Ludwig von Mises Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Friedrich August von Hayek Nächster Begriff: Milton Friedman

Einer der bedeutendsten Vertreter der Österreichischen Schule und ein kompromissloser Verfechter der freien Marktwirtschaft

Ludwig von Mises war einer der bedeutendsten Ökonomen der Österreichischen Schule und ein einflussreicher Vertreter des wirtschaftlichen Liberalismus. Seine Theorien zur freien Marktwirtschaft, zur Rolle des Geldes und zur Kritik der sozialistischen Wirtschaftsplanung prägen die Wirtschaftswissenschaft bis heute. Mises gilt als einer der radikalsten Verfechter des Laissez-faire-Kapitalismus und als scharfer Kritiker staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft. Seine Werke wie „Die Gemeinwirtschaft“ (1922) und „Human Action“ (1949) sind grundlegende Beiträge zur Wirtschaftstheorie und politischer Philosophie.

Leben und akademischer Werdegang

Ludwig von Mises wurde am 29. September 1881 in Lemberg (heute Lwiw, Ukraine) geboren. Er stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie und studierte in Wien Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. An der Universität Wien wurde er stark von Carl Menger und Eugen von Böhm-Bawerk beeinflusst, zwei der führenden Ökonomen der Österreichischen Schule.

Nach seinem Studium arbeitete Mises zunächst als wirtschaftspolitischer Berater und Professor in Wien. Während dieser Zeit entwickelte er seine Theorien zur Wirtschaftsrechnung im Sozialismus und zur Bedeutung des privaten Eigentums für eine funktionierende Wirtschaft. Aufgrund des Aufstiegs des Nationalsozialismus emigrierte Mises 1934 in die Schweiz und später in die USA, wo er an der New York University lehrte.

Die Wirtschaftsrechnung im Sozialismus

Eines der bekanntesten Argumente von Mises ist seine Kritik der sozialistischen Planwirtschaft. In seinem Werk „Die Gemeinwirtschaft“ (1922) zeigte er auf, dass eine Wirtschaft ohne private Eigentumsrechte und ohne Marktpreise nicht effizient funktionieren kann.

Seine Argumentation beruhte auf folgenden Punkten:

  • Fehlende Preissignale: In einer sozialistischen Wirtschaft gibt es keine Marktpreise für Produktionsmittel, da diese verstaatlicht sind. Ohne Preise können Unternehmer nicht kalkulieren, welche Produktionsweisen effizient sind.
  • Planwirtschaft führt zu Ressourcenverschwendung: Da keine marktbasierten Entscheidungen getroffen werden, kommt es zu Fehlallokationen von Kapital und Arbeit.
  • Fehlende Innovation: Ohne Wettbewerb und Gewinnanreize gibt es keinen Antrieb zur technischen oder wirtschaftlichen Weiterentwicklung.

Diese Argumente wurden später von Friedrich August von Hayek weiterentwickelt und haben maßgeblich zur Kritik zentraler Planwirtschaften beigetragen.

Praxeologie: Die Wissenschaft vom menschlichen Handeln

Ein weiteres zentrales Konzept von Mises ist die Praxeologie, eine Methode zur Erforschung wirtschaftlicher Prozesse, die auf logischen Axiomen basiert. Mises argumentierte, dass Wirtschaft nicht empirisch, sondern deduktiv untersucht werden sollte.

Grundlagen der Praxeologie:

  • Handlungen sind zielgerichtet: Menschen handeln immer mit dem Ziel, einen subjektiven Nutzen zu maximieren.
  • Märkte sind das Ergebnis individueller Entscheidungen: Die Wirtschaft ist ein Zusammenspiel vieler individueller Handlungen, die sich durch Angebot und Nachfrage ausdrücken.
  • Geld ist ein Mittel des Tausches: Geld ermöglicht die effiziente Allokation von Ressourcen, indem es den Tausch erleichtert und als Wertmaßstab dient.

Sein Hauptwerk „Human Action“ (1949) ist eine umfassende Darstellung dieser Theorie und ein zentrales Werk der Österreichischen Schule.

Geld- und Konjunkturtheorie

Mises leistete auch bedeutende Beiträge zur Geldtheorie und zur Erklärung von Wirtschaftskrisen.

  • Ursache von Wirtschaftskrisen: Er argumentierte, dass staatliche Eingriffe in die Geldpolitik, insbesondere die künstliche Senkung der Zinsen durch Zentralbanken, zu Fehlinvestitionen führen. Dies resultiert in wirtschaftlichen Boom- und Bust-Zyklen.
  • Kritik an Inflation: Mises war ein entschiedener Gegner von Papiergeldinflation und plädierte für eine Währungsordnung auf Basis des Goldstandards.
  • Natürliche Zinsbildung: Zinsen sollten sich durch das Zusammenspiel von Sparen und Investieren bilden, nicht durch staatliche Manipulation.

Diese Ansichten beeinflussten später Ökonomen wie Hayek und Milton Friedman und fanden Eingang in die moderne Geldpolitik.

Ludwig von Mises und der Libertarismus

Mises' radikale Marktpositionen machten ihn zu einem Vordenker des Libertarismus. Er argumentierte für eine Minimalstaatliche Ordnung, in der der Staat lediglich für Sicherheit und Rechtsschutz sorgt, während alle anderen wirtschaftlichen Aktivitäten dem freien Markt überlassen bleiben.

Seine Ideen fanden insbesondere in den USA Anhänger und führten zur Gründung des Ludwig von Mises Institute, das seine Theorien weiter verbreitet.

Kritik an Mises' Theorien

Obwohl Mises einflussreich war, gibt es auch Kritik an seinen Ansätzen:

  • Dogmatische Ablehnung staatlicher Eingriffe: Kritiker argumentieren, dass sein radikaler Liberalismus realpolitisch kaum umsetzbar ist.
  • Fehlende empirische Überprüfung: Die Praxeologie basiert auf logischen Axiomen, ignoriert aber empirische Wirtschaftsforschung.
  • Soziale Ungleichheit: Ein vollständig freier Markt könnte soziale Ungleichheiten verstärken, was Mises jedoch als natürliche Konsequenz wirtschaftlicher Prozesse ansah.

Fazit

Ludwig von Mises war einer der bedeutendsten Vertreter der Österreichischen Schule und ein kompromissloser Verfechter der freien Marktwirtschaft. Seine Theorien zur Wirtschaftsrechnung im Sozialismus, zur Geldpolitik und zur Praxeologie prägen bis heute die wirtschaftswissenschaftliche Debatte. Während seine Ideen in libertären Kreisen hoch geschätzt werden, gibt es auch Kritik an seiner radikalen Ablehnung staatlicher Eingriffe. Dennoch bleibt sein Werk eine wichtige Grundlage für die Diskussion über die Rolle von Märkten, Staat und individueller Freiheit in der Wirtschaftspolitik.