolumens liegt oder nicht durch dieses teilbar ist. Sie steht im Gegensatz zum Round Lot, das die standardisierte Handelsgröße darstellt. Trotz moderner Handelstechnologien sind Fraktionen weiterhin mit besonderen Abwicklungs-, Kosten- und Liquiditätsmerkmalen verbunden. Ein sachliches Verständnis dieses Begriffs hilft Anlegern, Handelsstrukturen besser einzuordnen und mögliche Auswirkungen auf Gebühren und Ausführung realistisch zu bewerten.